Montreux Jazz Festival 2016: The Animen im Interview

Auch am letzten Wochenende meines Einsatzes am Montreux Jazz Festival durfte ich wieder ein Interview führen – dieses Mal mit der Schweizer Band The Animen. Die vier Jungs bringen kratzigen Soul, 60s Pop und Rock’n’Roll zusammen und kreieren so ihren typisch groovigen Vintage-Sound. Nach unserem Gespräch und dem anschliessenden Konzert kann ich nun eindeutig sagen: So gefällt mir retro – und zwar sehr! Jetzt dürft Ihr aber zunächst im Interview mehr über die Band erfahren:

Als ich online über Euch am nachforschen war, hab ich gelesen, dass ihr offenbar ziemlich oft mit Mando Diao verglichen werdet. Wie sehr nervt Euch dieser Vergleich schon? Ich muss ja sagen, ich hör’ die Ähnlichkeit nicht raus, hätte jetzt eher an die Libertines gedacht…

Alle: Danke, danke, danke! Endlich!

Julien: Das hören wir um Einiges lieber!

Théo: Eigentlich ist das schon eine Weile her, nämlich als das erste Album rauskam. Ich glaube, das ist jetzt nicht mehr ganz so oft der Fall.

Mit wem würdet Ihr denn gerne verglichen werden?

Théo: Mit Julien (lacht). Nein also, die Libertines klingt sicher gut. Wir hören die Band effektiv oft, aber wir versuchen natürlich, unser eigenes Ding zu machen.

Ihr habt mal erzählt, dass ihr stark von der Musik der 60er beeinflusst seid. Was an der Musik der 60er ist es denn genau, das Euch beeinflusst?

Théo: Die Art, wie sie Musik machen. Sie hatten nicht viel Ausrüstung und die Studios waren auch nicht so fancy wie heute. Sie fokussierten sich einfach auf die Musik und das ist es auch, was wir wollen: Gute Songs schreiben, gute Texte schreiben und einfach eine richtige Band sein – keine bessere Maschine.

Ausserdem sind wir alle riesige Beatles-Fans. Und die Kinks lieben wir auch! Briten schreiben einfach wunderschöne Songs. Was jetzt nicht heissen soll, Amerikaner tun das nicht.

Ja, Amis sind dann eher besser im Produzieren, teilweise auch im Zerstören der Songs, nicht?

Théo: Ja das sind sie effektiv, jetzt wo du’s sagst (lacht). 

In einem früheren Interview, das ich von Euch las, hab ich gelesen, dass Ihr das Solo-Zeug von Jack White, das nach seiner Zeit bei den White Stripes kam, nicht sehr mögt, weil man die Blueswurzeln nicht mehr gut erkennen kann. Wie wichtig sind denn die ‚Blues Roots’ für Euch als Band?

Théo: Die sind eigentlich im Grunde genommen alles. Ich meine, dort kommt der Rock’n’Roll her. Sie sind also wirklich das Grundlegende. Ich meine, wir sagen nicht, dass wir old school Blues machen. Ich persönlich mag die White Stripes ja sehr – eben wegen ihrer Blueswurzeln. Bei ihren Klassikern war eben das so gut. Aber dann begannen sie ihre Solo-Karrieren, und da war’s dann eben leider nicht mehr so. Vielleicht auch weil er schon fast so etwas wie ein Geschäftsmann wurde anstatt weiterhin der Vollblutmusiker zu sein. Aber natürlich ist er immer noch ein unglaublicher Performer.

Ihr seid ja eine Schweizer Band. Ist die Schweiz genug für Euch? Die Möglichkeiten in unserer Musikszene sind ja nun doch etwas begrenzt.

Théo: Eigentlich fragen wir uns ja, ob die Welt genug für uns ist (lacht verschmitzt). Wir wollen natürlich grosse Ziele verfolgen. Bis jetzt hatten wir sehr viel Glück in der Schweiz. Ich glaube, es ist überall hart als Band und es ist einfach das 21. Jahrhundert, das es schwierig macht als Musiker. Wenn wir mit Bands aus Frankreich oder Deutschland sprechen, ist es bei denen genau gleich. Als wir begannen, dachten wir, wir als Schweizer Band hätten es umso schwieriger, gross rauszukommen. Aber auch in den Staaten, wo es tausende und abertausende anderer Musiker gibt, hat man dann einfach wieder das Problem der riesigen Konkurrenz.

Ihr seid ja aus Genf, also Carouge, wie sieht die Musikszene dort aus? Ist es eine lebendige Landschaft mit vielen verschiedenen Genres, die vertreten sind?

Julien: Sie ist nicht extrem gross, aber wir haben doch einige Musikerkollegen, die um uns rumschwirren.

Théo: Also eigentlich ist es ja ziemlich klein.

Julien: Ja schon, aber wenn man sie mit der Grösse der Stadt vergleicht ist sie definitiv respektabel.

Théo: Und es gibt auch viele gute Bands in der Region.

Was sind denn Eure Ziele für die Zukunft? Wenn Ihr Euch ja schon fragt, ob die Welt genug ist…

Théo: Das müssen wir rausfinden.

Julien: Also ich würde sagen unsere Ziele sind noch immer die selben wie am Anfang: Auf der Bühne stehen, Platten aufnehmen, Musik machen. Also wirklich einfach so viel auf Tour und auf Wegen sein, wie wir irgendwie können. 

Wie besonders ist es für Euch als Genfer Band, am Montreux Jazz Festival spielen zu dürfen? Was überwiegt, das Heimspiel-Gefühl oder der renommierte Name des Festivals, der Euch neben Legenden wie B.B. King einreiht?

Théo: Es ist sicherlich ein grosser Schritt für uns, an diesem weltbekannten Festival spielen zu dürfen. Viele Bands haben hier schon gespielt in den letzten 50 Jahren. Es ist definitiv etwas Spezielles – für mich auch sehr weil Neil Young erst gerade hier gespielt hat, und jetzt wir. Ich war am Dienstag an seinem Konzert, was einfach grossartig war.

Wie wichtig sind Euch Eure Schweizer Wurzeln als Band? Ich denke man darf schon sagen, dass Ihr gerade auf dem Weg nach oben seid… Werdet Ihr – hoffentlich einmal oben angekommen –stolz verkünden, dass Ihr eine Schweizer Band aus Genf seid oder ist Euch das nicht so wichtig? 

Julien: Also Teil des Traums, den ich für uns in 4 Jahren habe, ist sicherlich dazu zu stehen, wer wir sind und woher wir kommen. Warum sollten wir das auch abstreiten? Wir haben hier hart dafür gearbeitet, performen zu können und eine Band zu sein – also würden wir unsere Wurzeln sicherlich nicht unter den Teppich kehren.

Théo: Ja, wir sind eine Schweizer Band, und das ist auch gut so. Wir sind stolz darauf, woher wir kommen.

Euer nächstes Schweizer Konzert ist wieder mal in der Deutschschweiz, nämlich an den Musikfestwochen in Winterthur. Was darf ich unseren Lesern denn erzählen, was sie dort erwartet?

Théo: Some serious Rock’n’Roll!

Wer sich diesen also nicht entgehen lassen möchte, sollte sich den Mittwoch, 17. August freihalten. Denn dann spielen die vier sympathischen Romands auf der Bühne Steinberggasse an den Winterthurer Musikfestwochen.