Interview mit Biffy Clyro am Open Air Gampel 2016

Am Open Air Gampel trafen Jasmin und ich die beiden Zwillinge Ben und James von Biffy Clyro zum Interview. Die beiden hiessen uns in ihrem kleinen Artist Container herzlich willkommen und weil die Zeit knapp war, starteten wir sofort mit unseren Fragen:

Lasst uns über das neue Album sprechen. Was war das schlechteste und das beste Feedback, was ihr bisher bekommen hat?
James: Ich übernehme mal die negativen Resonanzen. Ich glaube, das schlimmste Feedback gibt es immer, wenn man als Band den Stil wechselt, weil man einen gewissen Fortschritt machen will. Das bedeutet, neue Elemente in die Aufnahmen zu bringen wie programmierte Drums, Synthesizer oder Sequenzer. Die Leute scheinen etwas Angst davor zu haben, solche Elemente von einer „Gitarrenband“ zu hören. Es frustriert sie auch, dass wir nicht mehr gleich klingen, wie auf dem letzten Album. Man kann es nicht allen recht machen und wir sind den Kritikern auch nicht böse. Manche Leute brauchen es auch einfach, etwas Negatives sofort online zu posten um sich intelligent und cool zu fühlen. Früher hat es uns aber mehr getroffen als heute.

Ben: Ja und das beste Feedback gab es von Menschen, die unsere Veränderung eben genau verstehen und nachvollziehen können, die es schätzen, dass wir uns weiterentwickeln wollen. Wenn man immer und immer wieder das gleiche spielt, sehe ich auch nicht, wie man das immer noch von Herzen und mit Passion tun kann. Manche Leute haben es verstanden, andere nicht und wir waren uns bewusst, dass es die Geister scheiden würde. Ein paar Leute werden uns vielleicht nicht mehr hören wollen, aber dafür werden uns neue Hörer entdecken.

James: Ja aber zu 99% fühlt sich das Feedback eigentlich positiv an. Menschen mögen es halt, online zu kritisieren, aber sollen sie doch, wenn es ihre Meinung ist.

Ich glaube das „schlimmste“, was ich gehört habe ist, dass ihr wie Backstreet Boys mit Gitarre klingt.
James und Ben brechen in Gelächter aus.
Ben: Oh, diesen Backstreet Boys Songs  möchte ich jetzt aber hören!

Das Cover wurde ja auch etwas kritisiert. Was meint ihr dazu?
James: Wir lieben das Cover und wir mochten die Idee von Simon sofort, als er es vorgeschlagen hat. Natürlich waren wir auch etwas “beängstigt”. Aber es soll ja nicht nur ein hübsches Bild darstellen. Es repräsentiert eine menschliche Ellipse und es soll den Titel des Album widerspiegeln. Es soll auch die Wiedergeburt zeigen, die wir als Band durchgemacht haben. Da zu liegen, nackt, in einer Fötustelung ist wirklich nicht sexy und auch nicht lustig. Es ist ernst gemeint und auch ein bisschen riskant – eine andere Band hätte sich vielleicht geweigert, sich vor der Kamera nackt auszuziehen.

Ja, wie lief denn das Shooting genau ab?
Ben:  Es war ziemlich angsteinflössend (lacht). Es sieht zwar so aus, als ob wir das Foto zusammen gemacht hätten, aber in Wirklichkeit wurden wir einzeln fotografiert. Zum Glück.

Da hattet ihr quasi mehr Privatsphäre?
James: Jein, da waren immer noch gut vier Leute um dich herum.

Ben: Einer hat mich immer angewiesen, wie ich denn genau liegen soll. Das eine Bein so, das andere da hin. Und wenn du so nackt daliegst fühlst du dich echt nicht cool dabei! Das war wirklich das uncoolste, was wir jemals gemacht haben (lacht)! James war mutig genug, während dem Shooting auf den Monitor zu schauen und das war irgendwie dann schon atemberaubend. Ich meine, wir sind Zwillinge und ich dachte, wir kennen uns in und auswendig, aber das war dann doch nochmal ein total neuer Blickwinkel (lacht)! Wir sind aber sehr zufrieden mit dem Resultat.

James: Das frühere Artwork war jeweils sehr illustrativ und wir wollten die jetzige Musik abbilden. Dieses Cover war wie die Finalisierung des Ganzen, neue Musik, neuer Produzent und ein neuer Weg.

Simon ging durch eine persönliche Krise, bevor dieses Album entstanden ist. Wie hat es euch als Band resp. als Freunde beinflusst?
James: Wir sind Männer von der schottischen Westküste. Wir reden nicht oft über unsere Gefühle. Unsere Kommunikation kann teilweise sehr spärlich sein. Wir zeigen unsere Gefühle nicht offen,  aber wir wissen, dass wir uns wirklich lieben – nach mehr als 20 Jahren, wo wir uns kennen, und wir sind immer füreinander da. Jeder von uns geht durch schwierige Phasen im Leben und wir hatten eine wirklich anstrengende Zeit. Zwei Jahre lang fast jeden Tag Shows oder sonst Verpflichtungen und dann kommst du nach Hause und hast keine Inspiration mehr für neue Songs. So erging es auf jeden Fall Simon. Ich glaube aber, dass das vielen Bands so geht. Wenn ich zurückschaue, war es auf jeden Fall nicht schön, aber irgendwie brauchte unsere Band es, sich neu zu finden und diese Wiedergeburt durchzumachen. Es war eine wichtige Reise und jetzt stehen wir hier, stärker als je zuvor. Diese sechs Monate in einem Haus in Los Angeles, nur wir, keine anderen Einflüsse, waren wirklich wichtig für uns. Ein paar der besten Erinnerungen an die Aufnahmen bestehen nur daraus, dass wir zusammen Zeit verbringen konnten – das war wirklich fantastisch.

Wir haben gerade mit Sum 41 gesprochen, die ja auch eine sehr schwere Zeit mit Deryck erlebt haben.
Ben: Ja, die haben auch sehr viel durchgemacht. Ich habe eben daran gedacht, als ich sie auf der Bühne gesehen habe. Ich freue mich, dass sie trotz allem wieder auf der Bühne stehen und weitermachen können. Ich kaufe ja jetzt nicht alle ihre Alben, aber man fühlt schon auch mit anderen Bands mit. Auch wenn man sie nicht persönlich kennt, man weiss, wie es ist, immer unterwegs zu sein und wie hart es sein kann. Wir wünschen ihnen auf jeden Fall alles Gute!

Was wollt ihr mit dem neuen Album erreichen?
James: Wir möchten auf jeden Fall neue Fans dazugewinnen können. Heute ist sicher eine gute Gelegenheit dazu, weil Leute da sind, die uns bestimmt noch nie gehört haben. Es ist auch aufregend zu wissen, dass es auch nach dem siebten Album noch Leute gibt, die uns nicht kennen. Wir kommen gerade aus Südkorea zurück und das war echt fantastisch! Keine Ahnung, ob wir das jemals wieder machen können. Im letzten Jahr waren wir in Südamerika und Russland.

Ben: Ja, so viele Länder gibt es gar nicht mehr, wo wir nicht schon gespielt haben. Aber dort wo wir noch nicht waren, möchten wir unbedingt noch hingehen. Es wäre toll, wenn wir so mit 70 Jahren überall gewesen wären. Ich weiss nicht, ob wir es wie Metallica schaffen werden, die konnten sogar am Nord- oder Südpol spielen. Aber wir werden unser Bestes geben.

Ihr seid ja keine politische Band. Glaubt ihr, dass die politischen Geschehnisse in Russland oder der Türkei einen Einfluss auf das Musikbusiness haben könnten?
James: Ich weiss nicht, inwiefern es das Musikbusiness betreffen wird. Ich denke, dass Bands darüber singen werden. Es verärgert die Menschen natürlich. So fest habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht.

Ben: Es könnte Einfluss auf das Touren haben, dass man nicht mehr überall hingehen kann. Gewisse Fans sehen es auch nicht gerne, dass wir an bestimmten Orten spielen. Wir spielten mal in Israel und das fand nicht bei allen Zustimmung, da es politisch nicht korrekt sei. Wie du bereits erwähnt hast, sind wir ja keine politische Band und wir spielen halt auch in kritischen Ländern, wenn die Fans uns dort sehen wollen. Wir versuchen die politischen Problematiken etwas auszublenden.

James: Ich meine, die Menschen in unserem Alter und mit unserer Gesinnung haben keinen Einfluss auf diese politischen Probleme, warum sollten wir denen unsere Musik vorenthalten? Sie können ja nichts dafür. Musik bringt die Menschen schliesslich zusammen. Wir sind nicht politisch und wir möchten da auch nicht abgestempelt werden, klar ist es schwierig, die Augen davor zu verschliessen. In Schottland und UK haben wir auch unsere Krisen momentan und das könnte die Zukunft auch schwieriger gestalten.

Wir sind ja hier im Wallis und hier isst man gerne Raclette. Mögt ihr es?
James: Ja, wir haben es schon vor Jahren mal versucht. Ich weiss nicht, ob es dort auch so Tradition hat, aber in Frankreich hatten wir es auch.

Ben: Ich glaube, das letzte Mal als wir hier waren haben wir definitiv zu viel davon gegessen! Wir hatten danach ein richtiges Käse-Koma! Nun vermeiden wir Raclette vor der Show, danach gönnen wir uns vielleicht eines. Es schmeckt echt gut, aber vor einer Show ist es echt keine gute Idee. Sonst seht ihr uns sitzend spielen…

So, und jetzt verlosen wir noch eine signierte “Ellipsis” CD! Schreibe uns eine E-Mail mit deiner Adresse und dem Betreff Ellipsis an info@rawk.ch. Ausgelost wird am 30. September 2016.