14.09.2016 – Kyle Gass Band bei 45° Celsius im Kofmehl

Bei unserer Ankunft in der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn stieg gleichzeitig auch Kyle Gass aus seinem Taxi. Gelbes ärmelloses T-Shirt mit tiefem Armausschnitt und dem Aufdruck „This Guy Loves The Lakers“, kurze Hosen und weisse Socken in Sandalen. What a style! Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob er hinter dem Taxi heimlich in den Rasen pinkelt… aber nein, er genoss nur die nicht vorhanden Aussicht.

An der Kasse stand er dann direkt neben uns und musterte unsere liebe Freundin Steffi. Blondes Haar, rote Lippen und Victoria’s Secret Figur. Ja, da muss man einfach hinschauen. Und das sollte auch nicht das letzte Mal gewesen sein an diesem Abend.

Die Raumbar war gut gefüllt und es war schon vor der Show gefühlte 30 Grad warm. Das Konzert wurde ja kurzerhand von der Halle in die kleinere Kofmehl-Location verlegt, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Kurz nach acht betrat die donnernde Herde der Kyle Gass Band die Bühne. Die Band fragte sich erstmal, wie wir denn überhaupt alle in diesen kleinen Raum passen würden und nahm die steigende Hitze zur Kenntnis. Gemeckert wurde aber überhaupt nicht und man rockte los, was das Zeug hält.

Ich muss eingestehen, dass die neue Platte “Thundering Herd” zwar gut ist, aber meiner Meinung nach nicht unbedingt an das alte Werk namens “Kyle Gass Band” rankommt. Vielleicht weil es ein bisschen zu ähnlich ist. Live ist das aber eine ganz andere Geschichte! Was diese Herren hier abliefern, ist Unterhaltung pur und die alten und neuen Songs beissen wie ein Zahnrad ineinander.

Schon alleine die riesen Palette an (teils beängstigenden) Gesichtsausdrücken von Kyle fesselt den Zuschauer. Und man weiss nicht recht, ob er das wirklich absichtlich macht.  Wahrscheinlich schon, denn spätestens wenn er seine Blockflöte vor dem Flöten-Solo wie den heiligen Gral mit beiden Händen Richtung Himmel streckt, versteht man, wie sehr er die Rolle als Entertainer liebt und lebt.

A p(r)opos Hände Richtung Himmel strecken: Unsere liebe Steffi musste im Auftrag von Mr. Gass himself von der Bühne bis zum Mischpult Crowdsurfen. Das erfreute natürlich das vorwiegend männliche Publikum. Zum Dank bekam sie ein Wässerchen zur Erfrischung und später noch die Setliste als Erinnerung. Ein schöner Moment.

Das Beste des ganzen Abends war aber definitiv die Band als Ganzes. Unglaublich, wie die Gitarristen Mike und John ihre Instrumente beherrschen, sich in Solo-Duellen herausfordern und nebenbei noch dermassen gut Singen. Und auch die Rhythmus-Sektion überzeugte ohne Kompromisse. Ein Rock-Brett der Extraklasse.

Foto: kofmehl.net