22.03.2018 – Wir waren bei Nathaniel Rateliff and The Night Sweats

Manchmal gibt es Konzerte, an denen man auf musikalische Überraschungen stösst. So erging es mir zumindest am Nathaniel Rateliff Konzert im Zürcher X-tra. Denn bevor dieser mit The Night Sweats den Club zum Tanzen brachte, spielten Slim Cessna’s Auto Club.

Noch nie gehört? Ich bis dahin auch nicht. Vorweg: Die Band singt über die Puritaner, den Teufel und irgendwelche Pfarrer. Wir kamen also nichtsahnend die Treppe hoch und betraten den grossen Saal. Vorne auf der Bühne erblickten wir sechs Gestalten: Ein Typ mit Kontrabass; einer mit Gitarre; eine Frau, deren gesenkter Kopf hinter ihrer langen Haarpracht verborgen blieb; ein Drummer; ein singender Bartträger mit Cowboy-Hut und ein grosser, hagerer Typ, der aussah, als sei er soeben einem Horrorfilm entsprungen. Dazu leider ziemlich schlecht abgemischte Musik – ein musikalisches Durcheinander, aus dem wenigstens der Bass hervordröhnte.

Hmmm… Ich war verwirrt. Irgendwie faszinierte mich diese Band, aber ich hatte grosse Mühe, ihre Darstellung einzuordnen. Da half es auch nicht, als der hagere Typ plötzlich irgendwas Unverständliches vor sich hinmurmelte, dann anfing tiefe, unheimliche Töne von sich zu geben und schliesslich in ein schrilles Heulen ausbrach. Wow.  Der unheimliche Typ versank in eine Art Trance, ging zum  Bärtigen hin und das darauf folgende Schauspiel der beiden erinnerte an eine Art von Exorzismus. Wie ich später herausfand, ist diese Performance Teil des beliebtesten Live-Songs der Band und heisst Jesus In My Body. Irgendwie cool.  Und der Musikstil? Die Internetgemeinschaft beschreibt die Musik von SCAC unter anderem als “Gothic Country”, “Gospel” oder “Alternative Country”. Whatever. Einfach geil.

Nach dieser schaurig-schönen Performance, die bei einigen Zuschauern doch auch ein wenig Besorgnis auslöste, war um 21.30 Uhr dann das Set von Nathaniel Rateliff & The Night Sweats an der Reihe. Und ja, es war grossartig.  Gesprochen wurde kaum, denn ein Song löste beinahe nahtlos den anderen ab. Was zählte, war einzig die Musik, die das Publikum in frühere Zeiten zurückversetzte. Oft ruhig und tragend, dann aber auch wild und fröhlich, schafften die Musiker es, das Publikum zu verzaubern.

Stimmig dazu die spezielle Bühnenbeleuchtung mit grossen Scheinwerfern, die auf das Publik gerichtet waren und der schwere, drapierte Vorhang im Hintergrund. Die Bühne sah aus, als befände man sich nicht im Herzen Zürichs, sondern in irgendeiner Kleinstadt im amerikanischen Hinterland.  Und der Song auf den alle gewartet hatten, durfte gegen Ende des Sets auch nicht fehlen: S.O.B. Mmhhhhh, mmhhhhh, mhhhhhhhh  – so etwa schallte es durch den Saal… Und dann: “Son of a b****!” Weil es so viel Spass machte, wurde dieser Teil immer und immer wieder wiederholt bis es für uns Zeit war, zu gehen. Schön war’s!