Sonisphere Luzern: Was für ein Start in die Openair-Saison!

Am vergangenen Freitag und Samstag fand die Schweizer Ausgabe des Sonisphere Festivals in Zusammenarbeit mit Allmend Rockt zum ersten Mal auf der Luzerner Allmend statt. Insgesamt zog das Openair 70’000 BesucherInnen an und liess so manchen Metalhead bangen!

Das Sonisphere Festival hatte heuer ein fantastisches Line-Up zusammengestellt. Dazu gehörten am ersten Tag Gojira aus Frankreich, die in Luzern erneut bewiesen, dass sie live eine Macht sind. Zwar wirkten sie ein bisschen verloren auf der riesigen Bühne, doch das geht vielen Künstlern, die vor dem Headliner auftreten, ähnlich. Mark Tremonti überzeugte mit seiner Band und etwas (aber nur etwas) sanfteren Klängen. Sabaton zeigte deutlich mehr Interaktion mit dem, bereits seit über einer Stunde starkem Regen ausgesetzten Publikum. Dieses nahm die Aufforderungen zum Mitsingen und Klatschen gerne an. Endlich wirkte die Allmend nicht mehr so leer, zum ersten Mal kam richtig Stimmung auf. Doch das war erst ein Vorgeschmack darauf, was noch kommen würde: Iron Maiden! Die Legenden des British Heavy Metal wurden den hohen Erwartungen absolut gerecht und boten ein Konzert der Extraklasse. „Hallowed By The Name“, „The Trooper“, „Fear Of The Dark“, „The Number Of The Beast“, dazu einige Lieder des neusten Albums „The Book Of Souls“ – Iron Maiden boten zwei Stunden Heavy Metal bester Qualität! Die Band existiert seit mehr als vierzig Jahren und hat sechzehn Studioalben veröffentlicht, die Erfahrung merkte man ihr an, ihr Alter aber nicht. So manche(r) wünscht sich wohl, mit 59 Jahren noch so dehnbar zu sein wie Gitarrist Janick Gers und so herumrennen zu können wie Bruce Dickinson. Platz blieb den ganzen Abend über genug, schliesslich waren freitags „nur“ 20’000 ZuschauerInnen am Festival.

Am Samstag waren es zweineinhalb Mal so viele und es war Rammstein, auf die alle warteten. Doch der zweite Festivaltag bot noch so viel mehr: Powerwolf heizte dem Publikum wie gewohnt ein, Apocalyptica zusammen mit Franky Perez boten, wie man es von ihnen kennt, mit ihren Cellos eine ungewöhnliche und energiegeladene Show und dann waren auch noch zwei der Big Four des Thrash Metals dabei: Anthrax und Slayer! Beide muss man einfach gesehen haben, wer dem Thrash Metal nicht komplett abgeneigt ist. Und trotzdem: Das Highlight des Tages war Rammstein. Die Deutschen boten eine Show, aufwändiger als das Make-Up von Daniela Katzenberger und pyrotechnischer als jeder Nationalfeiertag. Überall wo es nur irgendwie geht – und auch wo es nicht möglich scheint – war im Verlaufe des, leider eher kurzen Konzerts, etwas Brennendes installiert. Wie Iron Maiden konnte Rammstein unmöglich alle Hits spielen, sie feuerten aber auch musikalisch ein Dauerfeuer ab und boten mit „Engel“ einen würdigen Abschluss des Festivals, das definitiv Lust auf mehr machte. Lust auf die gerade initiierte Openairsaison und Lust auf weitere Sonisphere Festivals, gerne wieder auf der Allmend und dann vielleicht etwas trockener und noch besser organisiert. Neben dem Wetter blieben nämlich zwei weitere Wermutstropfen: Die teilweise sehr langen Wartezeiten beim Eintritt und der Golden Circle, der leider immer zur Folge hat, das zuvorderst nicht die leidenschaftlichsten, sondern die zahlungskräfigsten ZuschauerInnen versammelt sind. Eines der Dinge, die nie hätten erfunden werden sollen.