GROOMBRIDGE – Boy From The Golden City: Ein anspruchsvoller Soundtrack für den Herbst

GROOMBRIDGE, die Alternative-Rocker aus Burgdorf im schönen Emmental. Die bisherigen Alben des Quintetts waren mir für zu Hause zu ruhig und die Songs für meinen Geschmack zu langfädig. GROOMBRIDGE live auf der Bühne, das hat mich allerdings immer überzeugt. So viel Equipment finde ich faszinierend und auch die Stimmung, die sie bei ihren Live-Auftritten erzeugen, nimmt mich jeweils komplett ein.

„Boy From The Golden City“, ihr viertes und neustes Werk, das morgen veröffentlicht wird, hat mich total überrascht. Schon alleine die Idee, wie die CD daherkommt, gefällt mir äusserst gut. Man hat die Wahl, das neue Album mit oder ohne Buch zu kaufen. Wer sich für die Buchvariante entscheidet, bekommt wunderschöne Bilder von der letzten China-Tour mit auf den Weg. Die Momentaufnahmen, die Fotograf Roland Juker während der Zeit in China geknipst hat, sind alle in einem goldenen Farbton gehalten, wie auch das Cover der CD. Darauf sieht man einen Jungen von hinten, der in der einen Hand eine Tiermaske hält und sich die andere schützend vors Gesicht hält- wohl nicht ohne Grund.

Der Opener „Maelstorm“ zeigt bereits in den ersten Sekunden, dass etwas Neues auf den Hörer zukommt. Die Gitarren zerren am Trommelfell, die Stimme variiert von sanft bis schreiend und die Wechsel sind schneller, als man es sich von den Burgdorfern sonst gewohnt ist. Die elf Songs sind kürzer und prägnanter als auf den Vorgänger-Alben und bestechen durch Reichtum an Abwechslung. Trotzdem ist es unverkennbar GROOMBRIDGE – dies wohl nicht zuletzt durch den gekonnten Einsatz der Synth-Effekte und Samples.

Wer sich für Texte interessiert, der merkt schnell, dass die Themen unweigerlich Einfluss auf den Sound nehmen. Sänger Dyle verarbeitet in den Songs eine schwierige Zeit: Die Krankheiten seiner beiden Söhne. Man spürt die emotionale Talsohle, welche die ganze Band durschritten haben muss und fühlt unweigerlich mit. Der Gesang ist melancholisch, wütend, sanft, hoffnungsvoll und doch auch bedrückend. Man befindet sich automatisch auf einer Achterbahn der Gefühle – oder auf der Infobrücke des Inselspitals. Mein persönlicher Favorit ist „Cold Blood“, ein Gänsehaut-Song, zu dem GROOMBRIDGE bereits ein Musikvideo veröffentlicht haben, indem die beiden Söhne von Sänger Dyle die Protagonisten spielen.

„Boy From The Golden City“ ist kein einfaches Album, es fordert heraus. Schnelles Nebenbei-Hören ist schade und könnte den einen oder anderen überfordern. Es lohnt sich, sich dafür Zeit zu nehmen und alle Feinheiten auf sich wirken zu lassen. Der perfekte Soundtrack, um sich der saisonalen Melancholie mit all ihren Facetten getrost hinzugeben und die kalte Jahreszeit zu geniessen.

Getauft wird das gute Stück am Freitag, 27. November im Dachstock der Reitschule Bern. Mit von der Partie sind Them Fleurs. Tickets besorgt ihr euch HIER.

cover_boy

VÖ: 06.11.2015

Tracks:

Maelstrom
Cold Blood
Popular Science
The Resigned Maestro
Willkommen Auf Der Infobrücke
Let Me Tell You Something
Skyscrapers
Eldorado
The Boy from the Golden City
Omg
360 Degrees