06.06.2018 – Parkway Drive / Thy Art Is Murder / Miss May I / Knocked Loose am Kultursommer-Festival (A)

Eine makellos kultige Besetzung, die wie ein schallender Gong den Beginn der Festivalsaison einläutet, die atemberaubende Schönheit des Waldes, die eifrigen Fans, die echte Freude am Headbangen zu den riffigen Klängen haben – die Veranstaltung im Conrad Sohm geht weit über die Vorstellung eines “Festivals” hinaus und wird zu einer künstlerischen Gemeinschaft.

Es ist die Art von Festival, an dem dich die Leute verwundert anschauen, wenn du während des Parkway Drive Sets quasselst, oder  dir ein strahlendes Grinsen schenken, während du zusammen mit ihnen zum Song „Vice Grip“ singst. Das Conrad Sohm Kultursommer-Festival hat mit Parkway Drive + Guest einen mächtigen Start hingelegt. Bereits vor Beginn war das erste Festival restlos ausverkauft. Dank den gratis Shuttelbussen von Dornbirn Stadt aus hält sich der ganze Parktrubel in Grenzen und auf dem Weg kann man sich mit gleichgesinnten aufs Festival einstimmen. Die Zuschauer kommen natürlich nicht nur aus dem Vorarlberg, sondern reisen aus ganz Österreich an. Auch viele Ostschweizer und Deutsche waren dort vertreten. Bunt gemischt eben.

Eröffnet hat das Festival die Amerikanische Punk-/Metalcore-Band Knocked Loose, die ich leider zeitlich nicht geschafft habe live zu bestaunen. Aber man hat gemunckelt sie waren ganz grossartig.

Die US-Metalcore Titanen Miss May I sind eine Band mit enormer Energie und einer großartigen Bühnenpräsenz, die wissen, wie man der Masse gut einheizt. Sie sind eine wirklich sympathische Truppe und wenn man ihnen live zusieht, ist klar, dass die fünf Jungs sehr viel Leidenschaft für ihre Musik entwickeln. Es ist auch gut erkennbar, wie sehr sie ihre Fans schätzen. Die Band hat begonnen, konsequent große Metal-Hymnen für jüngere Generationen zu veröffentlichen, und hat zusätzlich die Aufmerksamkeit älterer Headbanger gewonnen. Wenn man bedenkt, dass ihre Einflüsse die amerikanischen New Wave Heavy Metal-Bands aus den frühen 2000er Jahren sind, gibt es ein Potenzial, Fans dieser Bewegung zu erreichen, die sich jetzt ihren späten Zwanzigern oder frühen Dreissigern nähern. Im Mittelpunkt steht diesmal eine Mischung aus nostalgischer und zeitgemässer Dynamik. Die Weiterentwicklung von Miss May I ist an dieser Stelle nicht zu leugnen. Die Sänger Levi Benton und Ryan Neff haben in jedem Song eine so fantastische Chemie, dass sie sich nie für einen einfachen Vers-Refrain-Austausch entscheiden. Für eine Metalcore-Band mit Fokus auf Melodien würde es natürlich kein Benzin im Tank geben, wenn es nicht kompetente Gitarristen gäbe. BJ Stead und Justin Aufedekampe kennen ihr Ausgangsmaterial einwandfrei und obwohl sie nicht komplett originell sind, sind sie zuverlässig darin, riesige melodische Riffs zu produzieren. Jerods (Drummer) Talente sind bemerkenswert, ungeachtet dessen passt er perfekt zur geselligen Natur der derzeitigen Miss May I.

Die klobigen, knallharten Riffs von Emmure bleiben frisch, nie angespannt oder überstrapaziert. Die Verwendung von dissonanten melodischen Strukturen und heftigen Wiederholungen dienen als Gegengewicht zu den Midtempo taktenden Rhythmen: Gitarren trällern anhaltend hohe Töne oder spucken  Panikakkorde in schneller Folge und stochern durch die Tiefe. Keine der hier beteiligten kreativen Parteien – Frankie oder das Trio, das ihn unterstützt – mussten ihren Stil wirklich stark redigieren, um ihre Performance in fast jeder Hinsicht tadellos funktionieren zu lassen. Fans von Emmures früherer Musik finden eine Band, die sich nicht viel verändert hat. Frisches Blut hat hier zwar Wunder für Emmure bewirkt, technisch gesehen sind seine Vocals jedoch noch nicht ganz auf dem neusten Stand, aber es funktioniert. Frankies Fähigkeit, sich vor diesem Hintergrund neu zu positionieren, hat es ihm ermöglicht, die Dynamik und den Enthusiasmus zurückzugewinnen, den er bei den letzten Shows vermissen liess.

Australiens Deathcore-Act Thy Art Is Murder hat die Menschenmenge ordentlich zum Brodeln gebracht. Deathcore, in seiner Spitzenpopularität, bezeichne ich als den Dubstep des Metalls. Der Prototyp des Deathcore-Songs wurde um einen massiven Breakdown herum strukturiert, genauso wie Dubstep um seinen 808-Drop herum strukturiert ist. Es war eine kinetische Erfahrung, die die Spannung bis zu einem kathartischen Release steigern sollte. Dieser kompositorische Stil ist extrem limitierend, weshalb beide Sub-Genres (wohl schon jetzt) als Eintagsfliegen gesehen werden. Insbesondere der Einfluss des modernen polnischen und amerikanischen Death Metals ist spürbar. Wo Thy Art Murder ins Wanken gerät, entsteht hier eine Art Identität, jenseits eines Potpourris aus Klischees.

Was soll man schon gross zum Headliner Parkway Drive sagen. Wie immer haben PWD eine Glanzleistung vollbracht. Parkway Drive ist eine Live-Band, die zweifellos sehenswert ist. Eine der Dinge, die oft übersehen wird, wenn man die grössten Bands unserer Welt in Betracht zieht, ist, wie die Risiken und die scharfen stilistischen Wendungen, die sie in Kauf genommen haben, zu so grossem Erfolg geführt haben. Ob es nun Iron Maiden war, die Bruce Dickinson mitbrachten, um ihnen die Pracht ihres frühen Materials zu geben, oder Metallica, die auf dem Black Album den Hard Rock umarmten: die Bereitschaft, sich selbst herauszufordern, ist ein Ergebnis von so viel Leidenschaft.  Es ist wichtig, dies zu berücksichtigen, wenn man den Pfad, den Parkway Drive gewählt hat, verfolgt. Das Album von 2015 war für viele ein Schock, besonders als sie den galoppierenden Singalong der ersten Single “Vice Grip” hörten – wird heute aber ironischerweise als echte Hymne gehandelt. Dennoch akzeptierten die meisten Leute, dass es ein Würfel war, der gerollt werden musste, als sich die Wände ein Jahrzehnt nach dem kommerziellen Durchbruch des Metalcores immer mehr bedrohlich näherten. Live bieten Parkway Drive die Vertrautheit ihrer Hitsingles und auch die ganz besondere Art, wie sie mit ihren Fans interagieren! 

Um auf den Punkt zu kommen hinsichltich des Festivalstarts mein Fazit: Grosses “Chapeau!” an das Organisationskomittee – ich freue mich bereits jetzt darauf, über meinen nächsten Besuch am Kultursommer-Festival zu berichten.

Alle weiteren bestätigten Kultursommer-Konzerte:

12.06.2018 ROSE TATTOO + Special Guest

21.06.2018 BEING AS AN OCEAN + HOLDING ABSENCE

08.07.2018 STICK TO YOUR GUNS + STRAY FROM THE PATH

18.07.2018 CLAP YOUR HANDS SAY YEAH

26.07.2018 CANNIBAL CORPSE

09.08.2018 BAD RELIGION + GUESTS

16.08.2018 KETTCAR

17.08.2018 SHANTEL & BUCOVINA CLUB ORKESTAR

18.08.2018 FAT FREDDYS DROP

Weitere Details zum Kultursommer-Festival findest du hier.