5 Fragen an Mark Kelly, den irren Engländer, der für seine Musik lebt

Fragt ihr euch auch hin und wieder mal, wo eigentlich die wahren Musikfreaks geblieben sind? Ihr wisst schon, die Menschen, die einfach durch und durch für die Musik leben und irgendwie nicht so richtig ins reale Leben reinpassen? Der Engländer Mark Kelly ist ein echtes Prachtexemplar dieser Gattung. Letzte Woche durfte ich ihn interviewen.

Wer noch nie von ihm gehört hat: Mark Kelly mischt Soul, Folk, Groove und Rock und kreiert dabei Tracks, mit denen er seine Zuhörer in seine ganz eigene Welt entführt. Dafür benötigt der sich selbst ganz treffend als “Lunatic” bezeichnende Singer/Songwriter lediglich seine Gitarre und seine gefühlvolle, rauchig-samtige Stimme.

Mehr über den “Irren”, der sich nun seit geraumer Zeit in der Westschweiz niedergelassen hat, erfahrt ihr in den 5 Fragen an…

Mark, du stammst ja aus Manchester. Was hat dich denn von allen möglichen Orten auf dieser Welt in die Schweiz verschlagen?
Mir ist schon bewusst, dass die Schweiz nicht wirklich der Ort ist, wo es britische Musiker normalerweise hinzieht, aber ich bin noch nie wirklich mit dem Trend gegangen. Als ich 17 war, verbrachte ich mit meiner damaligen Band sechs Monate hier und habe viele gute Leute kennengelernt. Das eine führte dann zum anderen und ich beschloss einfach, hier zu bleiben. Vor allem auch, weil es mir hier wirklich gut gefiel.

Aber um ehrlich zu sein spielt es keine grosse Rolle, wo man als Musiker ist. Natürlich sind die Menschen hier etwas distanzierter als anderswo, aber genau das lässt mir den Freiraum, den ich brauche, um zu experimentieren und um kreativ zu sein. Ich meine, ist man nicht immer dann am kreativsten, wenn die Leute um einen herum dies versuchen zu hemmen?

Was ist dein Ziel für dich als Musiker?
Mein grösstes Ziel ist es, gute Musik zu schreiben, die mich mit den Menschen verbindet. Ich möchte einfach authentisch sein und weiterhin Leute mit meiner Musik begeistern. Seit sechs Jahren halte ich mich jetzt schon nur mit meiner Leidenschaft über Wasser und die Entscheidung, Vollzeit-Musiker zu werden, war wirklich eine der besten meines Lebens. Im ganz grossen, harten Musikbusiness fühle ich mich aber etwas unwohl. Da kommt dann die Angst vor dem Erfolg und vor dem Kontrollverlust ins Spiel, oder auch die Panik davor, dass ich meine Authentizität verlieren könnte.

Was ist dir am Wichtigsten beim Songwriting?
Einen Song zu Ende zu kriegen! Ernsthaft jetzt, ich habe so viele Ideen für Stücke im Kopf, die ich irgendwie nie ganz fertig kriege. Aber wenn ich dann mal wieder einen Song vollende, bin ich mit diesem dafür voll und ganz zufrieden. Zudem ist mir auch sehr sehr wichtig, wie die Leute auf meine Songs reagieren.  Ich fühle mich immer sehr verwundbar, wenn ich meine neuen Stücke mit den Menschen teile und gebe viel darauf, wie es bei ihnen ankommt. Wenn ich merke, dass mich meine Musik mit dem Publikum verbindet, habe ich mein Ziel jeweils erreicht.

Was sind deine Inspirationen? Von was lässt du dich beeinflussen?
Ich bin ganz ehrlich der Meinung, dass absolut alles eine Beeinflussung ist und dass ganz egal, was man hört, nachher in einem ist. Da gab’s dieses eine Mal, als ich ein wenig rumgespielt habe und doch tatsächlich irgendeine Britney Spears-Melodie rauskam! Das war der Moment in dem ich beschlossen habe, keine neuzeitliche Musik mehr zu hören. Ernsthaft. Ich möchte mich einfach nicht von dem beeinflussen lassen, was andere Musiker tun und mein eigenes Ding durchziehen.

Ein anderer Faktor, der da mitspielt, ist aber auch mein Ego. Wenn ich einen absolut genialen Song von einem Kollegen höre, kann mich das ganz schön neidisch machen. Ich kriege dann das Gefühl, noch nicht bei einem gewissen Niveau angelangt zu sein und lasse mich immens dadurch hemmen. Deshalb verzichte ich lieber ganz auf dieses Konkurrenzdenken.

Wirklich? Für jemanden, der dich schon live als “Stage Monster” erlebt hat, ist das sehr schwer zu glauben.
Nun ja, für mich gibt es zwei Arten von Gigs. Bei den einen, die glücklicherweise nur selten vorkommen, schaffe ich es irgendwie nicht so recht, eine grosse Verbindung zum Publikum aufzubauen, weil mich irgendetwas hemmt. Das sind dann die Konzerte, bei denen ich nicht sehr viel rede und irgendwie einfach nicht so ganz loslassen kann.

Bei der anderen Art dagegen werde ich wirklich komplett zum Monster. Jeder, der das schon mal erlebt hat, weiss, dass es dann auch sehr viel zu lachen gibt. Ich liebe es einfach, die Leute an meinen Konzerten zum Lachen zu bringen. Aber auch musikalisch werde ich dann total verrückt und mache nicht mehr nur Musik, sondern werde effektiv selbst zur Musik. Das sind die Gigs, wo ich es schaffe, komplett loszulassen und keinerlei Ängste mehr zu fühlen. In diesen Momenten verwandle ich mich völlig und habe das Gefühl, dass es nichts gibt, was ich nicht schaffen könnte. Das ist dann wirklich orgasmisch!

Wer nun mehr über Mark Kelly erfahren möchte, kann seine Website und sein Facebook erkunden, inklusive Hörproben seiner Alben, oder diverse Live-Performances auf Youtube anschauen.