17.03.2018 – So war’s bei GROOMBRIDGE und The Weyers in der Kufa Lyss

Der Samstagabend stand ganz im Zeichen der Familie. Mit meiner geliebten Familie, sprich mit Freundin und Tochter (die zwar nicht meine Gene, aber glücklicherweise meinen Musikgeschmack geerbt hat) fuhr ich nach Lyss in die Kufa. Groombridge und The Weyers standen auf dem Programm und unser Timing war schon fast beängstigend gut. Nach dem Bestellen der Getränke standen die fünf Herren von Groombridge schon auf der Bühne.

Verschwommen erinnere ich mich noch an einen Groombridge-Gig vor ungefähr zehn Jahren und schon damals war ich sehr angetan von ihrer Musik. Ich war also gespannt, ob sie mich auch in der Gegenwart überzeugen können.

Im Gegensatz zum Raum, der leider ziemlich leer war, hatten die Musiker kaum Platz auf der eigentlich recht grossen Kufa-Bühne. Nicht etwa, weil sie mit den Jahren breiter geworden sind, sondern weil sie eine Unmenge an Equipment dabei hatten. Neben dem Schlagzeug, den Verstärkern und einem beachtlichen Arsenal an Gitarren und Effekten, standen noch diverse Synthesizer und plus/minus fünf Laptops auf der Bühne. Bei so viel technischem Schnickschnack stellte sich natürlich die Frage, ob die Band das ganze Material im Griff hat, oder umgekehrt. Bis auf einen Song, der nach eigener Aussage zur Freejazzvariante ausartete (so tragisch war es dann doch nicht), waren die Samples, Synthesizer und Effekte aber sehr gut abgestimmt und eine Bereicherung.

Groombridge kreierten einen sehr eigenständigen, atmosphärischen Sound und es war eine Freude, in ihre Musik einzutauchen. Die Burgdorfer überzeugten auch mit ihrer sympathischen Art und so entstand schnell eine familiäre Atmosphäre mit den 20-30 Leuten, die an diesem Abend den Weg nach Lyss gefunden hatten.

Nach der Umbaupause war es Zeit für das Konzert der Gebrüder Weyermann alias The Weyers. Zweimann-Bands sind ja mittlerweile keine Seltenheit mehr und einige davon zähle ich sogar zu meinen Lieblings-Acts. The Weyers aus Zürich kannte ich bis vor kurzem noch nicht, aber ihr neues Album “Out of Our Heads” überzeugte mich auf Anhieb. Das Effektboard von Sänger und Gitarrist Adi hatte zwar auch das Wohnungsquerschnitts-Format einer indischen Grossfamilie, aber der optische Kontrast zu ihrer Supportband war trotzdem gross. Der ultimative Eyecatcher auf der Bühne war das von innen beleuchtete Plexiglas Schlagzeug von Luke Weyermann.

Die beiden Musiker legten ohne überflüssiges Intro direkt mit erdigen Gitarrenriffs und tight gespieltem Schlagzeug los. Das perfekte Zusammenspiel und die Spielfreude der Brüder erzeugte eine kräftige Energie im Raum. Wirklich schade, dass nur so wenige Leute im Club waren und deshalb keine ausgelassene Stimmung aufkommen wollte. Die anfänglichen Animationsversuche von Frontmann Adi waren etwas zu übertrieben und wirkten auch irgendwie unpersönlich. Das Publikum wippte und klatschte zwar brav mit, aber wollte in erster Linie die Musik geniessen.

Der stolze Vater der beiden Musiker war ebenfalls im Publikum. Als sie ihn, etwa in der Mitte vom Set, vorstellten und noch etwas über die Geschichte ihres Grossvaters erzählten, kehrte die familiäre Stimmung zurück und ich hatte den Eindruck, dass auch die Band ab diesem Moment etwas lockerer wurde. Da waren sie plötzlich, die Momente in denen man das Gefühl hatte, dass die zwei gedanklich in ihre Vergangenheit reisen, zusammen in Vaters Garage abrocken und alles andere ausblenden. Und so konnte mich die Band doch noch auf ganzer Linie überzeugen und wurde nach dem Verlassen der Bühne vom Publikum zur Zugabe gebeten. Luke schaffte es in dieser kurzen Pause, sich in der Toilette einzuschliessen und so kam erst mal nur Adi auf die Bühne während das Kufa-Personal dem Schlagzeuger zu Hilfe eilte. Lustige Anekdote für ihr Kufa Konzert – check.

Der Sound von The Weyers klingt live härter und direkter als auf den Aufnahmen. Gut arrangierte Songs, ein fett klingendes Schlagzeug und passend eingesetzte Effekte sorgen dafür, dass man nie das Gefühl hat, dass ein Bass oder eine zweite Gitarre fehlt. Das einzige, was an dem Abend leider fehlte, war ein grösseres Publikum, welches beide Bands definitiv verdient hätten.