09.06.2018 – Tag drei am Greenfield Festival

Am dritten und letzten Tag in Interlaken konnten wir noch einmal die Sonnencrème auspacken. Abgesehen vom abendlichen Gewitterchen mit Sommerregen war es trocken und heiss. Als erster Programmpunkt stand die Pressekonferenz des Greenfield Festivals an. Gemäss dem OK fanden rund 72‘000 Menschen den Weg ans Greenfield, was wohl trotz – für mich – mässigem Line-up für das Gesamtkonzept spricht.

Beim Rckstr Block konnte man heiraten oder sich scheiden lassen, am Mittelaltermarkt Bogenschiessen und Spanferkel braten, der Freakmarket lud auf eine kleine Shoppingtour ein und im neuen Cowboy-Saloon war Karaoke angesagt. Vieles wie gehabt, einiges aber auch neu. So auch die Cottages im Member Bereich für mehr Komfort beim Campen. Die Mönch Stage wurde aus mangeldem Interesse der Besucher ersatzlos gestrichen. Über die neue Festivalseelsorge haben wir bereits berichtet.

Musikalisch startete ich meinen Tag mit Scream Your Name. Die Burgdorfer gaben kürzlich bekannt, dass sie ab Herbst bis auf weiteres eine Pause einlegen werden. Bei prallem Sonnenschein fanden bereits am frühen Nachmittag viele Besucher den Weg vor die Jungfrau Stage. Leider war schon nach den ersten paar Tönen klar, dass da etwas mit der Technik nicht sauber sein konnte. Das verdächtige Knacken führte kurz darauf zu unzähligen PA-Aussetzern. Der eigentlich druckvolle Sound wurde ständig unterbrochen, bis das Problem erst kurz vor Set-Ende behoben werden konnte. Die Herren liessen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und zogen ihre Songs souverän durch und das Publikum unterstützte sie kräftig. Eric durfte sie übrigens mit seiner Kamera auf der Bühne begleiten.

Auf der Eiger Stage ging es danach nahtlos weiter mit Defender aus Baden. Auch bei der zweiten Schweizer Band an diesem Tag erschienen die Greenfield Besucher zahlreich. Schön zu sehen, dass die nationalen Bands so grossen Anklang finden! Auch Defender meisterten ihren ersten Auftritt in Interlaken souverän und genossen es sichtlich.

Ja, der Samstag bot mir musikalisch danach eigentlich nicht mehr viel. Daher verbrachte ich Zeit auf dem Mittelaltermarkt und liess Fotos im Winston Zelt schiessen. Auch das Foodangebot wurde inspiziert. Das war ausgezeichnet!

Andy war bei FJØRT mit von der Partie. Sie begeisterten mit ihrer energiegeladenen Show das Publikum und lieferten ein knüppelhartes Set, das ordentlich Wumms hatte. Ihre Message kam beim Publikum an: Rückwärts war nie vorgesehen! So O-Ton Andy M.

Etwas ungewohnt war, die Jungs von Bullet For My Valentine in Alltagsklamotten zu sehen, wenn man sie im letzten Jahr in Zürich mit Krawatten und Vesten auf der Bühne bewundern durfte. Das beeinträchtigte den Sound der Briten aber keineswegs, meinte Ste. Wie schon in Zürich, haben sie auch in Interlaken souverän gerockt und dem Publikum ein solides, cooles Set geboten und bewiesen, dass nicht mal der Regen ihre Fans vom Mitfeiern abhalten kann.

Stick To Your Guns konnten unsere Vera zimli abholen, wobei Ste das Konzert eher mit “ganz okay” beschreiben würde. Während dem Konzert regnete es in Strömen, weswegen unsere arme Vera auch bis auf die Knochen nass wurde. Das störte sie aber nicht weiter. Genauso wenig, wie der nicht ganz optimal abgemischte Sound. Aber diese Meinung stiess bei den anderen auf Unverständnis, weil sie die Musik gut gemixt fanden. Vielleicht stand Vera einfach zu weit vorne oder ist zu pingelig. Who knows.

Nachdem der gröbste Regen nachgelassen hatte, wollte ich mir endlich mal Zeal & Ardor anhören. Ab Platte bin ich kein Fan und auch live konnten sie mich leider nicht abholen. Ich gehöre zu den wenigen, die den Hype um Manuel und Band nicht nachvollziehen können. Ich fand den Sound hinten beim Mischpult bei der Eiger Stage miserabel (übrigens bei den meisten Acts auf der kleineren Bühne) und die Band harmonierte in meinen Ohren nicht. Der Gesang war aber top und die Inszenierung auch interessant. Mein Team war hin und weg und hat Z&A in den höchsten Tönen gelobt. Geschmäcker sind verschieden und das ist auch gut so.

Fazit: So richtig warm wurde ich ja mit dem Line-up in diesem Jahr nicht. Keine einzige Neuentdeckung wartete in Interlaken auf mich und die Headliner sind schlicht ausgelutscht. Die Massen mag es ansprechen, mich langweilen sie. Volbeat? Limp Bizkit? Offspring? Prodigy? Braucht es überhaupt solche „Headliner“? Diese Frage bleibt für mich offen. Meine Helden in diesem Jahr waren die Bands am Freitagnachmittag, die vielen Schweizer Bands, mein Team und meine lieben Freunde. Ein Wunsch für zukünftige Greenfields? Mehr musikalischen Mut. Das Gesamterlebnis ist klar wichtig, aber braucht es immer neuen Schnickschnack, wenn das Line-up für sich sprechen würde? Und hey, bigger is not better. Ob ich im nächsten Jahr wieder den Weg nach Interlaken finden werde? Momentan muss ich sagen: Nein. Mein Team rockt das auch ohne mich und ich wende mich dann möglicherweise lieber etwas überschaubareren Festivals zu.

Wunderschöne Fotos vom dritten Tag gibt es in Erics und Florences Gallery. Viel Spass dabei! Und wir sagen DANKE Greenfield Festival! Team rawk.ch ist auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder dabei.