Album Review: Into It. Over It. – Standards

Into It. Over It. liefern mit ihrem dritten Album „Standards“ ihr umfassendstes und wohl bestes Werk ab. Über die 40-Minütige Laufzeit klettern die zwölf Lieder auf der Intensitäts-Skala hoch und runter. Und dies zum ersten Mal auf einem IIOI-Album wie aus einem Guss.

Evan Weiss, Kopf der Band und Vaterfigur des „Emo-Revivals“, ist ein vielbeschäftigter Geselle. Nebst IIOIs grossen Outputs (inklusive eines massiven 52-Track-Projekts) war und/oder ist er Teil von anderen Bands wie Their/They’re/There, Pet Symmetry oder Stay Ahead Of The Weather. Für Standards hat er sich zusammen mit Schlagzeuger Joshua David Sparks einen Monat lang in eine abgeschiedene Hütte in Vermont zurückgezogen. Ob dies der Grund ist, warum das Album so vollständig wirkt, oder einfach zur Mystifizierung dient, lässt sich natürlich nicht sagen. Auch egal, wenn das Endresultat stimmt.

„My friends from where I’m from are all a wreck“, eröffnet Weiss das Album, während das akustische Song-Skelet nach und nach mit Piano und Perkussion erweitert wird. Das zweite Stück „Closing Argument“ wird ebenfalls immer ein bisschen intensiver, und beim dritten Song „No EQ“ ballert einem das Schlagzeug schon ziemlich um die Ohren. Diese Ebbe/Flut-Bewegungen zeichnen das Album zu einem Grossteil aus. Natürlich ist dies nichts neues, auch nicht für IIOI. Doch wo beim Debut-Album „Proper“ die meist poppunkigen Full-Band-Lieder einfach durch eine Handvoll kurze Akustik-Lieder unterbrochen wurden, schafft es „Standards“, einen natürlichen Flow über Albumlänge zu erschaffen. Ja, „Intersections“, das zweite Album, war auch konstant, aber eintönig. „Standards“ schafft es, das dynamische Wechselspiel von „Proper“ und die Kohärenz von „Intersections“ zu vereinen.

Die Energie wird in packende melodische Indie-Rocker verpackt, wie das erwähnte „No EQ“, das ziemliche gradlinige „Vis Major“ oder das ansteckende „Adult Contempt“. Letzteres reisst den Hörenden von Anfang an mit blitzschnellen und interessanten Drum-Beats mit und ist eines der packendsten IIOI-Stücke. Den Höhepunkt bildet jedoch das Kernstück-Duo bestehend aus „Your Lasting Image“ und „Old Lace & Ivory“. Beim Hören dieser Stücke fragt man sich einfach, warum Death Cab For Cutie vor zehn Jahren aufgehört haben, sowas zu schreiben. Zurückhaltend, atmosphärisch, majestätisch und einfach nur schön. A propos schön: „Freeze in the winter’s now permanent and inclement. It’s off and on, but often awful through the worst of it. It peels the paint from the walls.“ Nicht nur die vagen Bilder, die vom Inhalt hervorgerufen worden, sind bemerkenswert, gerade auch der Wortklang an sich ist höchst elegant („off and on, but often awful“). Typisch Emo? Jein, die Melancholie durchtrieft „Standards“, zügelloses Selbstmitleid sucht man hier aber vergebens.

Songwriting, Lyrics und vor allem der Spannungsbogen über Albumlänge sind bei Into It. Over It. auf dem dritten Album besser geworden. Der Status als eine der Speerspitzen des modernen Emo ist somit gesichert, und das Fundament für Grösseres ist gelegt. Ein durch und durch zu empfehlendes modernes Rock-Album.

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VÖ: 11.03.2016 / Triple Crown Records

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