Interview mit Feine Sahne Fischfilet

Ein paar Stunden vor dem beinahe ausverkauften Konzert von Feine Sahne Fischfilet durfte ich mit Jacobus North und Max Bozin – der Trompeten-Sektion der Band – etwas plaudern. Im gemütlichen Nightliner sprachen wir darüber, wie es ist auf einer beinahe ausverkauften Tour zu sein (lediglich die Show in der Schweiz und eine in Österreich waren nicht ausverkauft) und was es bedeutet, eine links-alternative Band zu sein.

Hallo zusammen. Wie geht es euch so, seid ihr gut drauf?
Jacobus: 
Ja sehr gut danke! Wir sind immer froh, hier zu sein. Man könnte auch sagen, dass ich Schweiz-Fan bin. Man wird hier immer herzlich empfangen. Wir waren ja auch schon ein paar Mal hier und waren schon öfters in der Reitschule in Bern, welche ja Quasi unsere Schweizer Heimat ist. Wir sind immer gern hier.

Das ist schön zu hören! Die aktuelle Tour “Alles auf Rausch” ist ja bisher eure grösste Tour und fast alle Shows sind ausverkauft. Wie erlebt ihr das?
Max: 
Wir sind natürlich total vom Hocker gerissen, dass es so läuft! Wir finden es natürlich mega geil und die Shows sind wirklich krass! Bereits in Leipzig, wo wir unsere erste Show der Tour hatten, haben die Leute bereits zwei Wochen nach Veröffentlichung des Albums mega viele Texte mitgesungen. Das war dann wirklich auch so ein Moment, wo wir realisiert haben, dass sich etwas verändert hat und die Shows auch grösser geworden sind und ich krieg jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich tue mich zwar auch immer ein bisschen schwer damit, das zu verarbeiten, aber schlussendlich nehmen wir das gerne mit und darauf haben wir auch voll Bock!

Jacobus: Es ist besonders jetzt auch ein schöner Moment, weil wir jetzt ja an dem Punkt sind, auf den wir mit unserer letzten Platte  hingearbeitet haben. Wir haben viel Zeit da rein gesteckt und wir können sie den Leuten nun präsentieren. Es ist einfach wunderschön zu sehen, dass es den Menschen gefällt.

Ihr habt geschrieben, dass ihr das erste Mal, als ihr in der Schweiz wart, vor 29 Leuten und einem Hund, der euch besteigen wollte, gespielt habt. Wo war das denn genau?
Max: Das war in einem kleinen Club namens Rümpelturm glaube ich. Das war so ein kleiner abgefuckter Laden und es hat total Spass gemacht! Was dazumal auch so Standard war bei uns, dass es kleine Schuppen waren. Ist jetzt aber auch schon so sieben oder acht Jahre her.

Vermisst ihr diese kleinen Shows?
Jacobus: Nein, denn wir spielen ja auch immer noch so kleine Shows. Wir haben, bevor das Album rausgekommen ist, nämlich genau das gemacht und sind eine Woche lang nur in kleinen Clubs aufgetreten. Wir haben dann aber auch, weil der Andrang so gross war, an jedem Abend immer zweimal gespielt.

Also klar ich würde es vermissen, wenn wir das nicht mehr machen würden, aber für uns ist es klar, dass wir das immer machen werden und wir immer wieder an Orte fahren, wo wir eben auch früher Konzerte gespielt haben. Es macht einfach unfassbar viel Spass, die Leute direkt vor sich zu haben! Aber es macht auch viel Freude, auf grossen Bühnen zu spielen. Und wenn ich mit meinen fünf Mitstreitern unterwegs bin, kann alles nur gut werden!

Max: Ich glaube, das ist auch ein bisschen unser Vorteil oder Glück, dass wir auf beiden Sachen funktionieren. Es ist nicht so, dass uns das eine oder andere besser liegt. Wir können auf kleinen Bühnen total abreissen und irgendwie kriegen wir es hin, dass es auf grossen Bühnen auch noch funktioniert. Und ja, wenn wir dann in so einer riesen Halle spielen und die Leute gehen ab, dann ja, sind wir schon baff!

Jetzt seid ihr auf Tour, in so einem schönen Bus und seid tagelang zusammen. Geht man sich da auch mal auf den Keks?
Jacobus: 
Ich würde eher sagen, dass die Tourzeit für uns eine sehr angenehme Zeit ist. Wir können uns dann losgelöst von allen Entscheidungen auf das Wesentliche konzentrieren und nur noch Musik machen. Die Zeit beim Schreiben des Albums ist da viel anstrengender. Wir sind eine Band, die sehr viel diskutiert, sehr viel miteinander bespricht, und genau das ist der anstrengende Teil. Wir sind sechs Leute, die sehr unterschiedlich sind und oft ganz unterschiedliche Vorstellungen haben. Diese Vorstellungen in einen Konsens zu bringen, das ist das anstrengend und belastet auch viel mehr.

Auf Tour, wenn das alles vorbei ist, sind wir total gelöst und entspannt. Und dann merken wir auch immer wieder, weshalb wir beste Freunde sind. Es ist auch einfach ein tolles Gefühl, wenn man gemeinsam auf der Bühne steht und die Energie spürt. Das schweisst unglaublich zusammen. Klar gibt es Momente wo man sich kurzzeitig auf den Sack geht, aber wir kennen uns gut genug, damit das kein Problem wird.

Max: Dazu kommt, dass wir mittlerweile den Luxus haben, dass wir nicht mehr zwei Monate durchgängig auf Tour sind. Zum Beispiel haben wir nach dem heutigen Konzert vier Tage Pause und dann geht es auch nach Hause und wir können uns ein bisschen ausruhen. Jeder hat so ein paar Tage zur Regeneration und man kann durchatmen und danach wieder frisch an die Sache rangehen.
Ein riesen Punkt, weshalb diese Tour die entspannteste ist bisher: Wir haben eine suppertolle Crew, welche dafür sorgt, dass wir uns abseits von den Auftritten nicht mehr um mega viel kümmern müssen und nicht mehr an so viel denken müssen. Diese Jungs stehen immer früh auf und reissen sich für uns voll den Arsch auf, damit wir jeden Abend mit freiem Kopf auf die Bühne stolpern können. Das ist ein grosser Luxus und wir sind unserer Crew enorm dankbar dafür.

Ihr seid eine Band, die sich klar als links bezeichnet. Das war ja am Anfang gar nicht so, dass ihr das aktiv geäussert habt?
Max: 
Ja, ganz am Anfang haben wir einfach nur mitgeteilt, dass wir halt keinen Bock auf Nazis an unseren Konzerten haben. Aber das war wirklich nur ganz am Anfang.

Jacobus: Ich würde schon sagen, dass wir eine ganz klar politische Band sind. Wir würden uns auch alle selbst als links bezeichnen. Das ist unser Selbstverständnis und dazu gehört auch mehr als einfach nur gegen Nazis zu sein. Auf der neuen Platte gibt es ja auch einige Songs, die das Thema behandeln.

Denkt ihr, das hat euch als Band geholfen oder hat es euch eher Steine in den Weg gelegt?
Max: 
Sagen wir mal so: Wenn wir das Gedankenspiel anders herum machen und wir mal annehmen, dass wir eine Rechtsrock-Band wären, glaube ich, würden wir an diesem Punkt, in dem sich die Gesellschaft befindet, wesentlich mehr Erfolg haben können.
Auf der einen Seite hat es uns natürlich total viele Steine in den Weg gelegt. Viele Politiker haben sich über uns beschwert und SPDler haben sogar öffentlich gefragt, ob man uns in sein Wohnzimmer lassen würde. Und da fragt man sich schon, was denn mit denen los ist und ob die keine anderen Probleme haben, über die sie sich den Kopf zerbrechen können.

Jacobus: Wir haben ja das ganze Programm durch. Wir mussten mit Angriffen und Anfeindungen umgehen und wir haben immer gesagt, was wir gedacht haben. Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir die Grösse erreichen, welche wir jetzt haben und ich denke schon, dass wir hier jetzt an diesem Punkt sind, weil wir nie gedacht haben, dass wir etwas nicht sagen dürfen. Das macht uns aus und es es ist schön, dass wir trotz oder gerade wegen unserer Einstellungen solch eine Grösse erreicht haben.
Ich denke schon, dass man eine grössere Bekanntheit erreichen kann, wenn man unpolitisch, oder rechts orientiert ist, weil es für die Masse halt “leichter” ist. Klar, das ist ja alles sehr hypothetisch, aber wo man aneckt, hat man es immer schwieriger. Vielen gefällt, was wir tun und entsprechend haben wir auch einen schönen Erfolg, wofür wir unfassbar dankbar sind, aber vielen sind unsere Aussagen auch zu heftig. Aber dann ist das halt so.

 

Auf der Flagge steht “NAZIS AUF’S MAUL!”

Dann scheisst ihr also drauf, wenn eure Meinungen für jemanden zu heftig sind?
Jacobus: 
Ja und nein.  Es stört uns nicht, wenn es so ist. Wenn es aber dann der Fall ist, dass unsere Aussagen als zu heftig empfunden werden, hoffen wir doch, dass die Leute drüber nachdenken.

Max: Es ist ja tatsächlich auch ein rhetorisches Mittel. Mit einer provokanten Art äussert man etwas, was für die Bürgerliche Mitte als zu doll empfunden wird. Und mit der Übertreibung möchte man erreichen, dass man zum Denken anspornen kann.

Jacobus: In der Welt, in der wir leben, da passieren tagtäglich so viele kranke und krasse Sachen. Da finde ich es echt skandalös, wenn sich die Gesellschaft über uns aufregt, wenn wir uns kritisch dazu äussern, dass auf der Welt Menschen mit deutschen Waffen umgebracht werden und Monchi dann darauf als “Fettpunker” bezeichnet wird. Da merkt man, dass die Leute nichts besseres zu tun haben, als sich über uns aufzuregen.
Manchmal denke ich mir dann: OK, das ist gut, wir polarisieren, wir regen zum Denken an. Trotzdem finde ich es beängstigend, dass die Gesellschaft so allergisch auf uns reagieren kann. Und was geht ab, dass wir sogar als Terroristen bezeichnet werden?

Es gibt viele Menschen, welche zwar eure Ansichten teilen, aber nicht auf eurer Seite stehen, weil ihr entweder nicht genug macht, oder nicht das richtige tut. Man würde ja eigentlich aus solchen Reihen mehr Unterstützung erwarten. Wie erlebt ihr das?
Jacobus: 
Wir werden sehr oft kritisiert für Dinge, die wir tun, das stimmt. Sozusagen, weil sie vielleicht manchmal politisch nicht korrekt sind oder weil gewisse Äusserungen oder Provokationen auch für Linke ein bisschen widersprüchlich sind. Und das geschieht auch im näheren Umfeld. Wir haben oft Diskussionen mit Freunden darüber. Ich sage dann aber immer wieder, dass wir als Feine Sahne daran Glauben, dass wir diesen Weg gehen müssen. Oft würden wir Sachen zuerst gerne eine halbe Stunde erklären, um unser Verhalten besser verständlich zu machen, aber oft kann man einfach nicht. Gerade als Band in de Öffentlichkeit.

Max: Es gibt natürlich auch einen feinen Unterschied zwischen Kritik, die einen fruchtbaren Boden hat zum Weiterdenken anzuregen gegenüber Kritik, die das weitere Zusammenarbeiten blockiert und ausschliesst, dass man sich noch gemeinsam unterhalten kann. Am letzteren Punkt wird es dann kritisch. Wenn man Leute kritisiert und die komplette Abschottungslinie fährt, da schadet man sich selber viel mehr, als dass man irgendwas gewinnen könnte.

Was ratet ihr euren Fans, die auch mehr tun möchten, aber sich dann mit solcher Kritik konfrontiert sehen?
Max: 
Erstmal nicht aufhören! Immer weiter machen und das Maul aufmachen. Ob am Arbeitsplatz, im Verein, in den Schulen, wo auch immer. Nicht die Klappe halten. Wenn die Leute dann merken, dass sie nur schon durch Engagement etwas verändern können, dann ist schon viel erreicht. Das Schlimmste, was passieren kann ist, wenn man resigniert und denkt, “Ich kann ja eh nichts verändern”.

Jacobus: Wenn du ein bisschen angefeindet wirst, dann kann das tatsächlich ein sehr, sehr gutes Zeichen sein. Ich denke, dass ist dann auch häufig so, aber dann darf man sich nicht einschüchtern lassen sondern das als Ansporn nehmen.

Ich danke euch für die motivierenden Worte!
Max & Jacobus: 
Danke ebenfalls!