29.06.2016 – Our Last Night – Die härteste Boygroup in der Schüür

Our Last Night machten auf ihrer Europa-Tour halt in der Schüür in Luzern. Als Co-Headliner waren Beeing As An Ocean am Start, als Support die Schweizer Barbie Sailers. Letztere sind übrigens für ganze sieben Shows mit OLN in Europa unterwegs.

Aber nun zum Konzert: Mit gefühlten 45° Celsius war’s in der hübschen Schüür ordentlich heiss. Das war wohl auch der Grund, wieso um 19:30 noch viele Konzertbesucher draussen in der gemütlichen Outdoor-Lounge bei angenehm sommerlichen Temperaturen und einem kühlen Bierchen verweilten.

Aber ihr habt was verpasst: Die Pop-Punk-Rocker Barbie Sailers aus dem schönen Tessin legten einen guten und sympathischen Auftritt hin. Instrumental und gesanglich passte eigentlich alles. Der Sound war nicht perfekt, aber zumindest war ordentlich Druck und Lautstärke da. Übrigens haben die Herren grad eine EP rausgebracht, die echt gut ist. Wirklich richtig gut.

Bei Beeing As An Ocean füllte sich die glühende Dachstube allmählich. Ich muss gestehen, dass ich noch nie einen Song von dieser Band gehört habe. Die Truppe aus Kalifornien verbreitet ordentlich Stimmung, und zwar musikalisch wie auch menschlich. Ich würd die Musik wohl als Epic-Hardcore beschreiben. Die Jungs lassen sich Zeit in den Songs, bauen minutenlang Spannung auf und entladen die ganze Energie in wuchtigen Parts und heftigen Refrains. Geiles Ding.

Als um halb Zehn die Chefs des Abends die Bühne betraten, wurde das hysterische Gekreische zunehmend lauter. Auf diesen Moment hab‘ auch ich gewartet, schliesslich schallen die CDs sehr häufig zuhause und im Auto aus den Lautsprechern. Ich denke, man kann sagen, dass Our Last Night eine sehr hart arbeitende Band sind. Man denke schon nur an die häufigen Cover-Songs, oftmals sogar mit Video. Regelmässig hauen sie neue CDs und EPs raus, haben eine starke Präsenz in sozialen Medien und sind scheinbar ununterbrochen auf Tour. Was für ein Aufwand. Wie macht man das bloss? Respekt.

Dass man aufgrund der in allen Bereichen qualitativ hochwertigen Arbeit der Band aus New Hampshire ein ebenso gutes Konzert erwarten durfte, versuchte ich meinem aufgeregten Unterbewusstsein vorsichtig auszureden. Man will ja nicht enttäuscht werden.

Und das wurde man eigentlich auch nicht. Eine wirklich gute Band stand da auf der Bühne. Die beiden Sänger Matt & Trevor trafen die unglaublich hohen Töne, als wär’s das einfachste der Welt. Instrumental kam eine massive Wand daher, oftmals zwar mit Samples und Instrumenten ab Band unterstützt, aber was soll’s, fett muss es klingen. Die Auswahl der Songs war gut, inklusive “Radioactive”-Cover, Hits wie “White Tiger” und “Road To The Throne”, und das Publikum sang meistens lauter als die Band. Eigentlich unglaublich gut. Aber für meinen Geschmack war der ganze Auftritt zu abgeklärt, zu routiniert, zu aufgesetzt. Die ganze Gestik und Mimik, mit der Trevor seinen Texten und Gefühlen Ausdruck verlieh, erinnerten mich mehr an eine Choreografie der Backstreet Boys, inklusive ständiges Händchen abklatschen mit dazugehörigem Hundeblick. Klar, die Band zielt wohl eher auf Teenie-Mädels mit Jahrgang 2000 als auf Männer in der hinteren Hälfte der zwanziger. Und das macht sie, wenn man das Publikum betrachtet, richtig gut. Wie alles andere. Nur ist’s halt nicht wirklich bei mir angekommen.

Auf dem Nachhauseweg wunderte ich mich selber drüber, wie man eine so gute Band nicht wirklich gut finden kann. Wahrscheinlich werde ich am nächsten Konzert wieder anzutreffen sein, in der Hoffnung, einige Abschnitte dieses Berichts widerlegen zu können.

Foto: Graham Fielder