Pikachus und mehr – Eskimo Callboy im Dynamo am 12.11.2015

Man wähnte sich irgendwie in einem Hybriden der Jahre 2008 und 2015 letzten Donnerstag (12.11.2015) im Dynamo als Eskimo Callboy zum Tanz baten – die Frisuren und das allgemeine Auftreten waren klar im Hier und Jetzt anzusiedeln, als Gegensatz dazu hatten aber alle ihre alten Pikachu-, Glurak-, und sonstigen Onesies und Verkleidungen hervorgekramt, was man sonst normalerweise ja nicht mehr so antrifft auf Konzerten. Eskimo Callboy, die im Moment eigentlich auf Europa-Tour mit Five Finger Death Punch und Papa Roach sind, aber an ein paar Daten unabhängig von diesem Päckchen auftreten, hatten als Support zwei deutlich ernsthaftere Bands ausgewählt, nämlich die Zürcher Expellow und Taped aus Liechtenstein.

Die lokalen Expellow um Frontfrau Mik im Kon-Tiki-Shirt, deren Lieblingswörter an diesem Abend unzweifelhaft „Züri“ und „geil“ waren, begannen ihre Show vor dem doch noch recht spärlich gefüllten grossen Saal – das Konzert war auch nicht ausverkauft – mit dem Intro ihres neuen Albums „Modern Age Credo“, von dem auch der Rest der Songs ihres knapp 25 Minuten langen Sets stammten. Musikalisch hat dann auch alles gepasst, einzig die Breakdowns hätten noch ein wenig fetter daherkommen können und Gitarrist Nici ging im Lautstärkenvergleich doch ein wenig unter. Verbesserungspotential sehe ich hingegen noch ein wenig bei der Bühnenpräsenz, aber im Verlauf des Konzerts begann sich die Truppe unübersehbar wohler zu fühlen, so dass da dann doch etwas los war. Das Publikum hingegen war wohl noch zu müde oder dann zu fest auf den Headliner eingestellt, auf alle Fälle wollte im sehr hellen Raum nicht so recht Stimmung aufkommen.

Bei Taped änderte sich das dann, da der Raum nun schon einiges gefüllter war. Auch hier gab’s musikalisch nichts auszusetzen, sogar der Ersatzdrummer – Drummer und Clean-Vocalist Tiago hatte sich im Vorfeld verletzt, so dass er zwischendurch einen Song Pause brauchte – haute seinen Part ohne merkbare Probleme in die Felle. Fronter Finlay ist ausserdem Einer, der einfach für die Bühne geboren ist. Man nimmt ihm ab, was er singt, und auch seine Ansagen – die er sonderbarerweise in Englisch hielt – wirken nicht aufgesetzt.
Als dann bei Wolfpack noch Kevin von Defender für einen Gastpart auf die Bühne kam, und Finlay das Publikum darum bat, sich endlich zu bewegen, wurde es auch im Saal selber etwas wilder. Leider mussten auch Taped nach einer relativ kurzen Stagetime, die fast ausschliesslich mit Songs vom letzten Album „Empires“ gefüllt wurde, das Feld ohne Zugabe räumen.

Kaum dass das Licht erlosch, merkte man nun, wieso die Leute hier waren. Schon während des Intros und der Ansage eines gigantischen Bunnys konnten sich viele kaum mehr davon abhalten, zu tanzen, und als dann Eskimo Callboy die Bühne betraten gab es kein Halten mehr. Der ganze Saal verwandelte sich in eine Mischung zwischen Grossraumdisko und Moshpit, es wurde gehüpft und gepogt und alles dazwischen. Was mir jedoch unverständlich war, ist, wieso der Headliner den schlechtesten Sound des Abends hatte. Vielleicht lag es an der hohen Lautstärke, dass da alles etwas matschig wurde, aber diese Prioritätensetzung verwundert irgendwie schon ein bisschen. Das Publikum und die Band hat dies jedoch nicht gestört, es wurde anständig Party gemacht und zwischen den Songs wurden von Kevin und Sushi fleissig lustige Sprüche („Müsst Ihr morgen arbeiten? Egal!“) geklopft.
Hier liegt dann auch ein bisschen mein Problem mit dieser Band; trotz der an sich geilen Mischung aus Trance (oder was auch immer es sein mag) und Metalcore schielt mir die Band ein bisschen zu oft und zu fest in Richtung Helene Fischer und anderer schlagerartige Gefilde. Das ist aber nunmal Geschmackssache, wie auch die Texte, die ja grundsätzlich unter aller Sau sind – aber hey, es ist ja ironisch, und darum ok…
Wie dem auch sei, nach einem Zugabenblock aus dem Cover „Cinema“ und zwei weiteren Songs verabschiedete sich die Band und man entliess die Fans Richtung Merchstand beziehungsweise Ausgang.