Album Review: Zatokrev – “Zatokrev” (LP reissue)

Heute machen wir eine Zeitreise ins Jahr 2005. Wieso? Weil die Basler Metal-Band Zatokrev am 13.04.2018 ihr Debütalbum erneut veröffentlichen wird. Dieses Mal aber nicht in Form einer CD, sondern noch altmodischer, als Vinyl LP mit neuem Artwork. Das ist doch mal was Neues, Altes, oder beides? Ich bin verwirrt, wie damals, als ich “Zurück in die Zukunft” zum ersten Mal sah und gleichzeitig – haha – gespannt wie und ob diese Neuveröffentlichung in die Gegenwart passt.

Die Aufnahmen zum selbstbetitelten Album waren ursprünglich als Demo geplant, brachten der Band aber auf Anhieb mehrere Label-Deals ein. So kam es, dass “Zatokrev” im Jahr 2005 in Europa und Amerika veröffentlicht wurde. Weil ich genau zu dieser Zeit selbst in einer Progressive Metal Band spielte, war mir der Name Zatokrev ein Begriff. Zwischenzeitlich zum Ab-und-zu-mal-Metal-Hörer mutiert – ja ja, Weichei – habe ich die Band, während sie einige Male das Line-up gewechselt, drei weitere Alben veröffentlicht hat und durch Europa getourt ist, aus den Augen verloren. Aus Angst wegen Unwissenheit gevierteilt und mitsamt einer Kirche verbrannt zu werden, wage ich es nicht, Zatokrev in eine der unzähligen Metal Schubladen zu stecken. Die Band nennt ihre Musik “Psychedelic Apocalypse Metal”.

Tatsächlich mache ich in wenigen Sekunden einen Zeitsprung von mindestens 13 Jahren. Der Sound ist roh und unverfälscht und klingt eher nach Proberaum als nach Studio. Die Overheads scherbeln wie beim Durchwühlen von Omas Fünfräppler-Sammlung, die tiefen Gitarren und der Bass grummeln böse durch den staubigen Frequenzkeller. Darüber schreien uns die Growls Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Wut entgegen. Diese Ehrlichkeit fesselt mich und erzeugt eine Faszination wie ein guter alter Horrorfilm, der auch ohne Special-Effects funktioniert.

Über den schweren, manchmal brachialen Gitarrenwänden schwebt immer ein atmosphärisches Element und so schafft es die Band, trotz der ziemlich schleppenden Gangart, die Spannung immer aufrecht zu halten. Die fesselnd düstere Stimmung ist Stellenweise schon fast unangenehm. So ist beispielsweise am Ende vom Song “Fourem” fast vier Minuten lang ausschliesslich ein monotones, bedrückendes Feedback zu hören und trotzdem schaffe ich es nicht, zum nächsten Song weiterzuschalten. Kein Wunder, dass die Band mit diesem “Demo” die Metal-Welt bei den Eiern gepackt und bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Zatokrev machen keine Musik, die man mal eben nebenbei hört und deshalb halte ich ein Release auf Vinyl für eine sehr gute Idee. Schön, dass eine Band nach den vielen überflüssigen Remaster-Veröffentlichungen den Mut hat, genau den gegenteiligen Weg zu gehen. Metalheads, die einen Plattenspieler ihr Eigen nennen und im sterilen Spotify-Zeitalter die Echtheit und die Rohheit von alten Produktionen vermissen, müssen diese Platte kaufen. Gelegenheit dazu gibt’s zum Beispiel am 14.04.2018 im Hirscheneck in Basel bei ihrer – ich zitiere: “15 years live & debut rerelease Show”. Weil das noch nicht genug Nostalgie ist, wird die Band an diesem Abend sogar in Originalbesetzung auf der Bühne stehen.

VÖ: 13.04.2018 – CZAR OF BULLETS

SIDE A
Reveal
Fourem

SIDE B
See Through
Alive
…Zato Krev