Jimmy Eat World – Integrity Blues

Zu Jimmy Eat World habe ich eine ganz besondere Bindung, sie ist quasi eine Herzensangelegenheit. Zum ersten Mal gehört im Jahr 2001, kurz nach 9/11. Meine Freunde aus Amerika besuchten uns für einen Monat und mussten aufgrund der Anschläge in New York ihren Flug verschieben. Mit im Gepäck hatten sie das Album “Bleed American”. Bekanntlich kam dieser Albumtitel nicht mehr gut an nach den Vorfällen in New York. Ich war aber nach dem ersten Song hin und weg. Klar mussten danach auch alle Vorgängeralben her und hey, vor 15 Jahren war das gar nicht so einfach!

Nun aber zum neunten Album, Integrity Blues, der Herren aus Arizona. Im Vorfeld haben sie sich die Frage gestellt: Warum ein weiteres Album? Die Antwort darauf ist mir ehrlich gesagt egal, Hauptsache sie machen neue Musik, bis wir zusammen alt und grau sind.

“You With Me” fängt eher verhalten an. Uns begrüsst eine schöne Melodie mit einem etwas schüchternen Refrain. Es lässt aber erahnen, was noch alles kommen könnte. Jims Stimme berührt wie immer schon von Beginn weg. “Sure And Certain”, ein klassischer, melancholischer JEW Song, der sofort im Gehörgang hängen bleibt. Ja, und dann “It matters”, der ohne Umwege den Weg in mein Herz findet. Hach, Jims Stimme vermittelt mir diese Melancholie, die nicht schmerzt, aber mich tief berührt – ich könnte ihr ewig lauschen und ein Tränchen verdrücken. „Pretty Grinds“ versprüht etwas Düsteres und die gewisse Zurückhaltung steht dem Song gut. „Pass The Baby“ startet mit wummerndem Bass, anfangs fast nur durch Jims Stimme getragen, geht über in eine sanfte Melodie und präsentiert zum Schluss ein fulminantes Riff-Finale. Das gefällt mir.

Bei „Get Right“ bekommen wir energiegeladenen Alternative-Rock vom Feinsten um die Ohren gehauen, inklusive einer schönen Portion Atmosphäre. „Your Are Free“, ein wiederum melancholischer, aber leichtfüssiger Popsong mit schönen Pianoeinsätzen. „The End Is Beautiful“ lässt mich komischerweise kalt, auch wenn die Lyrics eigentlich wunderschön sind. Bei „Through“ können wir dann wieder etwas mitrocken, bevor es mit dem Titelsong „Integrity Blues“ definitiv ruhig wird. Jim wird von einem klassischen Ensemble begleitet, also neue, experimentelle Klänge von JEW. Ich persönlich finde es durchaus interessant. Der Abschluss macht „Pol Roger“ wiederum mit wunderschönem Text. Der Song lässt mit melodischem Optimismus das Album ganz wunderbar ausklingen.

Jimmy Eat World liefern mit „Integrity Blues“ einen Soundtrack für meinen Herbst. Melancholie, wunderbare Texte, schöne Melodien, ausreichend Rock und Jims Stimme. Wurden meine Erwartungen an das gute Stück erfüllt? Ich hatte keine. Ich habe mich überraschen lassen und wurde nicht enttäuscht. Klar, „Bleed American“ wird immer mein Lieblingsalbum sein, aber wir sind fast 16 Jahre älter. JEW haben mit Produzent Justin Meldal-Johnson Neues ausprobiert und Bewährtes beibehalten. Und ja, es sind erwachsene Männer, die keinen College-Rock mehr produzieren müssen. Ich höre hier Musik mit Tiefgang und Entwicklung und das fühlt sich gut an. Diese Band hat einen Platz in meinem Herzen und ich freue mich unglaublich fest auf die Show im November im Luzern!

jewcover

VÖ 21.10.2016 / Dine Alone Records

You With Me
Sure And Certain
It Matters
Pretty Grids
Pass The Baby
Get Right
You Are Free
The End Is Beautiful
Through
Integrity Blues
Pol Roger