Riversidemosh Fest 2016 – So war’s

Das Wetter wechselt von strömendem Regen zu Sonnenschein und wieder zurück, wobei ersteres deutlich häufiger vorkommt und einem eigentlich jede Lust, das traute Heim zu verlassen, raubt. Wer sich an diesem Samstag, 14.05.2016, aber trotzdem durch die sintflutartigen Zustände gekämpft hat, der wurde im Flösserplatz reich belohnt: Das Riversidemosh Fest 2016 bot einem sechs super Bands, Musik von 17:00 bis 23:00.

Eröffnet wurde das Ganze von Deconvolution aus Solothurn, die junge Hardcore-Truppe legte dann die Messlatte auch gleich auf einer ansehnlichen Höhe fest. Klar, innovativ ist’s nicht wirklich, aber sehr gut gemacht, Songs mit hohem Ohrwurmfaktor, groovige Breakdowns, alles, was es halt so braucht. Und auch wenn Frontmann Jonathan zwischen den Songs zum Teil noch es bitzeli seine Worte suchen muss, sind seine Ansagen und seine Art doch sehr sympathisch, vor allem auch, wie er das Publikum antreiben kann, steht den „Grossen“ in nichts nach!

Next up: Life’s December aus Wattwil, einiges düsterer, zwei Achtsaiter, dafür kein Bass, böse Gesichter, Djent, Downtempo, Deathcore. Auf CD super brutal, stimmt leider live der Sound nicht so zu hundert Prozent; zwar sind die Songs immer noch geil – und auch die neuen Songs machen Vorfreude auf das nächste Album, shit, diese Breaks sind schon geil -, aber der Wumms geht etwas verloren. Die Mosher stört das nicht so sehr; was aber am crowdkillen so toll sein soll, erschliesst sich mir nicht so ganz. Gear geht kaputt, Leute sind angepisst, wieso macht man das?

Bei Vitja hat’s dann erstmals auch zwei, drei Reihen direkt vor der Bühne, die alle brav springen, wenn Sänger David Beule es befiehlt. Aber im Ernst: Klar ist das nicht die absolute Zerstörung, aber für das man sich eigentlich erst in der Mitte des Konzerts befindet, geht doch ganz schön was. Die Band selbst legt sich auch ordentlich ins Zeug, und auch der Sound stimmt jetzt. Sympathisch: Davids Ansage, dass man hier sei, um gemeinsam zu feiern, egal ob „Emos, Metalheads oder Air-Max-Leute“. Bei „New Breed“ am Schluss ist dann wirklich nochmal Party angesagt, danach wird fröhlich am Merchstand mit den Fans geplaudert.

40 Minuten Umbaupause nach den ersten drei Bands, was auf den ersten Blick ein bisschen doof klingt, ist eigentlich eine sehr gute Idee, vor allem eben, wenn ein Abend so lange geht. Genügend Zeit, um sich in der Altstadt – Dönerlife, äh, Falafellife – zu verpflegen, dann frisch gestärkt auch dem zweiten Teil der Bands die nötige Aufmerksamkeit und Energie entgegenzubringen.

Giants aus England haben kürzlich ihr Debüt-Album veröffentlicht, das sehr zu empfehlen ist. Auch live ist die Band absolut überzeugend, (Pop-)Punk, Hardcore, Singalongs, Breakdowns, sympathisches Auftreten. Das Publikum macht auch brav mit, geht „Side-to-Side“, schüttelt die Köpfe, zeigt was in ihm steckt. Was mich aber ein wenig gestört hat: Trotz aller Sympathie und einer eigentlich guten Show hatte ich irgendwie das Gefühl, dass die Band ein bisschen müde war, vor allem im Vergleich mit den drei Bands zuvor – die übrigens mit keinem Wort erwähnt wurden.

Capsize stacheln dann die Leute nochmals ein Stück mehr an, es wird mitgeschrien und mitgelitten, auch hier natürlich das übliche Programm, Circle Pit, Two-Step, undsoweiter. Die Band ist natürlich auch entsprechend abgegangen, trotzdem war ich aber ein bisschen enttäuscht; es war, wie gesagt, gut, aber auch nicht mehr, irgendwie hatte ich da eine Über-Show erwartet, die aber nicht stattgefunden hat.

Dasselbe bei den Landscapes: natürlich, da sind viele Emotionen, die Songs sind super, die Band ist agil und tight, und Frontmann Shaun Milton ist ein echt sympathischer Typ – zum Beispiel wenn er einen Song Invoker widmet oder sich auf Tuchfühlung mit dem seit der Umbaupause durch ein Gitter von der Bühne getrennten Publikum begiebt -, aber die Erinnerung ans Konzert im Dynamo vor einem halben Jahr hat einiges mehr versprochen, als das, was man an diesem Regentag erhalten hat. Auch hier, irgendwie scheinen alle ein bisschen müde, abgekämpft, mit nicht so viel Energie dabei; vielleicht der Grund, wieso das Set nach kurzen 30 Minuten ohne Zugabe dann auch schon zu Ende ist. Und ja, den Bands, die vor der Umbaupause gespielt haben, Danke zu sagen hätte man auch können…

Das klingt jetzt alles ein bisschen negativ, aber natürlich ist das Kritik auf hohem Niveau. Der Abend hat viel Spass gemacht, grossen Dank ans Riversidemosh-Team!