Wir haben und das Debüt “Fractures And Fragments” von Cold Reading angehört…

Und servieren euch hier die Meinung von Invoker-Gitarrist Andy:

Das Erstlingswerk der Luzerner Emo/Indie-Band Cold Reading “Fractures & Fragments” ist genau das, was wir uns für den Herbst wünschen: Ein durchdachtes Album, das perfekt zur Stimmung eines lauen Herbstabends passt.

Cold Reading (dt. Kalte Deutung) ist eine von Mentalisten verwendete Technik. Sie dient dazu, seinem Gegenüber in Interview-Situationen den Eindruck von vorhandenem Wissen zu geben, ohne dass dieses Wissen wirklich vorhanden ist.

Mit ihrem Debüt “Fractures & Fragments” beweisen Cold Reading jedoch, dass sie diese Technik überhaupt nicht nötig haben, denn die vier Jungs wissen genau, wie sie Musik spielen müssen.

Ihr Erstling ist eine wunderschöne Berg- und Talfahrt der Emotionen und Song für Song erlebe ich Gefühle wie Traurigkeit, Freude, Liebe oder Schmerz. So möchte ich mich beim Song “Remember” zu Hause auf dem Sofa mit einer Tasse Tee in eine Decke einwickeln und mich im Selbstmitleid ertränken. Gleich darauf rüttelt mich “Losing Ground” auf und erklärt mir, dass ich die Segel setzen muss und dieses Elend hinter mich bringen soll. Besonders der Titelsong “Fractures and Fragments”, ist so emotionsstark, dass ich mich am Schluss richtig verloren fühle und verzweifelt denke: “Das kann es nicht gewesen sein, da muss noch mehr sein!”. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Song bewusst der letzte Track auf dem Album ist, denn man will danach einfach wieder von vorne beginnen.

Das Schöne bei dieser emotionalen Achterbahnfahrt ist, dass die Texte klar zeigen, worum es bei den Songs geht und es trotzdem genug Freiraum für eigene Interpretationen gibt. Sänger Mike trägt diese Gefühle wunderbar zum Hörer und wird, wenn es richtig zur Sache geht, tatkräftig von Gitarrist Christian und Bassist Arthur unterstützt. Diese – zum Teil dreistimmigen – Gesangspassagen sorgen dafür, dass sich die Tracks direkt ins Ohr einnisten und dort bleiben; das obwohl nur wenige Wiederholungen vorkommen und das Songwriting mehr als abwechslungsreich ist.

Genau dort kommt die grösste Stärke des Albums zum Zug: Man kann bereits nach dem ersten Durchhören einige Zeilen mitsingen und doch ist die Scheibe so interessant und abwechslungsreich, dass sie auch nach dem zehnten Spielen nicht langweilig wird – im Gegenteil. Ich will einfach immer und immer wieder mitsingen.

An der Produktion der Platte gibt’s nichts zu bemängeln; jedes Instrument hat genug Platz, sich zu entfalten: Ob das spannende Schlagzeugspiel von Marc, die schönen Leads von Christian, Arthurs satter Bass oder gar die sporadischen Keyboard-Einsätze von Sänger Mike – alles kommt wunderbar zur Geltung und jeder einzelne Musiker hat genau die Präsenz, die er verdient.

“Fractures & Fragments ist ein intelligentes Album. Es ist so gut, dass ich befürchte, Cold Reading werden es schwer haben, sich noch zu steigern. Ist da noch Raum nach oben? Ich hoffe es! Irgendwie glaube ich aber, dass sie es durchaus schaffen werden, uns in Zukunft doch noch zu überraschen.

11954579_402828393247283_2520080325867028857_nV.Ö. 23. Oktober 2015 via Flix Records

Text: Andy Meier