Angelus Apatrida und ihr neues Thrash-Werk “Cabaret De La Guillotine”

Freunde brutaler Blastbeats, schneller Circle Pits und fröhlicher Bierexzesse aufgepasst, es gibt Neuigkeiten in der Thrashszene: Die 2000 im spanischen Albacete gegründeten Thrash-Metaller Angelus Apatrida (“Heimatloser Engel”) veröffentlichen am 4. Mai ihr sechstes Studioalbum Cabaret De La Guillotine”, an dem sie über zwei Jahre feilten. Nachdem ich die bei uns fast unbekannte Band vor einigen Jahren in einem winzigen Plattenladen auf Teneriffa entdeckt habe, freue ich mich, ihr neustes Album vorzustellen:

Mit “Cabaret De La Guillotine” ist Angelus Apatrida ein Meisterstück gelungen: Es wirkt runder, aber verliert seine harte Kante nicht. Die Riffs sind präzise und ausgefeilt aber dennoch roh, jeder Ton lässt im Hörer den Wunsch aufsteigen, seine Kutte überzuwerfen und sich in den Moshpit zu stürzen. Definitiv festivaltauglich sind auch die eingängigen Melodien, die an Thrash-Metalgrössen wie Testament erinnern. Man kriegt direkt Lust, seine Freunde und eine Palette Bier mit ans nächste Grossevent zu schleifen. Toll ist auch die Produktion: mit guten Kopfhörern klingen Hi-Hat und Becken schimmernd und kristallartig. Meiner Meinung nach ist die grösste Leistung dieses Albums innovativ zu bleiben, gut hörbar zu sein, aber keinesfalls auf die Metal-Pop-Schiene zu geraten. Besonders bezeichnend fiel mir der Offbeat-Blastbeat in “Ministry of God” auf, hier zeigt sich, wie die Band Innovationen so subtil anbringt, dass sie gleichzeitig ihren Wurzeln treu bleibt und jegliche Monotonie vermeidet.

Mein persönlicher Favorit ist “The Die Is Cast”, hier gibt’s zu den soundtrackhaften Gesangspassagen noch geile, fetzende Gitarrensoli, insgeheim möchte man zu dem Song mit 250 über die Autobahn düsen. (In Deutschland natürlich hust hust.)

In “Downfall Of The Nation” hört man, dass Angelus Apatrida mittlerweile echte Profis in ihrem Handwerk sind. Durch ungewöhnliche Betonungen fliessen hier sogar Prog-Elemente in den sonst so puren Thrash. Der Song ist, wie man durch die Bilder des spanischen Diktators Franco im Video sieht und durch Ausruf “Traitors!” hört, nicht nur auf musikalischer Ebene wichtig, sondern auch auf politischer, denn die Band möchte uns hier etwas mitteilen: Die Meinungsfreiheit existiert in Spanien technisch gesehen nicht mehr und die faschistischen Bewegungen erleben einen bedrohlichen Aufschwung. Die Band positioniert sich hier ganz klar politisch und das ist in der heutigen Zeit auch wichtig und gut so.

Gegen Ende des Albums merkt man, dass Guillermo Izquierdo sogar ziemlich gut singen kann, und das in einer Ballade – beachtlich für eine der puristischsten Thrashbands Europas.

Angelus Apatrida wären jedoch nicht Angelus Apatrida, wenn sie nicht noch einmal im letzten Song alles geben würden und die bisher fast schnellsten Gitarrensoli (die hier klingen wie von Kirk Hammett mit doppelter Geschwindigkeit) perfekt mit melodischem Gesang kombinieren. Ein gelungener Abschluss, der einen in Spannung schon auf das nächste Album warten lässt.

Zu kaufen gibt’s das neue Album ab dem 4.5. hier.

Tracklist:

1. Sharpen The Guillotine (06:01)
2. Betrayed (06:06)
3. Ministry Of God (05:00)
4. The Hum (04:26)
5. Downfall Of The Nation (04:49)
6. One Of Us (03:14)
7. The Die Is Cast (05:24)
8. Witching Hour (06:00)
9. Farewell (06:25)
10. Martyrs Of Chicago (05:00)

Fotos: Century Media Records