11.08.2015: The Menzingers in der ausverkauften Hafenkneipe

Muss man überhaupt noch irgendetwas über ein ausverkauftes Konzert in der Hafenkneipe schreiben? Ist doch sowieso immer das gleiche: Viel Bier, super Stimmung, enorme Hitze und Platzmangel vor dem Lokal, wie dann auch drinnen. Genau so war es auch bei The Menzingers am 11. August 2015.

Die Band aus Scranton, Pennsylvania habe ich das erste Mal im Mai 2012 im ISC in Bern gesehen, als Vorband der grossartigen Bouncing Souls. Damals waren sie noch richtig wild drauf. Da ich an Shows meistens ziemlich kräftig einen Saufen muss, blieb mir nur die Erinnerung an Gitarrist Tom May, der wie ein Verrückter auf der Bühne herumhüpfte. Genau so war es auch in St. Gallen im Rümpeltum, ein bisschen mehr als ein Jahr später. Doch in Zürich war das anders. Der kleine Mann ganz vorne war ruhiger und sprang nicht mehr pausenlos herum. Vielleicht lag das aber auch an der kleinen Bühne. Allgemein hab ich den Eindruck, dass die vier Jungs ruhiger geworden sind, was aber nicht unbedingt negativ sein muss. Sie hatten an diesem Abend auf alle Fälle richtig Spass am Musik-Machen, das sah man ihnen an. Einfach wird es dann, wenn das Publikum noch praktisch jedes Lied lauthals mitsingen kann, sodass Sänger Greg Barnett immer wieder ganz niedlich schmunzeln musste. Ob jetzt neue Hits wie „I Don’t Wanna Be An Asshole Anymore“ oder alte Kracher wie „Who’s Your Partner?“ gespielt wurden, alle tanzten trotz enormer Hitze und totalen Schweissausbrüchen jedes Mal mit. Auch ein paar halsbrecherische Stagedives konnte man zwischendurch bestaunen – Hafenkneipe eben. Einige wurden schon in der Hälfte des Sets ungeduldig und riefen vereinzelt „Casey“, der wohl bekannteste Song der Punk-Rocker, in Richtung Bühne. Wohl auch, weil viele schon vor der Show einen Blick auf die Setlist erhascht haben und ihr Lieblingshit nirgends zu lesen war. Später stellte sich raus, dass der Song ganz unten einfach vom Klebeband überdeckt wurde. Obwohl ganz zum Schluss der lang ersehnte Track doch noch gespielt wurde, war mein persönliches Highlight der letzte Song vor der Zugabe. „Kate Is Great“, original von den oben erwähnten Bouncing Souls gespielt. Ich habe selten so ein gutes Cover gehört. Da ich vergebens auf einen Ausbruch vom hüpfenden Tom wartete, hatte ich endlich eine neue Erinnerung an ein Menzingers Konzert. Und die ist erst noch viel besser als die erste.

Ich war am Vortag erst gerade aus Blackpool zurückgekehrt, hatte vier lange Tage Rebellion Festival in den Beinen, brachte kaum ein Bier runter und trotzdem hat sich der Ausflug nach Zürich gelohnt. Wegen der super Stimmung, der gut gelaunten Band und vor allem wegen der besagten neuen Erinnerung. Hafenkneipe sei Dank!

Text: Raphael Bill