Greenfield 2016 – Interview mit Talco

Kur vor ihrer energiegeladenen Show am späten Freitagabend am Greenfield Festival, trafen Vera und ich Talcos Frontmann Dema nach einer zehnstündigen Anreise aus Kroatien zu einem Interview. Dem Stile eines Rockstars entgegen, erschien er nicht mit Bier oder Whisky sondern mit einem Pappkaffeebecher.

Trinkst du italienischen Kaffee?
Nein, das ist Kamillentee. Ich bin wirklich müde, weil wir eine zehnstündige Reise hinter uns haben. Unser gestriges Konzert in Kroatien war um ein Uhr morgens fertig und um vier Uhr standen wir bereits wieder auf, um hierher zu fahren. Wir befürchteten Stau am Gotthard.

Aber ist die Reise gut verlaufen?
Ja, zum ersten Mal ohne Stau am Gotthard.

Und wie war euer Konzert in Kroatien?
Toll! Wir haben nicht so viele Leute erwartet, denn das Konzert hatte vom März auf gestern verschoben werden müssen. Wir erwarteten wirkliche keine Zuschauer wegen der Festivalsaison aber es kamen um die 500 Leute.

Magst du die Konzerte in der Schweiz?
Auf der Silent Town-Tour spielten wir in Zürich, das war unglaublich! Unglaublich, weil es an einem Donnerstag war und der Club war voll, es waren ungefähr doppelt so viele Leute da, wie beim letzten Mal. Wir sind also sehr glücklich darüber, was hier momentan läuft. Denn vor ein paar Jahren war es schwierig, Auftritte zu finden, aber jetzt hatten wir ein paar, ich bin wirklich glücklich darüber. Und jetzt spielen wir am Greenfield.

Ihr habt ja schon mal hier gespielt.
Ja, jetzt zum dritten Mal. Das erste Mal 2012, dann 2014, also alle zwei Jahre.

Gibt es ein Lied, dass du live am liebsten spielst?
Viele. Ich mag „El sombra“ und „Dalla palida mirò“ sehr, zwei Lieder vom neuen Album. In diese Lieder habe ich mich wirklich hineingegeben und hoffe, dass sie den Leuten gefallen.

Ich liebe die Lieder! Wir baten andere Bands, die wir zum Interview trafen, Fragen an die jeweils als nächstes befragte Band zu stellen. Billy Talent wollte von euch wissen, welche Mannschaft ihr in einem Fussballspiel anfeuern würdet: Sankt Pauli oder Venezia F.C.?
Ich würde sagen Venezia, weil es meine Heimatstadt ist. Leider mussten sie kürzlich Konkurs anmelden und in der fünfthöchsten Liga neu beginnen. Jetzt spielen wir viertklassig, mit Filippo Inzaghi als neuen Trainer. Schon als ich jünger war, ging ich ins Stadion, als Venedig noch in der höchsten Liga spielte. Ich hoffe, dass sie bald wieder dorthin zurückkehren.

Sprechen wir noch etwas mehr über Fussball. Ich vermute, dass Venedig dein Lieblingsklub in Italien ist.
Nein, Milan. Ich finde es wirklich schade, dass der Verein Berlusconi gehört, aber Fussball ist Fussball, jede Mannschaft hat ihre Nachteile. Juventus wird von Agnelli, Internazionale von Morati kontrolliert.

Grundsätzlich ist im Fussball ja sehr viel Geld vorhanden.
Ja, im Sport allgemein. Das ist keine gute Entwicklung.

Zurück zur Musik. Deine Liedtexte sind in Italienisch. Was für einen Einfluss hat das auf euren Erfolg?
Das weiss ich wirklich nicht, ich habe noch nie darüber nachgedacht. Wir mögen es, in unserer Sprache zu singen, das ist der einfachste Weg um über ein Thema zu sprechen, das wir aufgreifen möchten. Ich denke, die Leute mögen es, bis jetzt trafen wir auf keine Barierren aufgrund der Sprache. Wir möchten also auf Italienisch weitermachen.

Es ist noch nicht lange her seit eurem letzten Album. Hast du trotzdem schon neue Lieder geschrieben?
Natürlich.

Und wie läuft es?
Ich habe gerade begonnen und bin wirklich zufrieden mit dem Ergebnis. Ich habe immer etwas Angst, aber die bisherigen Alben scheinen gut angekommen zu sein und ich hoffe, ein weiteres Album wie „Silent Town“ zu machen, denn wir mögen dieses in jeder Hinsicht sehr: Die Aufnahmen, die Lieder, die Texte. Ich hoffe, dass Talco mit dieser Art Album weitermachen wird. Und wir veröffentlichen ein Album erst, wenn wir die aufgenommenen Lieder wirklich mögen. Wir wollen nicht wie andere Bands einfach eine Single machen und dann das Album mit anderen Liedern füllen, mit denen wir nicht wirklich zufrieden sind. Wir wollen immer ein wirklich gutes Album machen. Dann sind es aber die HörerInnen, die es beurteilen, wir sind schliesslich hier um über uns urteilen zu lassen. Wir versuchen immer unser Bestes.

Bist du nervös vor der Veröffentlichung eines Albums, wenn du auf die Reaktionen warten musst?
Ja, bin ich. Ich besonders, weil ich die Lieder schreibe. Ich finde das eine schwierige Zeit und lese dann alle Kommentare auf Facebook. Eigentlich müsste ich das nicht tun, denn Facebook zeigt nicht wirklich auf, was die Leute denken. Man findet vielleicht zwei oder drei Kommentare aber an Konzerten haben wir 500-1000 ZuschauerInnen. Aber ich bin dann so nervös, dass ich Reaktionen brauche.

Ganz ehrlich: Liebst du Interviews zu geben oder hasst du es?
Ich liebe es, weil ich es liebe über unsere sogenannte „Arbeit“ zu sprechen, aber wir haben ein wirklich angenehmes Leben als Musiker. Ich mag darüber zu sprechen, weil es mir hilft, mich daran zu erinnern, was wir in letzter Zeit getan haben. Ich mag es auch, Leuten von den positiven und negativen Seiten des Musikerlebens zu erzählen. Denn es ist ein gutes Leben, aber eines mit vielen Opfern.

Es ging bis jetzt aufwärts mit Talco. Was tust du, um zu schätzen, was ihr bereits erreicht habt? Und nicht einfach kontinuierlich mehr zu wollen?
Ich denke an die Gegenwart und die ist gut. Das Hauptziel ist, auf diesem Level weiterzumachen. Unsere Absicht ist es, viele Jahre lang Musik zu machen. Und wie bereits gesagt, wollen wir so gute Lieder schreiben wie wir nur können und auf demselben Niveau bleiben. Natürlich wirst du langsamer werden, wenn du 40 oder 50 Jahre alt bist aber wir möchten für lange Zeit Musiker bleiben.

Kannst du dir eine Frage ausdenken für Deaf Havana, die wir interviewen werden?
Ja, klar: „Mögt ihr es, an Festivals zu sein, auf denen ihr spielt und ein paar Konzerte zu schauen oder bleibt ihr lieber im Backstage?“ Es gibt nämlich viele Bands, die sich einfach im Backstage aufhalten.

Dema, vielen Dank für deine Zeit! Wir freuen uns auf euer Konzert!