EP Review: Deadeyes

Zwei Dinge haben mich auf die Band Deadeyes aufmerksam gemacht: Zum einen soll ihre Musik an Soundgarden erinnern – eine Band, die mich musikalisch sehr geprägt hat – zum anderen kommt die Band aus Schottland, einem Land, dass mich primär natürlich wegen dem Whisky, aber auch wegen der Landschaft, den Menschen und neuerdings auch wegen seiner Musikszene sehr fasziniert. Genug Gründe, um mir einen Dram Scotch einzuschenken und in ihre EP reinzuhören.

Der Sound von Deadeyes kommt sehr breitbeinig daher. Ich höre mir die Songs mit Kopfhörer an, aber die fetten Riffs mit den tiefer gestimmten Gitarren und dem Monster-Drum-Sound bringen trotzdem fast meine Hosenbeine zum flattern. Das klingt für mich eher amerikanisch als schottisch und würden wir hier über Whisky sprechen, wäre an dieser Stelle natürlich Schluss. Aber der Sound überzeugt mich! Das Schlagzeug klingt gewaltig und echt, die Gitarrenriffs gehen richtig schön nach vorne und treiben die Songs an. Wenn Frontmann Deej zu singen anfängt wird auch klar, woher die Verbindung zu Soundgarden kommt. Seine Stimmfarbe erinnert mich schon deutlich an Chris Cornell, der, meiner Meinung nach, einer der besten Sänger der letzten Jahrzehnte war.

Der Schriftzug auf dem schlichten Cover weckt eher Erwartungen an psychedelischen 70ies Rock. Zugegeben, da ist vielleicht im Hintergrund eine dezente Note dieser Dekade mit dabei, aber die 90er Hard Rock-Ära ist für mich deutlich dominanter. Die vier Songtitel sind dick aufgetragen und plakativ. Wobei ein Plakat zum ersten Song “Droon the Cunt” wohl ziemlich geschmacklos wäre. “Droon” ist der schottische Ausdruck für “drown”. Ich würde auch gerne aufklären was das andere Wort bedeutet, “but I cunt”.

Der schleppende Anfang wechselt in schnörkellosen Riff-Rock, der mich an alte Metallica- und Motörhead-Songs erinnert. Diese Beschreibung klingt vielleicht etwas langweilig und altbacken, aber Deadeyes machen mehr aus dieser Grundlage, indem sie das Ganze immer wieder mal abbremsen oder neue Elemente hinzufügen. Mit atonalen Single-Note-Gitarrenlinien, melodiösen Vocals, oder indem sie den Schlagzeug-Beat halbiert, bringt die Band eine gewisse Komplexität und auch etwas 90ies Grunge in ihren Sound. Um es in Whisky-Sprache auszudrücken: Ein gut abgestimmter Blend aus Jack Daniels und 18-jährigem Laphroaig. Das knallt ganz schön rein.

In meinem Alter sollte man ja eigentlich seine Nackenmuskulatur nicht mehr all zu sehr strapazieren, aber für “Hell House” nehme ich gerne ein paar Tage “Äckegstabi” in Kauf. Wunderbarer Riffrock wie aus dem Lehrbuch, der mich von der Art und der Stimme her sehr an Audioslave erinnert. “Ashes” ist eine interessante Mischung aus Post Hardcore, Metal, Hard Rock und Grunge und ist daher der eigenständigste Song der EP. Mit dem schnellsten und eingängigsten der vier Songs, “Burn the Witch”, endet die EP leider auch schon.

Wirklich innovativ ist der Sound von Deadeyes nicht, aber wer die in dieser Review erwähnten Bands auf seiner Liste hat und Nachschub braucht, sollte unbedingt bei den Schotten reinhören. Die EP ist sehr gut produziert; musikalisch passiert mehr als man beim ersten Eindruck denkt und der Sound macht definitiv Spass und Lust auf mehr.

1. Droon the Cunt
2. Hell House
3. Ashes
4. Burn the Witch