Interview mit Everything Everything

Vor ihrem Konzert in Zürich durfte ich Jeremy und Micheal von Everything Everything zu einem kurzen Gespräch treffen. Dabei erzählten sie mir von ihrem neuen Album und ihrem Leben als Musiker.

So, beginnen wir doch mit eurem neuen Album „Get To Heaven“. Wie unterscheidet es sich von den ersten Alben?
Wir haben das Gefühl, dass wir uns auf diesem Album nicht zurückgehalten haben. Früher haben wir manchmal Dinge nicht gemacht, die uns zu extrem erschienen, dies ist jetzt nicht mehr so. Das liegt vermutlich daran, dass wir selbstbewusster geworden sind. Das gehört aber auch zum Älterwerden und zum Reifungsprozess einer Band.
Uns war auch wichtig, dass das Album laut und lebendig wird, etwas, das man gerne live spielt. Man kann sagen, dass das Album eine Reaktion ist auf all das, was wir vorher gemacht haben.

Könnt ihr näher beschreiben, was ihr mit zurückhalten meint?
Hauptsächlich war das in musikalischer Sicht. Wir haben aber auch Texte genommen, die vielleicht ein bisschen heikel sind oder Dinge wie einen Extra-Refrain. Ich glaube, wir fühlten uns sehr wohl in unserer Haut und liessen uns so nicht von unserem individuellen Stil abbringen. Der Weg zu diesem Punkt, wo man so selbstbewusst ist, dauerte aber sehr lange und war hart.

Wo kriegt ihr die Ideen für eure experimentellen Teile her?
Die entstehen hauptsächlich daraus, wenn man viel unterschiedliche Bands und Künstler hört und auch selber viel Musik macht. Wir nehmen Elemente aus allen Ecken der Musik, man muss sich irgendwie dann dazu überwinden, dass man das auch kombinieren kann. Wir mögen Destiny’s Child, wir mögen Radiohead, wir mögen die Beatles aber wir mögen auch Sly and the Family Stone. Das sensibilisiert uns alle sehr und zusammen entsteht dann unsere Musik. Bevor es Everything Everything gab, spielten alle in sehr verschiedenen Bands in allen möglichen Kombinationen, das trägt auch zum Experimentieren bei. Als wir dann als Band zusammenkamen, war schon sehr klar, wie unser Stil sein soll. Das war auch ein grosser Vorteil. Der Grundsatz ist immer noch derselbe, nur sind wir jetzt ein bisschen reifer geworden, das spiegelt sich auch in unserer Musik wieder.

Ihr werdet meistens als Indie-Rock-Künstler bezeichnet. Stimmt ihr da zu, oder stört euch das?
Weder noch. Heutzutage ist der Begriff Indie-Rock so bedeutungslos, eigentlich schon seit Ende der 90er Jahre. Und schon dann gab es viele Bands, die unter Vertrag waren, sich aber trotzdem als Indie bezeichneten. Vielleicht ging es gar nie richtig um das. Wenn es nur um den Sound geht, würde ich uns nicht direkt als Indie-Rock bezeichnen, allerdings wüsste ich auch nicht, wie ich dem sonst sagen würde. Man könnte vermutlich stundenlang diskutieren, wenn es darum geht, etwas einem bestimmten Stil zuzuordnen, da gibt es so viele Faktoren.

Wo spielt ihr lieber, in Klubs oder auf Festival?
Wir mögen beides. Das lustige an Festivals ist, dass es jedesmal wieder eine Überraschung ist, was einem erwartet. Man weiss nie, ob es viele Zuschauer hat, und ob die gut gelaunt sind oder nicht. Es kommt extrem auf die Menge an und ob alles so abläuft, wie es soll. Es kann grossartig sein – aber auch nicht. Wenn es gut läuft, entsteht bei den Festivals eine Art von Magie, die man nicht in einem Clubkonzert erfährt.
Andererseits ist es auch toll, in einem Club für seine Fans zu spielen, die nur für uns gekommen sind. Wir sind zum Glück in der Situation, dass wir beide Arten von Konzert spielen können. Im Sommer sind wir einige Monate an Festivals, und sobald wir das nicht mehr so gerne machen, können wir wieder in die Klubs wechseln. Es könnte nicht besser sein.

Welches war denn euer Lieblingsfestival, auf dem ihr gespielt habt?
Definitv das Glastonbury. Das Festival ist einfach die grösste Party der Welt. Generell eines unserer Lieblingsevents überhaupt. Wir als Band durften schon vier oder fünf Male auftreten, das ist natürlich eine grosse Ehre für uns, in unserer Heimat an einem so bekannten Festival spielen zu dürfen.
Ein Festival auf dem wir sehr gerne noch spielen würden ist das Coachella oder Fuji Rock. Das ist sicher noch eines unserer Ziele.

Was macht ihr, wenn ihr mal Zeit für euch habt?
Verdammt normale Sachen, eigentlich (beide lachen). Familie, Zuhause sein, Filme und generell eher künstlerische Dinge. Keiner von uns ist sportlich, um ehrlich zu sein. Also echt nichts Spektakuläres – genau das, was normale Menschen auch tun.

Und wie siehts aus, wenn ihr in einer neuen Stadt seid? Schaut ihr euch sie an?
Ja, meistens haben wir durch den Tag durch Zeit, uns umzusehen. Heute waren wir auch mit den Jungs von den Foals unterwegs und haben uns Zürich angesehen. Wir versuchen das überall, wo wir sind, zu machen. Wenn man schon eine solche Chance hat, sollte man sie auch nutzen. Ausserdem ist das die einzige Gelegenheit für uns, ein bisschen frische Luft zu kriegen. Wir sind jeden Tag wieder an so unglaublichen Orten, das geniessen wir sehr.

Werdet ihr schon von Leuten erkannt?
Zum Glück sehr sehr selten. In Europa noch weniger als in unserer Heimat in England. Jonathan, unser Sänger, wird am meisten erkannt, liegt aber wohl an seinen platinblonden Haaren. Wir sind aber ziemlich froh drum, so kann man ungestört durch die Stadt laufen.

Nach dem Interview legten die Jungs ein hervorragendes Konzert ab – schade waren sie nur Vorband, ich hätte sie gerne länger erlebt.

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