Malico – “Don’t Break Me”: EP-Review

Heute gibt es von meiner Seite mal eine Review über nicht rawk.ch-übliche Musik. Warum unüblich? Keine Gitarren! Ich habe aber so nette und anschauliche Post von Malico erhalten, dass ich ihrer ersten EP „Don’t Break Me“ doch ein paar Worte widmen möchte.

Die EP ist in einem schicken Karton-Umschlag verpackt, der einen Bieruntersetzer mit Bandfoto drauf, Band- und Show-Flyers und den Tech-Rider enthält. Dem ganzen Päckli liegt auch noch ein persönlicher Brief bei. Ich muss schon sagen, so hübsch präsentierte Unterlagen zu einem Album bekommt man nicht alle Tage. Schön zu sehen, dass jemand so einfallsreich und mit viel Herzblut bei der Sache ist.

Kommen wir zum Inhalt der fünf Songs. Im ersten Moment sind zwei Bässe und dafür keine Gitarre sehr ungewohnt. Ich muss auch ehrlich sagen, dass mir auch nach mehrmaligem Durchhören die Gitarren fehlen. Die beiden Bassisten Jüre und Marcel geben jedoch alles, um den Songs trotzdem einen soliden Boden zu geben. Man wird aber das Gefühl nicht so recht los, dass ein Bass durch Effekte jeweils versucht, die Gitarre zu ersetzen. Dadurch wirken die Songs auf mich teilweise etwas unruhig und zu wenig tight. Wie wäre es zum Beispiel mit Bläser oder etwas Background-Gesang, um den Funk zu unterstützen und die fehlenden Frequenzen zu ergänzen?

Schlagzeuger Roman hält sich dezent im Hintergrund und verleiht der Musik – besonders den drei Songs „Don’t Break Me“, „Off To New Shores“ und „If The Worst Comes To the Worst“ – einen ziemlich jazzigen Touch. Die Drums sind absolut auf den Punkt und vermögen mich zu überzeugen.

Was mir auch gefällt sind die Texte, die einfallsreich geschrieben sind, Geschichten erzählen und Raum zur Eigeninterpretation lassen. Wer mich kennt weiss, dass bei mir ein Song mit dem Text steht oder fällt. Da gibt es von mir für Malico auf jeden Fall Pluspunkte. Die Stimme von Sängerin Janine ist klar und vielleicht für die jazzig-funkigen Songs fast zu Musical angehaucht. Allerdings überzeugt sie mich bei den beiden rockigeren Songs „Connected and Doomed“ und „Encircled“. Ach, schade hat es da keine Gitarren, die den beiden Stücken den Rock einhauchen könnten – das Potential richtig zu rocken hätten sie nämlich. Bei „Encircled“ überfordern mich die Basslinien zum Schluss und stehlen der schönen Gesangslinie leider etwas die Show.

Aufgenommen haben Malico die Songs übrigens selber, für den Mix war Tom Eberhard zuständig und gemastert wurde es von Stefan Noltemeyer aus Berlin.

„Don’t Break Me“ ist eine abwechslungsreiche EP, die für diverse Genre-Geschmäcker etwas bietet. Die zwei Bässe machen die Band natürlich einzigartig und mit dieser Besetzung eine solche stilistische Vielfalt hinzukriegen ist beeindruckend. Ich glaube, dass dieses „No-Guitars-Konzept“ auf der Bühne besser funktioniert als auf den Aufnahmen. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass die Band ihren eigenen Sound noch nicht ganz gefunden hat, ist sie mit viel Herz für die Musik bei der Sache und damit auf einem guten Weg. Und sind wir ehrlich: Die Liebe zur Musik ist das Wichtigste überhaupt.

VÖ: 10.03.2018 / Fontastix

Don’t Break Me
Off To New Shores
If The Worst Comes To The Worst
Connected And Doomed
Encircled

Live erleben könnt ihr das Quartett an den folgenden Daten:

10.03.2018 – Bolligen, Stärne Bar
24.03 2018 – Schönried, Sammy’s Bar
07.04 2018 – Wiler, MD9 Photography
28.04 2018 – Langenthal, Truubebar
22.09 2018 – Ostermundigen, Elchclub

Foto: Bojan Zupan