So waren Caspian im ISC Club Bern

Nach einer kleinen Auszeit beehrten Caspian die Schweiz am vergangenen Wochenende gleich zweimal: Am Samstag in St. Gallen und sonntags in Bern. Wie schön, dass die amerikanischen Post-Rocker wieder unterwegs sind. In Sachen Wall-of-Sound und Bühnenenergie machen dem Quintett nur wenige Genre-Kollegen Konkurrenz.

Der sympathische ISC Club in Bern, in dem die Band schon drei-/viermal zu Gast war, füllte sich schon während der Vorband Cloakroom zunehmend – schön, dass sich die Besucher an einem verregneten Sonntag so zahlreich von ihren gemütlichen Sofas aufgerafft haben. Wobei ja eigentlich klar war, dass es sich lohnen würde. Cloakroom spielen zwar in einem etwas anderen Genre, passen stimmungsmässig aber gut zur opulenteren Hauptband. Gerade der fette, dauerverzerrte Bass und das zu bemitleidende Drumset sorgten für ordentlich Druck, auch wenn da nur drei Typen auf der Bühne standen. Ihr Shoegaze ist schwer, träge, langsam, aber gleichzeitig ganz schön kraftvoll. Es waren aber gerade die etwas ruhigeren letzten Songs, die mit ihren hypnotischen Grooves zu begeistern wussten.

Mit der Ruhe war es indes bald vorbei, als Caspian mit “Fire Made Flesh” den Raum beschlagnahmten. Die Amis machen immer noch den Eindruck, als würde jeder Ton und jeder Schlag jedem einzelnen Bandmitglied die Welt bedeuten. Mit ‘guter Bühnenpräsenz’ lässt sich ihre Energie kaum beschreiben. Aufgesetzt oder übertrieben wirkte es trotzdem nicht. Übertrieben war höchstens der Strobolicht-Einsatz, der meiner Meinung nach etwas gar gut gemeint war. Als wären die Songs mit ein bisschen weniger nicht genug episch!

Aber egal, spätestens nach dem kompromisslosen “Malacoda” und dem erbaulichen Klassiker “Some Are White Light” wusste man, dass das heute Abend nur gut kommen konnte. Die Setlist war gespickt mit Songs aus allen Schaffensphasen der Band (zumindest allen Full-Lengths) und war somit sehr ausgewogen. Denn ausladende Songs haben meist schon einen genug ausgeprägten Spannungsbogen inne, so dass die Sequenzierung gar nicht so eine Rolle spielt – respektive, es schwer ist, einen konzertübergreifenden dynamischen Flow zu kreieren, wenn die einzelnen Stücke diesen oft schon in sich tragen. Nichtsdestotrotz wurde am Ende nochmals alles rausgehauen – und ‘alles’ ist bei dieser Band einfach verdammt viel – und die Leute mit einem Knall zurück in den kalten Sonntagabend entlassen.

Sollte es auf der nächsten Tour abermals zwei Konzerte in der Schweiz geben, ich würde versuchen, beide zu sehen. Schaut euch unten doch ein Video der Audiotree Live-Session an. Addiert dazu ein involviertes Publikum sowie Konzertlokal-Stimmung und multipliziert das Visuelle um das Zehnfache: Das sollte euch endgültig von der Band überzeugen, wenn es meine untreffenden lobenden Worte nicht konnten.