08.05.2018 – So waren ef im Dynamo Zürich

Schon über zehn Jahre ist es her, seit ef mit “Give Me Beauty… Or Give Me Death!” von Schweden aus die Post-Rock-Welt eroberten. Seither sind sie regelmässige und gern gesehene Besucher in der Schweiz und 1.5 Jahre nach ihrem famosen Abschlussset am bergmal Festival 2016 waren sie zurück im schönen Konzertlokal an der Limmat.

Eins vorweg: die diesjährige Clubshow hat mich, obwohl auf exakt der gleichen Bühne wie damals, nochmals ein deutliches Stück mehr gepackt. Im Vergleich zu jener sind ef heuer wieder zu fünft unterwegs, und die zusätzliche Gitarren- und Gesangsmacht war wortwörtlich spürbar. Was sie aber unter anderem ausmacht, ist, dass auch die für diese Art von Post-Rock üblichen Crescendi und Ausbrüche eine Klarheit und eine Richtung haben. Die Melodieführung wird nicht für beliebiges Gitarrenwand-Geschrubbel aufgegeben und sie lassen ihre Motive von Leadgitarre zu Keys oder  Gesang wandern, was ihren Kompositionen bei aller Unvorhersehbarkeit ein Gefühl der Einheit gibt.

Live verzichteten sie diesesmal – soviel ich in meiner Halbtrance rational aufnahm – auf die am bergmal ’16 noch häufig eingesetzten Samples und Backing-Tracks. Auf Wachs hauen die Jungs bekanntermassen gerne noch ein Dutzend Bläser, Streicher, Chöre und Glockenspiele über ihre klassischen Rockinstrumente. Vermisst hat man das kaum – ohne die Fesseln von vorprogrammierten oder vorher eingespielten Zusatzspuren spielt es sich um einiges freier sowie dynamischer und die Lieder haben sonst schon musikalische Tiefe. OK: Die eine oder andere Glockenspiel-Melodie habe ich vermisst, einige von denen gehören zu meinen Lieblingsmomenten von ef.

Bleiben noch einige Worte zu verlieren über Tides of Man, der Vorband – oder gemessen an ihrem doch beachtlichen Bekanntheitsgrad zusätzliche Headliner. Es tut mir fast leid für die vier sympathischen Herren aus den USA, aber nachdem ef die ersten Töne gespielt hatten, habe ich schon fast keinen Gedanken mehr an ihr Set verloren. Das hat aber eher mit übertriebener ef-Lobhudelei als mit etwas anderem zu tun, das Set der Amis war nämlich sehr solide und wäre an vielen anderen Konzertabenden ein Highlight gewesen. Die gefährliche Nähe zu Klischees in ihren alten Songs wurde durch viel Energie neutralisiert und die neu vorgestellten Songs klingen so, als ob die Jungs endgültig ihren Weg als Instumentalband gefunden haben. Aufs erste Hören waren da meines Erachtens ausgeklügeltere Melodiebögen und Rhythmen sowie einige etwas “extremere” (ob bewusster reduziert oder noch dicker aufgetragen) Passagen darunter, als in ihren schon veröffentlichten Liedern. Im Sommer soll ein neues Album kommen: Darauf bin ich seit dem Konzert doch sehr gespannt.

Apropos neues Album: ef haben zwar noch keine weiteren Infos dazu verraten, doch als Abschluss ihres Sets haben sie einen neuen Song gespielt. Und ja, er klingt massiv. Bleibt zu hoffen, dass da bald neues Material kommt – nicht zuletzt, weil neues Material auch neue Tour heisst. Bis dann heisst es geduldig warten, was durch die noch anstehenden bergmal-Veranstaltungen versüsst wird.

Next up:

15. Semptember: bergmal presents: Leech (Plattentaufe)

20. Oktober: bergmal Festival #3 (Line-up wird noch im Mai bekanntgegeben)