Friends Fest II – Interview mit Promethee

Vor ihrem Auftritt an der zweiten Ausgabe des Friends Fest durften wir den sympathischen Romands von Promethee ein paar Fragen stellen und erfuhren einiges Interessantes zum Röschtigraben, zur Wichtigkeit von Kontakten, vollgekotztem Allem und einigem mehr. Aber go, read it yourself!

Hallo zusammen! Könntet ihr euch und die Band zuerst kurz vorstellen?
Mathieu: Wir sind Promethee aus Genf, aktiv seit 2008, haben Konzerte in ganz Europa gespielt, haben bis jetzt zwei Full-Length und zwei EPs veröffentlicht und wurden kürzlich von Lifeforce gesigned. Und ja, ich bin Mathieu und spiele Bass.

Joshua: Ich bin Joshua und ich schreie ins Mikrofon.

Gleich zu Beginn: als Band aus der Romandie, bemerkt ihr sowas wie den Röschtigraben in der Szene?
Josh: Ein bisschen…

Matt: Definitiv! Wir hatten am Anfang das Glück – ich weiss gar nicht, wie genau -, aber wir hatten Kontakte in die Deutschschweiz, also konnten wir das überbrücken, aber später spürten wir es schon. Das Publikum ist auch ziemlich verschieden, also ist es nicht so einfach, über den Röschtigraben zu kommen.

Josh: Ich habe das Gefühl, das wir mehr getan haben als die meisten Bands aus der Romandie. Seit dem Start der Band haben wir geich begonnen, in der Deutschschweiz zu spielen, und das hat seither nicht aufgehört. Beziehungsweise in den letzten zwei Jahren gab’s ein bisschen weniger – wir haben aber immer noch die Kontakte und alles -, aber zum Beispiel vor zwei Wochen konnten wir am Greenfield spielen; das war die Chance um zu zeigen, dass wir noch da sind.

Was sind denn die Unterschiede im Publikum?
Matt: Naja, der Geschmack ist unterschiedlich, grob gesagt mögen die Romands eher Hardcore, oder nein, progressiv und anders klingende Sounds und die Deutschschweizer stehen eher auf dieses klassische Metalcore-Ding.

Josh: Ich würde sagen, die Deutschschweiz ist, insbesondere wie Musik vermarktet wird, mehr beinflusst vom UK und den USA und natürlich Deutschland, während wir in der Romandie unsere Einflüsse haben aus Frankreich, Italien, also mehr Doom, Post-Metal, Post-Rock, Post-Hardcore… sogar Stuff wie Grindcore findet man mehr in der Romandie.

Die Szene in der Schweiz ist ja nicht riesig, darum spielen oft Bands aus unterschiedlichen Subgenres zusammen. Ist das eher Bonus oder Malus?
Josh: Ich seh’s als plus. Ich meine, gerade heute Abend hast du Storyteller, die irgendwie Pop-Punk – ich kenne nicht alle Subgenres – mit einem Easycore-Vibe machen, dann Invoker, Melodic Hardcore, wir, die irgendwie überall im Hardcore sind (lacht) – wir werden jetzt einfach eine Metalband sein, das ist einfacher zu definieren – und schliesslich Wolf Down, die eine typische straight up angepisste politische Hardcore-Band sind; und das sind die Shows, die ich mag, weil da viel mehr verschiedene Menschen zusammenkommen. Sogar bei den grossen US-Tours geht es in diese Richtung, es geht mehr um die Einstellung, oder die Idee dahinter, anstatt die gleiche Band dreimal hintereinander spielen zu lassen.

Matt: Wir hatten das sehr stark bei der US-Tour vor ein paar Jahren, da hattest du vier Bands, die eigentlich alle genau gleich klangen vom Anfang bis zum Ende. Es ist ein bisschen hart, das so zu sagen, aber ich glaube, du verstehst das Relevante. Man hatte das Gefühl, den ganzen Abend die selbe Band zu hören, den selben Song sogar (lacht) und das ist eine gute Sache, dass diese Dinge ein wenig verschwinden. Es macht es interessanter für die Zuhörer und die Bands.

Wie seid ihr eigentlich dazu gekommen, einen Slot am Euroblast zu haben?
Matt: Glück und gutes Timing.

Josh: Und Kontakte. Letzten Sommer haben wir am UK-Tech-Fest gespielt, was … naja, die Tech-Metal-Welt ist eine sehr kleine Welt.

Matt: Jeder kennt jeden…

Josh: Es ist sehr … inzestuös (lacht). Ja, wirklich! Das ist gar nicht negativ gemeint! Alle diese Bands kennen einander, alle sind Freunde, es ist eine grosse Community und wir sind sehr glücklich, Teil davon zu sein. Obwohl wir jetzt nicht die technischste Band sind. Aber das beweist eigentlich nur, dass wir mit jeder Art Band spielen können und nie komplett aussen vor sind.

Die Deutschland-Tour im Herbst, ist die eigentlich gut verlaufen?
Matt: Es war eine grossartige Erfahrung; es war die erste richtige Tour in Deutschland und darum ein „First Time“ für uns. Und mit den Typen von More Than A Thousand und Hills Have Eyes war es super, die waren echt cool. Das Publikum war auch grossartig; wir spielten ausverkaufte Venues, fast jede Nacht, dank More Than A Thousand, das war sehr cool!

Josh: Es machte Spass. Und … wir waren – genremässig – die Outsiderband, wir sind uns nicht so gewohnt, die heavieste, kinda meanest Band zu sein. Ausserdem konnten wir wieder einmal vor einem eher jüngeren Publikum spielen. Diese Leute bringen immer eine Art Frischheit und Open-Mindness, was viele Bands vergessen, wenn sie sagen „Ah, diese Jungen, die hören nur das und das und ich verstehe das nicht und es klingt scheisse“. Sei vorurteilsfrei gegenüber diesen Leuten, denn sie sind diejenige, die neue Musik entdecken und dann finden, „oh, das klingt auch noch gut, und das auch“ und nicht stagnieren.

Wenn ihr jetzt die Chance hättet, alles auf die Musik zu setzen, konstant zu touren, würdet ihr das tun?
Matt: Ich denke, wir würden. Aber wir sind sehr weit entfernt davon; ich meine, Bands, die sehr viel grösser sind als wir, kämpfen, um davon leben zu können und müssen einen Dayjob haben und solche Sachen.

Josh: Es gehen auch viele Faktoren in die Überlegung mit ein, was für eine Art Band man sein will, was für eine Art Künstler. Zu Beginn sagst du „oh, fuck, ich will die ganze Zeit auf Tour, immer, immer, immer“, aber dann realisierst du, was das bedeutet, wieviel von deiner Zeit, deinem Leben da involviert ist, und dann muss man eine Balance finden als Band. Was kann man tun, um relevant zu bleiben, aktiv zu sein, ohne nonstop zu touren, deine Gesundheit zu zerstören, deine Beziehungen zu zerstören, dich selber zu zerstören. Das ist nicht immer einfach und wir sind immer noch daran, das auszubalancieren. Jetzt haben wir gerade begonnen, ein wenig mehr zu touren, im Sommer werden wir ein paar Festivals spielen, dann machen wir eine kurze Pause und dann geht’s ans Aufnehmen von unserem dritten Album.

Matt: Aber zur Frage: Wir würden es lieben, das zu tun, natürlich! Aber es ist schwierig. (lacht)

Du hast vom neuen Album gesprochen, gibt’s da schon Infos?
Matt: Wir können noch nichts Grosses sagen, wir sind da erst jetzt am Schreiben dran. Vielleicht das: Es wird härter, gemeiner, angepisster, vielleicht ein wenig langsamer. Ich denke, zu Beginn hatten wir ja sehr viele technische Elemente, das haben wir jetzt weniger, dafür mehr Groove. Aber eben, wir sind noch sehr am Anfang.

Josh: 80% der Riffs, die wir jetzt schreiben, werden wahrscheinlich nie auf dem Album sein. Aber ja, wir werden es sicher 2017 veröffentlichen, das könnte aber sowohl Januar als auch Dezember sein. Wir wollten einmal ein Album ziemlich zügig schreiben, aufnehmen und veröffentlichen, denn bis jetzt hat es ja immer ziemlich lange gedauert, das wollen wir nicht mehr. Aber ja, Unrest ist im November 2015 erschienen, wir müssen uns also langsam sputen – ohne jetzt negativen Druck auf zuns zu machen.

Matt: Wir haben dieses Mal ein bisschen eine andere Herangehensweise; bis jetzt war es eher so „oh, wir haben Shows, also arbeiten wir an einem Liveset und komponieren dann morgen“ und so hat sich dann alles ein bisschen vermischt und in die Länge gezogen. Wir haben ja zwei oder drei Jahre gebraucht, um Unrest zu schreiben und das merkt man auch, zum Teil klingen die Songs sehr unterschiedlich. Jetzt wollen wir uns aber wirklich einfach mal drei Monate Zeit geben, um nur zu komponieren.

Josh: Um mehr sowas wie eine Einheit zu haben.

Wenn ihr die Möglichkeit hättet, mit irgendeiner Band zu spielen, welche wäre das?
Matt: Gute Frage; das wechselt jede Woche. Ich meine, HEUTE, würde ich sagen, Architects und Gojira. Aber wenn du in einem Monat fragst, wäre die Antwort wohl eine andere.

Josh:  Auf einer Tour, ja, die Architects! Sie sind eine Band, mit der wir aufgewachsen sind, die wir über längere Zeit hörten und immer noch so eine Art fanboyen; they still … kill! Wir haben in den letzten Jahren ein paar Mal mit ihnen gespielt und es war jedes Mal awesome. Ich glaube, es wäre auch sehr lustig, mit ihnen zu touren. Und dann eben, Gojira, die mögen wir auch alle, sie sind grossartig, haben jetzt gerade ein neues Album und ja, es wäre schön, eine zweite französischsprachige Band auf Tour zu haben (beide lachen). Ausserdem die Frage: Die Leute fragen immer nach der idealen Show, aber ich spreche lieber über die ideale Tour, denn man muss irgendwie Zeit mit den Menschen verbringen. Bei einer Show kommt man da nie so richtig dazu.

Matt: Bei einzelnen Shows kommst du an, machst deinen Soundcheck, isst, spielst, und das war’s, du musst wieder gehen. Es ist wirklich eine ganz andere Energie auf Tour.

Und welche Bands haben euch denn so „zum Metal gebracht“? Ausserdem, was inspiriert euch heute? Zwischen der Self-Titled und Unrest besteht ja ein riesiger Unterschied.
Josh: Es ist nicht mehr die gleiche Band.

Matt: Ich persönlich begann erst relativ spät, Metal zu hören, so mit 17, 18, und dann hörte ich Metallica und Arch Enemy. Heute höre ich eher verschiedenes, das meiste ist wohl Non-Metal. Aber diese Einflüsse bringen dich dazu, dich weiterzuentwickeln, eben, von der Self-Titled zu Unrest ist es wirklich eine andere Welt; es sind halt viel mehr Dinge in unsere künstlerische Vision eingeflochten worden. Aber ich weiss, dass die anderen viel früher zum Metal gekommen sind, insbesondere Joshua.

Josh: Neeein, ich meine, ich höre … Ich bin mit Punk aufgewachsen; das 11 Jahre alte Ich hörte alten UK-Anarcho-Punk, und von da hat’s sich dann weiterentwickelt, ich kam zu verschiedenen Arten von Punk und entdeckte Hardcore.

Und jetzt bist du beim Progressive Metal?
Josh: Yeeeah, bei uns in der Romandie – weil wir nicht so gut sind mit Genrebezeichnungen – sagen wir einfach „C’est du hard“ (Matt lacht). Ich fühle mich jetzt alt, das zu sagen, aber das ist am einfachsten, auch für uns, wenn wir einfach sagen „On fait du hard!“. Und zur Self-Titled, die ja jetzt sechs Jahre her ist: Zum Glück ist Unrest komplett verschieden! Die ganze Idee davon, Musik zu machen, diese künstlerische Zusammenarbeit mit vier anderen Menschen, da will man sich doch weiterentwickeln, da will man etwas Anderes machen; sonst würde man immer den gleichen langweiligen alten Scheiss machen. ABER, ich denke, es gibt Bands – die ich liebe -, die dasselbe Album seit den letzten zehn Jahren machen und das ist grossartig, weil ich diese Art Bands liebe. Es kommt einfach darauf an, was man tun will künstlerisch.

Um das Ganze abzuschliessen: Erzählt mir doch von euren schlechtesten und besten Konzerten, die ihr bis jetzt hattet!
(beide lachen)

Josh: Mit Promethee?

Ja, ausser es gibt da sonst etwas wirklich Herausragendes, dann darfst du natürlich auch das erzählen.

Josh: Nein, eigentlich ist alles mit Promethee… (lacht)

Matt: Mein persönlich schlechtestes Konzert war in den frühen Jahren, 2009, und wir spielten in Lyon. Die ganze Organisation war ziemlich scheisse und die Bühne war so klein, wir waren wirklich die ganze Zeit aufeinander. Und er (zeigt auf Josh) hat meine Nase gebrochen: Erster Song, er macht eine Bewegung und ich stehe gerade hinter ihm; meine Nase war komplett gebrochen, ich wurde für einen Moment ohnmächtig. Jetzt ist es ziemlich lustig, darüber zu sprechen, aber in diesem Moment war es ziemlich schlecht (lacht).

Josh: Yeah, das war ziemlich schlecht (lacht).

Matt: Wir haben auch gute Erfahrungen.

Josh: Haben wir! Aber ja, mein Schlechtestes, ich weiss gar nicht mehr, wann das war, vielleicht vier oder fünf Jahre her, als ich … Ich hatte die schlechte Idee, eine Pizza zu essen (Matt sagt: „Oh, das!“ und beginnt zu lachen) und zwar sehr, sehr schnell und ca. eine halbe Stunde bevor wir spielten, und dann, gegen Ende der Show, mit der ganzen Hitze, dem Licht, dem Herumspringen, und ich hatte zuviel Wasser getrunken auf der Bühne, kotzte ich meinen gesamten Magen aus, vor der Bühne auf Leute, neben dem Schlagzeug, und dann Backstage, naja, hinter der Bühne musste man ein paar Treppen runtergehen und diese ganzen Treppen waren voll mit Kotze und kleinen Pizzastückchen. Meine Eltern waren da, es war ein bisschen seltsam.

Matt: Es war sehr lustig. Für uns, nicht für ihn.

Josh: Und das beste Konzert, hmm… Ich meine, es gab so viele, aber etwas, das wirklich hervorsticht: vor drei Jahren, glaube ich, in Bern mit Breakdown Of Sanity, die ihre Release-Show hatten, war es sehr speziell, weil nur wir zwei und eine Support-Band, alles Schweizer Bands, wir haben den Dachstock ausverkauft, sogar einen Tag vorher, mehr als 800 Menschen. Das war eines der ersten Male, mit unseren Kollegen von Breakdown, wo wir realisiert haben, „Ja, doch, es ist cool, was wir gemacht haben“. Man ist schon ein bisschen stolz, zusammen mit ihnen – wir haben ja praktisch um die selbe Zeit begonnen, haben viele Shows zusammen gespielt -, wenn man merkt „Fuck, wir haben gerade eine 800-Personen-Venue ausverkauft“. Und dann letzten Sommer, an der Fête de la Musique. Das ist ein Art Musikfestival, sehr französisch, bei dem man eine ganze Woche Konzerte hat in der ganzen Stadt, und in der Schweiz ist es in Genf auch sehr speziell. Eben in der ganzen Stadt, in Kirchen, Konzertlokalen, einfach überall, gibt es die ganze Zeit Konzerte und wir spielten da auf einer Bühne, die ein bisschen anders ist, als was wir uns gewohnt sind.

Matt: Es war keine Metal-Bühne; meistens haben wir da halt auf der Metal-Bühne gespielt – es gibt da verschiedene Genre-Bühnen und wir waren uns gewohnt, da zu spielen. Aber diese Szene hat uns nicht gebucht in diesem Jahr.

Josh: Weil wir viel zu viel dort gespielt hatten.

Matt: Eine andere Szene nahm uns dafür und das war wirklich interessant, ein anderes Publikum zu haben, an einem anderen Ort in der Stadt zu spielen; das war wirklich eine erinnernswerte Show.

Josh: Da passierte wirklich etwas an diesem Konzert, ob das jetzt etwas Spirituelles war oder etwas Anderes, wir hatten einfach wirklich eine Verbindung, insbesondere zwischen uns selbst. Das Publikum war super, aber vor allem untereinander… wir schufen etwas auf dieser Bühne und es war einfach wirklich awesome.

Matt: Es war wie dieser berühmte „Spark“.

Josh: Ich werde mich auf alle Fälle immer an dieses Konzert erinnern!

Schöner Schlusssatz um das Interview zu beenden! Danke vielmals für eure Zeit!