Atra Vetosus: “Wenn du Musik machst, pack deine Freunde und starte eine Band, es lohnt sich!”

Ich dachte, es würde nie dazu kommen, dass ich Atra Vetosus einmal live sehen würde, doch hier sind sie: die fünfköpfige Underground-Atmospheric-Black-Metal Formation Atra Vetosus vom andern Ende der Welt, Tasmanien.

Am Donnerstag, 18. April konnte ich vor ihrer genialen Show in Olten die ganze Band interviewen und ihnen ein paar Antworten zu ihrer bisher unbekannten Entstehung entlocken. Ernsthaft, ich hab noch nie einen Sänger die Lyrics so mitfühlen sehen, doch dazu gleich mehr.

Ihr seid ja jetzt zum ersten Mal auf Tour ausserhalb von Australien, wie fühlt sich das für euch an?
Josef Bound: Es ist wirklich fantastisch, aber das sind ganz schön viele neue Eindrücke. So viele Shows nacheinander zu spielen ist wirklich ungewöhnlich für uns, das hat das Ganze ziemlich surreal und krass gemacht. Wir reisen viel im Van, bauen auf, machen Soundchecks, liefern unsere Show ab, treffen Leute, chillen, packen zusammen, schlafen drei Stunden und machen das Ganze am nächsten Tag wieder. Es ist ziemlich anstrengend, aber auch grossartig.

Wie gefällt euch Europa bisher?
Wir finden Europa wunderschön. Man kann jeden Tag etwas komplett Neues entdecken! Total anders als Australien.

Eine Frage, die mich persönlich interessiert: Wie wurde die Band gegründet?
Josh Young: Also, ich hatte ein Soloprojekt, «Astral Winter» und Josh Gee hat davon gehört und mich angeschrieben, er wolle für das Projekt Vocals machen. Dann haben wir uns getroffen und uns angefreundet, irgendwann haben wir uns entschieden eine andere Band mit anderem Musikstil zu gründen: Atra Vetosus. Wir haben ein Demo aufgenommen, das dem Label von Astral Winter, Immortal Frost Productions, direkt gefallen hat und schliesslich veröffentlicht wurde. Von da an haben wir uns eine Fanbase aufgebaut. Irgendwann wollten wir auch live spielen, also kamen die andern dazu: Damon kannte ich schon lange, Skeg ist eigentlich nicht der richtige Bassspieler, er hilft uns auf der Tour aus. Problematisch war es, einen Drummer zu finden, aber einer meiner Freunde hat uns Josef vorgestellt, der gerade in unsere Heimatstadt gezogen war. Von da ging es einfach weiter.

Wie sieht euer Schaffensprozess aus?
Josh Young: Meistens setze ich mich an den Computer und probiere Riffs aus, woraus ich dann eine Vorlage mache, die ich den Jungs zeige.

Josh Gee: Wir fügen dann noch unsere Ideen hinzu.

Josh Young: Oft ändern wir nochmal die Drums und mit den Änderungen kommen dann weitere Änderungen.

Josh Gee: Die Lyrics schreibe ich einzeln, ohne die Songs vorher überhaupt richtig anzuhören, ich setze mich einfach alleine hin und schreib die Texte. Dann mach ich ein Demo mit dem Song und irgendwie passt der Text immer zum Song, keine Ahnung wie.

Wieso heisst euer neustes Album «Apricity» (Sonnenwärme) ?
Josh Young: Wir haben versucht einen Namen zu finden, der auf die Themen des Albums eingeht und Apricity spiegelt natürlich unsere natürliche Umgebung wider, in Tasmanien ist es ziemlich kalt. lacht

Spiegelt sich neben der Natur auch euer persönliches Leben in den Lyrics wider?
Josh Gee: Ja, natürlich, aber nicht in so einer offensichtlichen, nackten Weise. Auf dem ersten Album eher nicht, aber seit der EP und dem Hauptalbum versuche ich auszudrücken, was in meinem tiefsten Teil vor sich geht, was bei der Show dann ziemlich beim Ausdruck hilft. Ich schreie nicht einfach Wörter durch die Gegend die cool oder poetisch klingen, vielmehr versuche ich auszudrücken, wie ich mich zu einer bestimmten Zeit gefühlt habe.

Möchtet ihr der Welt auch etwas mit eurer Musik sagen?
Josef Bound: Insofern man auf einer Tour ist, mit Leuten unterwegs ist, mit denen man echt gut klarkommt und mit denen man jeden Tag Spass hat, tolle Gigs spielt und jeden Tag Leute trifft: Wenn du Musik machst, pack deine Freunde, starte eine Band und versuch einfach, es klappen zu lassen, weil es sich lohnt. Das ist meine Message.

Josh Young:  Ich denke, dass man niemandem etwas sagen muss, es ist halt einfach die Musik, die wir machen und sie spricht für sich selbst. Bei unseren Shows reden wir nicht wirklich, es geht uns mehr darum, dass sich die Leute in die Atmosphäre einfühlen. Also versuchen wir einfach, unsere Musik in die Welt zu tragen und nicht zu erklären, was wir genau meinen, denn die Leute sollen es so interpretieren, wie sie möchten.

Josh Gee: Mit dem Text versuche ich nicht irgendeine Message rüberzubringen, die alle hören müssen, das Ganze ist eher persönlich für mich. Es gibt aber kleine Teile wie die Zeile «woe to the man who fears the unknown», die kleine, kraftvolle Dinge sind, bei denen sich Leute einklinken können, wenn sie wollen.

Findet ihr auch Inspiration in anderen Genres?
Josh Young: Natürlich, als wir begonnen haben, waren wir noch eine ziemlich Melodic-Black-Metal-beeinflusste Band, aber jeder in der Band hat total verschiedene Musikeinflüsse ausserhalb davon und das hat sich nach einer Weile immer mehr in unsere Musik eingefügt. Dieses Album ist um einiges mehr atmosphärisch geworden, es hat Post-Metal- und Depressive-Metal-Elemente, es ist alles ein bisschen reingemischt, was einen einzigartigeren Sound schafft.

Josh Gee: Ich glaube wir wachsen auch als Musiker an sich, Josef ist zum Beispiel in einer handvoll anderer Projekte aus vielen verschiedenen Genres, ich mache auch nicht mehr die hohen Screams, die ich zu Beginn gemacht hab, wir hören jetzt auch viel mehr Post Rock, Atmospheric- und Depressive-Dinge, davon kommt echt einiges in die Musik. Ich denke auch, dass man eine natürliche Weiterentwicklung entlang der Releases hört.

Wieso habt ihr euch denn entschieden, Black Metal zu machen? Ist das einfach was, was ihr mögt?
Anfangs war das einfach ein No-Brainer, haben wir einfach gemacht, weil wir’s mochten.

Josef Bound: Also ich wurde einfach gefragt, ob ich in einer Band sein will, und ich hab ja gesagt. Alle lachen 

Eure Cover sind ziemlich cool. Habt ihr einen Künstler zu dem ihr dafür geht?
Josh Young: Nein, jedes Album hatte einen anderen Künstler. Bei der EP wollten wir mal was anderes machen, etwas Natürlicheres , weniger graphisch und künstlich, also haben wir ein echtes Bild von Martin Lynch Smith aus England bekommen, der einen echt tollen Job gemacht hat. Das neue Album wurde von Surturs (Labelmanager) Stammkünstler gemacht, mit dem er für die meisten seiner Projekte zusammenarbeitet. Wir haben mit ihm geredet und ich hab ihm eine sehr detaillierte Beschreibung davon gegeben, was ich wollte. Er war dann auch ziemlich ehrlich und meinte, dass das so nicht funktionieren würde. Er hat mir dann ein Cover geschickt, ich glaube ich war in den Ferien in Japan zu der Zeit, und ich hab es mir auf meinem Handy angeguckt und es war einfach überhaupt nicht so, wie ich es erwartet hatte. Nach ein paar Minuten dachte ich mir «Wow, das ist wirklich gut, komplett anders». Wir mögen es wirklich, er hat toll gearbeitet.

Arbeitet ihr grade an neuer Musik?
Josh Young: Ja, ich hab eigentlich eine neue EP geschrieben, aber ich weiss noch nicht, ob wir sie als EP aufnehmen oder ein Album daraus machen. Sie ist ziemlich anders, noch atmosphärischer, ich denke, das wird ein einmaliges Ding, wie unsere letzte EP, mit diesem einzigen, 22-Minuten langen Song. Ich habe auch damit begonnen, ein neues Album zu komponieren, aber es ist noch in der Anfangsphase. Zurzeit hat es viele Post-Einflüsse, behält aber auch die atmosphärischen und melodischen Elemente. Wir werden sehen was daraus wird.

Letze Frage: Kommt ihr zurück nach Europa?
Ja, aber nicht offiziell bisher. Surtur meinte sogar, wir sollen hierhin ziehen, unsere Musik würde hier gut ankommen. Wir haben viele Leute getroffen, die unsere Musik mögen; Europa ist ein gutes Umfeld für das, was wir machen.

Anhören kann man das neuste Album hier und kaufen hier.

 

Fotos: Atra Vetosus