Album Review: Basement – Promise Everything

Der Grunge ist (fast) weg, die 90er sind geblieben. Basement melden sich mit dem ersten Album seit „colourmeinkindness“ in 2012 zurück. In der Zwischenzeit sind sie ein ganzes Stück melodischer gworden, spielen aber auch auf „Promise Everything“ immer noch nostalgische Gitarren-Musik.

Als die Briten im Sommer 2012 ihre damals neue Platte auch gleich zum Abschiedsalbum machten, wurde so manche Träne vergossen. Gerade hatten sie ihr letztes Stück Pop-Punk aus sich herausgespielt und sich voll dem Alternative-Rock verschrieben, und dann das vorläufige Ende. Zum Glück stellte sich dies aber nur als kurze Pause heraus: Schon 2014 meldeten sich Basement mit der 3-Song-EP „Further Sky“ zurück. Mit „Promise Everything“ liefern sie nun aber den richtigen „colourmeinkindness“-Nachfolger über Albumlänge.

Schon nach dem ersten Durchlauf steht fest, dass Basement auf der neuen Scheibe mehr auf Melodie als auf Aggression setzen. Das hat bei Further Sky noch nicht so richtig funktioniert, nun ist die leichte Transformation aber ganz gut gelungen. Sänger Andrew Fisher nimmt sich klar zurück und macht auf dem ganzen Album nur für einige wenige Linien Gebrauch von seinem früher üblichen Halb-Geschrei. Auch die Härte der Riffs wurde zurückgeschraubt, die vortrefflichen Gitarrensounds sorgen aber weiterhin für ordentlich Druck an den richtigen Stellen.

Das mag bei einigen Fans anstossen, ist aber sicherlich der richtige Weg für die Herren. Denn mit dieser leichten Verschiebung ihres Sounds bringen sie hie und da tatsächlich frischen Wind in das Geschehen. „Aquasun“, das kürzlich mit dem ersten Musikvideo der Bandgeschichte ausgestattet wurde, ist wohl der beste Song, den die Band bisher geschrieben hat. Der melancholische Pop-Rock erinnert an Jimmy Eat World anno „Clarity“ oder „Futures“. Das ist übrigens ein dickes Kompliment. „For You The Moon“ kommt ganz ähnlich daher, „Oversized“ und „Halo“ setzen ganz auf Atmosphäre und sind klar die ruhigsten Stücke der Platte. Mit dem Power-Pop von „Blinded Bye“ verneigt man sich sogar noch vor dem legendären „Blue Album“. Auch die restlichen Songs sind alles andere als schlecht, bleiben aber leider zum Teil nicht richtig hängen. Sie packen in ihre kurzen Spielzeiten von unter drei Minuten nur wenige aufsehenerregende Passagen, enden aprupt nach zwei Versen und zwei Refrains oder klingen im schlimmsten Fall wie weichgespülte „colourmeinkindness“-Songs. Schade – bei den vorhin erwähnten Stücken schien schlicht mehr Arbeit und Feinschliff hineingesteckt geworden zu sein.

Dass es hier nichts Revolutionäres zu hören gibt, ist allen klar, und das hat wohl auch niemand erwartet. Gute Rock-Musik liefern die Jungs allemal. Meiner Meinung nach hätte mit noch mehr Mut zur Melodie sogar etwas sehr Gutes entstehen können. Die stärksten und vollendetsten Songs sind auf Promise Everything nämlich genau die, die sich gar nicht mehr am alten Sound der Band festklammern. Auf jeden Fall ist es toll, zehn gute – zum Teil sehr gute – neue Basement Songs zu haben – das macht das Warten auf ihren ganz grossen Wurf kurzweiliger.

 Basement

VÖ: 29.01.2016 / Run For Cover Records

iTunes

Basement (& Tigers Jaw) @ Dynamo, Zürich: 29.02.2016