Hacktivist – Outside The Box – Album Review

Gitarren auf Marianengrabentiefe gestimmt? Check! „Schiefe“ Rhythmen? Check! Breakdowns? Check! Atmosphärische Parts? Check! Screams? Check! Gangshouts? Check! Also: Djent? Njaaaaa. Weil: HipHop-Parts & -Attitüde? Check! Was also ist es, was Hacktivist auf ihrem neuen (ersten) Album „Outside The Box“ (veröffentlicht bereits am 04.03.2016, zum Stream geht’s hier lang) zelebrieren? Das Heben des Mittelfingers an Alle, die Dinge sagen wie „Aber das geht doch nicht zusammen“ oder „Entweder machst du Metal oder du machst was Anderes. Entscheide dich“, indem da wild Djent mit Grime mit Metalcore mit Atmosphäre gemischt wird. Wenn du also noch nicht sicher bist, ob du eine Stunde deiner wertvollen Lebenszeit damit verbringen willst, diesem Album eine Chance zu geben, dann lies das hier und entscheide danach. Oder tu’s einfach. Es lohnt sich.

Wie auch immer, „Outside The Box“ beginnt mit einem sphärischen Intro, das genauso auf einem der vielen progressiv angehauchten modernen Metalcore Alben – „Northlanecore“ – stehen könnte, und in dem gleich der Hörer angesprochen wird. „Thank you for your time“ heisst es da, aber gleichzeitig wird auch klar gemacht, dass Hater ruhig haten sollen, die Band wird sich von dem nicht beirren lassen, ihren Weg gehen, der darin besteht, mit ihrer Musik aufzurütteln, auf Missstände aufmerksam zu machen. Lyrisch bleibt’s dann irgendwie auch bei diesen Themen, mal geht’s um die Innovation, die die Band bringt („Outside The Box“), den Werdegang der Band und ihre „I will prove you wrong“-Attitüde („Hate“), aber auch Überwachung im Zeitalter von Mikrochips & co. („Rotten“), soziale Ungleichheit („No Way Back“), Waffengewalt („False Idols“) und weitere sozialkritische Themen werden berührt; alles in allem also ein guter Mix und durchaus mitreissende, durchdachte – HipHop-Storytelling halt -, geile Lyrics, bei denen es sich lohnt, genauer hinzuhören.

Nachdem das Feld nun sozusagen von Hinten aufgerollt wurde, sollen jetzt noch ein paar Worte zur Musik gesagt werden. Nachdem eben im Intro der typische „modern Metalcore“-Sound ausgepackt wurde, beginnt „Hate“ mit einem fetten Beat, über den J Hurley seine Rhymes spittet, bis dann im Refrain der Djent und Sänger Ben Marvin übernimmt, bis schliesslich alles in einen fetten Breakdown mündet und so gleich die Richtung für das ganze Album vorgegeben wird. Mal sind die Grimeparts weniger aggressiv, mal werden in den Refrains die grossen Melodiegitarren ausgepackt, mal findet man noch zusätzliche elektronische Spielereien. Und wieder einmal ist das ein bisschen das Problem des Albums: Zwar werden Genregrenzen vorsätzlich ausser Acht gelassen, aber vor allem die Metalparts bewegen sich fast ausschliesslich im gemütlichen, immer sehr ähnlichen Midtempo. Klar, es gibt keinen wirklichen Absacker auf dem Album – vielleicht ausgenommen das instrumentale Zwischenstück „The Storm“, das man sich hätte sparen können -, aber viele Songs wirken auch ein bisschen auswechselbar. Das ist natürlich Meckern auf hohem Niveau, denn im Gegenzug werden nämlich auch tonnenweise echte Hits generiert, so zum Beispiel „Taken“, auf dem Rou Reynolds (Enter Shikari) dem Refrain genau das gibt, was er braucht. Überhaupt sind die Gäste auf dem Album – seien es die Astroid Boys, Jamie Graham (Heart Of A Coward) oder eben Rou Reynolds – sehr gut in Szene gesetzt und heben die jeweiligen Songs nochmals auf ein neues Level. Dies soll keineswegs bedeuten, dass die Hacktivisten alleine nichts können, denn auch stripped to the bone liefern sie einige Bretter ab, absolute Anspieltipps sind „No Way Back“ und „False Idols“.

Also, ihr habt’s gehört: Hört euch das Album zumindest mal an.

Und genau: Live kann man sich von Hacktivist überzeugen, wenn die Band am 24.03.2016 ins Dynamo kommt!

Hacktivist_OTB_250x250px

Tracklist:

1. Our Time (feat. Marlon Hurley)
2. Hate
3. Deceive & Defy (feat. Jamie Graham)
4. Taken (feat. Rou Reynolds)
5. The Storm
6. No Way Back
7. False Idols
8. Rotten (feat. Astroid Boys & Jot Maxi)
9. Elevate
10. Outside The Box
11. Buszy
12. The Storm II