So ist das neue Killswitch Engage-Album „Incarnate“

Mit ihrem siebten Studio Album “Incarnate” hauen die Urväter des Metalcore ein solides Album raus, welches niemanden wirklich mehr überrascht. Die Frage ist, müssen sie das überhaupt?

Ganz ehrlich: Beim allerersten Durchgang haute mich das Album nicht gerade aus den Socken. Meine Vorfreude war so riesig, dass ich meine Erwartungen wieder einmal ins unermessliche schraubte. Dies führte dann auch dazu, dass ich irgendwie ein bisschen enttäuscht war, obwohl ich gar nicht sagen konnte, was mir an diesem Album nicht gefiel.

Aber erst einmal ein bisschen Background: Wer Killswitch Engage nicht kennt, der hat echt was nachzuholen. Schliesslich ist das Quintett aus Massachusetts seit mittlerweile 18 Jahren im Business tätig und gilt als Mitbegründer des Metalcore. So wurde es unter anderem schon für einen Grammy in der Kategorie Best Metal Performance nominiert und hat Musik zu Filmen und Serien wie “Resident Evil: Apocalypse”, “Freddy vs. Jason” und “Game Of Thrones” beigesteuert.

Meine Frage kann ich also gleich selber beantworten: Müssen Killswitch Engage heute noch jemanden überraschen? Nein, müssen sie nicht. KsE haben über sieben Alben hinweg konstant gute bis sehr gute Ergebnisse abgeliefert und müssen niemandem mehr etwas beweisen.

Nun aber zum Album selber: Die Scheibe wirkt bei den ersten Durchgängen nicht so durchdacht, wie es etwa ihr Vorgänger “Disarm The Descent” tut. Gitarrist Adam Dutkiewicz (welcher auch dieses Mal wieder für Produktion und Mix verantwortlich war) bezeichnete die Entstehung des Albums als “lang und mühevoll” und irgendwie merkt man das ein bisschen. Die einzelnen Songs sind in sich stimmig und bieten eine Menge. Aber über das ganze Album hinweg gesehen finde ich, dass etwas weniger durchaus mehr hätte sein können. So kommt die Scheibe mit den Bonus Tracks auf insgesamt 15 Songs. Interessanterweise zählen meiner Meinung nach gerade die drei Bonus Tracks zu den Stärkeren des Albums und harmonieren besser miteinander als zum Beispiel die ersten fünf.

Sänger Jesse Leach geriet laut eigener Aussage während dem Schreiben der Texte in eine Blockade und kam an einen Punkt, an welchem das Album ihn wortwörtlich wahnsinnig machte. Diese Blockade scheint er aber glücklicherweise gut überwunden zu haben.
Waren im Jahre 2002 seine Depressionen noch der Grund, dass er die Band verliess (um dann glücklicherweise 10 Jahre später wieder zurück zu kehren), ist er heute an einem Punkt angelangt, wo er seine Vergangenheit in seinen Songs verarbeiten kann und im Stande ist, mit der Depression umzugehen. Dies kommt besonders in Songs wie “Cut Me Loose” und “It Falls On Me” zur Geltung.

Schlussendlich kann ich sagen, dass “Incarnate” zwar nicht mit einigen Vorgängern mithalten kann, aber trotzdem haben Killswitch Engage es geschafft, ein gutes Album abzuliefern, mit welchem sie immer noch in der Lage sind, zu zeigen, weshalb man sie im Metalcore einfach nach wie vor nicht wegdenken kann.

Ich freue mich auf jeden Fall riesig auf das diesjährige Greenfield Festival, wo ich mir bei alten sowie neuen Songs die Kehle heiser schreien kann und mit einem ordentlichen Two-Step durch die Menge tanzen werde.