So waren Rise Against & Refused in Winterthur

Als langjähriger Rise-Against-Hörer war ich sehr gespannt auf die Show in Winterthur. In den letzten Jahren war die Band aus Chicago bereits einige Male in der Schweiz zu Gast, irgendwie blieb da aber nicht viel hängen bei mir.

Den Anfang in der umfunktionierten Eishalle machte die schwedische Progressive-Rock-Hardcore-Punk-Band Refused. Die von etlichen Auflösungen und Wiedervereinigungen geprägte Chaos-Truppe brachte im Juni ihr erstes Studioalbum seit 17 (!) Jahren raus. „Chaos-Truppe“ deshalb, weil die Musik genauso chaotisch ist wie die Bandgeschichte. Die skurrilen Tanzeinlagen des Sängers wirkten allerdings sehr erfrischend und seine Pirouetten lenkten ein wenig davon ab, dass ich meistens keine Ahnung hatte, wo denn im Song nun Refrain oder Strophe sind oder wo überhaupt der letzte Song aufgehört und der nächste angefangen hat. Da der Sound aber ziemlich brachial daherkam und für reichlich Unterhaltung gesorgt war, ging die Zeit doch ziemlich schnell rum. Und irgendwie hat‘s mir gefallen.

Trotzdem freute ich mich nun auf ein bisschen eingängigere Mukke. Die Halle hatte sich mittlerweile ganz ordentlich gefüllt und die eisige Kälte der grauen Betontribüne, die ringsherum zur Decke hochsteigt, hatte sich längst verzogen.

Und nun traten Rise Against auf die Bühne. Nach den ersten Songs erinnerte ich mich wieder daran, wieso nicht allzu viel von vergangenen Shows hängengeblieben ist: Obwohl Sänger Tim fast jeden Ton trifft, klingt seine Stimme in höheren Lagen – also fast immer – nicht annähernd so, wie man es ab CD gewohnt ist. Es scheint, als müsse er seiner Stimme viel mehr Druck verleihen, damit er besagte Höhen erreicht. Somit geht seine natürliche Klagfarbe flöten. Und so klingt’s dann auch eher wie eine nervige Flöte. Der Ton ist zwar da, der Charakter aber weg und die Wörter hört man nicht raus. Und das dies nicht am Mischer lag, war in tieferen Lagen gut zu hören, denn da hat man jedes Wort verstanden. Dazu kam noch, dass er der Band konsequent immer ein Stück voraus war. Vielleicht war ein Problem mit den Stöpseln im Ohr der Grund dafür. Wer weiss, jedenfalls vermochte er mich nicht wirklich zu überzeugen. Die restliche Band dagegen schon. Unbeirrt von den rhythmischen Störungen ihres Frontmanns und der fehlenden Übungszeit mit Ersatzgitarrist Neil spielten sie eine sehr präzise und sympathische Show. Auch die Songauswahl hatte es in sich. Etliche Titel vom neusten Werk The Black Market lösten sich ab mit Hymnen wie „Prayer Of The Refugee“ oder „Hero Of War“. Als Rise Against-Fan kam man also, was die Songs betrifft, voll auf seine Kosten. Alles in allem eine hübsche Rockshow, die leider einige Abstriche verbuchen muss.