Das grosse Scream Your Name Interview

Erfahrt alle Details über das neue Album “Face To Face”

Letzen Donnerstag, einen Tag vor der Veröffentlichung ihres Neuen Albums „Face To Face“ trafen wir Scream Your Name in ihren eigenen vier Wänden zum grossen Interview. Die vier Jungs nahmen sich viel Zeit für unsere Fragen – dementsprechend detailliert ist unser Interview ausgefallen. Nehmt euch etwas Zeit, um alle Details über den Entstehungsprozess des Albums zu erfahren. Es lohnt sich!

Morgen ist es endlich soweit: „Face to Face“ ist offiziell auf dem Markt erhältlich. Wie fühlt sich das an?
Micha: Der 24. Oktober kam jetzt schneller, als es mir lieb war. Wir haben so lange auf dieses Datum hingearbeitet, doch die letzten Tage gingen im Nu vorbei. Das Album ist ja schon eine Weile fertiggestellt und ich fand das Gefühl fast krasser zum Zeitpunkt, als die ersten Mixes zurückkamen. Ich konnte es jeweils kaum erwarten, sie zu hören. Das ist mein persönliches Empfinden.

Miguel: Ich bin generell einmal froh, dass wir diesen Teil abschliessen können. Wie Micha gesagt hat, ist das Album selbst schon eine Weile fertig, auch wenn es gegen aussen nicht den Anschein macht. Seit diesem Zeitpunkt haben wir uns bereits mit den nächsten Schritten intensiv beschäftigt. Deshalb ist dieser Augenblick etwas unwirklich.

Stefan: Mir geht es wie den anderen. Wir denken schon voraus und das Release Datum wurde ja bereits zu einem früheren Zeitpunkt gesetzt.

Miguel: Genau, das Release Datum wurde im Februar festgelegt. Wir haben unseren ganzen Zeitplan darauf ausgerichtet und auch das Datum eigenständig festgesetzt. Da hat uns auch niemand reingeredet. Das Management war anfangs nicht ganz so begeistert  – wie auch immer, schlussendlich hat es hingehauen. Ich meine, im Februar hatten wir keine Ahnung, ob wir es effektiv auf den 24. Oktober schaffen würden.

Stefan: Als wir den Video Teaser für das neue Album gemacht haben, hatten wir noch nicht einmal den letzten Song im Kasten.

Micha: Wir waren ja wirklich nicht die Schnellsten in dem ganzen Prozess, aber schlussendlich haben wir alles in kürzerer Zeit geschafft, als erwartet.

Miguel: Wenn man bedenkt, dass wir alles selber produziert haben und damit erst im Januar/Februar 2014 angefangen haben, hat es ganz wunderbar funktioniert.

So ein Album schüttelt man ja nicht einfach so aus dem Ärmel. Wie lange habt ihr daran gearbeitet?

Miguel: Das sind ziemlich genau eineinhalb Jahre. Im Januar/Februar 2013 hatten wir bereits den Song „(Un)expected Ending“. Anschliessend dauerte es noch einmal ein Jahr bis wir die Songs hatten und mit der eigentlichen, finalen Produktion angefangen haben. Und dieser Prozess dauerte dann noch einmal rund sechs Monate.

Stefan: Im Februar 2013 wurde das erste Album nochmals veröffentlicht.

Miguel: Genau und etwa zur gleichen Zeit haben wir angefangen, die neuen Songs zu schreiben.

Wie sieht euer Prozess beim Songwriting aus? Kommt zuerst der Text oder die Musik?

Manu: Wir beginnen immer zuerst mit der Musik, der Text kommt später dazu. Den umgekehrten Fall hat es bei uns noch nie gegeben.

Miguel: Wenn wir uns nicht auf wichtige Konzerte vorbereiten mussten, widmeten wir uns explizit zwei bis drei Mal pro Woche dem Songwriting. Das war dann nicht eine Bandprobe, sondern nur Songwriting. Bei vielen Samples und Vorproduktionen hatten Micha und Manu den Lead. Ich habe einen grossen Teil der Texte geschrieben und schlussendlich haben wir uns alle ergänzt bei der Finalisierung. Jeder Song entstand durch uns alle zusammen.

Micha: Jeder von uns hat zu jedem Song seinen Input gegeben.

Miguel: Auch wenn jeder seine eigenen Bereiche in diesem Prozess hatte, flossen die Inputs aller Bandmitglieder mit hinein. Die Einflüsse und die Inspirationen für dieses Album sind sicherlich vielseitiger, als beim letzten Album.

Stefan: Der grosse Unterschied zum Album „Be A Part Of It“, war der Umstand, dass wir die Songs nicht mehr aus dem Jammen heraus geschrieben haben. Wenn ein Gitarren Part fertig war, hat man sofort den Drum Part darübergelegt. Wir merkten recht schnell, dass wir so wesentlich effizienter zum Ziel kommen können.

Miguel: Wir haben die Songs effektiv zum ersten Mal live gespielt, als das Album fertig war.

Micha: Für einige Songs hatten wir sogar diverse Versionen des Refrains und der Gesangsmelodie. Schlussendlich mussten wir uns entscheiden, welche Version auf die Platte soll.

Stefan: Die Entscheidung war oft gar nicht so einfach, da es häufig zwei gegen zwei stand.

Manu: Zum Teil gab es Songs, bei denen wir fast zwei verschiedene Refrains genommen hätten.

Stefan: Aber ja, sobald es drei zu eins war, war die Entscheidung eh klar.

Da wäre ein fünftes Bandmitglied von Vorteil, oder?
Stefan: Ja im Prinzip haben wir das ja: Räffu!

Räffu: Klar, ich höre mir das immer an und gebe meinen Senf dazu.

Micha: Wenn Räffu dann meint „yeah huere easy“, dann wissen wir, dass es gut ist! (alle lachen)

Könntet ihr euch überhaupt noch vorstellen, beim Jammen neue Songs zu schreiben?
Manu: Wir haben das natürlich auch wieder versucht. Aber häufig gab es da Abende, an denen wir uns zusammengesetzt haben und es schlussendlich eine reine Zeitverschwendung war, da zum Beispiel die Inspiration gerade fehlte.

Micha: Natürlich kann auch bei dieser Art von Produktion einiges schief gehen. Da gibt es auch Momente, wo du etwas aufnimmst und dann bist du nicht glücklich darüber.

Stefan: Ja schon, aber dann lässt du es eine Nacht ruhen, schläfst darüber und am nächsten Morgen gefällt es dir wieder. Das ist uns beim einen Song mit den Stimmen so ergangen. Micha und ich hassten die einen Aufnahmen, die anderen hörten sich das ganze am nächsten Tag an und fanden es super.

Micha: An einem Punkt hassten wir die Vocals bei „The Last Call“. Wir haben sogar darüber diskutiert, ob ich diesen Part singen soll (…).

Miguel: Ja, aber jetzt finden wir sie super und fühlen es auch. Manchmal sind es die kleinen Details, die den grossen Unterschied ausmachen können. Beispielsweise bei „The Blue House“. Wir liessen es 5bpms schneller laufen und es war plötzlich perfekt. Zuerst hat uns der Song überhaupt nicht gepackt, er hatte nicht den nötigen Flow. Das ist ein riesen Vorteil, wenn du so aufnimmst. Es gibt dir so viel Flexibilität und kleinste Veränderungen können sehr viel ausmachen.

Ihr habt ja erwähnt, dass der ganze Prozess für das Album rund eineinhalb Jahre in Anspruch nahm. Was für Höhen und Tiefen habt ihr während der Produktion erlebt?
Micha: Ich selbst empfand den Start als sehr harzig. Manu hatte schon 2012, 2013 teilweise fast komplette Songs geschrieben, aber wirklich fühlen konnten wir diese noch nicht. Schlussendlich haben wir aber sehr viele Elemente fürs Album daraus entnommen. Bis wir jedoch wirklich den Flow gefunden hatten, dauerte es eine Weile. Es war, ehrlich gesagt, ziemlich anstrengend.

Miguel: Ich glaube es kam auch daher, dass wir dieses Album zum ersten Mal auf diese Art und Weise produziert haben.

Stefan: Die Schwierigkeit war dabei vor allem, dass wir nicht wussten, ob wir diese Songs denn auch wirklich spielen, respektive fühlen können. Es ist wirklich nicht das Gleiche, wenn man die Songs das erste Mal live spielt, wenn im Prinzip schon alles im Kasten ist.

Manu: Auf dem alten Album hatten wir nur 24/7 auf diese Weise aufgenommen. Die anderen Songs hatten wir schon oft live gespielt, bevor wir sie aufnahmen. Ich fand, der härteste Teil war das effektive Fertigstellen der Songs.

Micha: Genau, das dauerte dann nochmals zirka zwei bis drei Monate. Wir haben jeden Song auseinander genommen und erstellten Listen mit Punkten, die wir ändern wollten. Die Schwierigkeit war, welche Kompromisse können wir eingehen, was ist wichtig und wo verlieren wir nur Zeit. In dieser Phase strichen wir schlussendlich auch drei oder vier Songs, die an sich fertig waren.

Ihr habt das Album hier in eurem Haus in Eigenregie aufgenommen.  Welche Gründe haben euch dazu bewogen? Was sprach gegen ein externes Studio?
Miguel: Das war im Endeffekt wirklich ein Zufall. Zu Beginn wollten wir unbedingt wieder in die Prinical  Studios nach Deutschland, wo wir das erste Album aufgenommen hatten. Wir mochten das Studiofeeling, du wohnst ja praktisch in den Studios während den Aufnahmen.

Micha: Du fühlst dich wie ein richtiger Musiker! (lacht)

Miguel: Schlussendlich waren wir aber vom Sound her nicht mehr überzeugt und wussten, dass wir nicht mehr nach Deutschland gehen würden. Also haben wir verschiedene Schweizer Studios angeschaut, bis wir uns schlussendlich entschieden, in den Vetterli Studios aufzunehmen. Unsere ganze Budgetplanung wurde prinzipiell bereits darauf ausgelegt.
Bevor wir in die USA an die  Musexpo flogen, benötigten wir dringend einen neuen Song. Sie sagten uns dort, dass sie das alte Material bereits kennen und  sie etwas Neues hören wollen. Also haben wir hier im Haus etwas aufgenommen, aber wirklich nur eine Pre-Pre-Produktion und wir schickten sie Oly von Breakdown Of Sanity, um sie zu mixen, damit wir wenigstens etwas hatten. Als wir den Mix hörten, wussten wir: Das ist es!

Stefan: Vetterli hat einen anderen Song für uns gemacht und so hatten wir die Vergleichsmöglichkeit. Wir mochten die Art und Weise von Oly.

Miguel: Wir haben diese beiden Aufnahmen auch an die Studioleute in Deutschland gesandt, um externe Meinungen einzuholen. Schlussendlich mussten wir einsehen, dass die eigene Intuition doch die Richtige ist.

Micha: Wir haben festgestellt, dass es nicht wichtig ist, was andere dazu sagen – schlussendlich müssen wir es mögen und dahinterstehen.

Stefan: Die Entscheidung hier war aber wieder zwei gegen zwei. Manu und Miguel wollten erst unbedingt in einem externen Studio aufnehmen. Micha und ich fragten uns aber: Warum? Wenn es doch gut klingt, warum sonst wo hingehen?

Ging es auch darum, sagen zu können: Wir haben im selben Studio wie bspw. Eluveitie oder andere Bands aufgenommen?
Manu: Nein, darum ging es überhaupt nicht.

Stefan: Na ja, vielleicht dachten wir früher, die Referenzen könnten von Vorteil sein, aber schlussendlich interessiert das eigentlich niemanden.

Wir glauben, es ist unter dem Strich für die Menschen interessanter, wenn du sagen kannst: wir haben es selber aufgenommen und produziert.

Miguel: Genau, und an dem Punkt wo wir jetzt sind, sind wir auch wirklich glücklich darüber.

Stefan: Die Eigenproduktion wird auch in diversen Reviews positiv erwähnt.

Miguel: Schlussendlich ging es ja um den Sound, den wir mochten – und es klang nach uns, wer wir sind. Ein anderer Grund war sicherlich auch, dass es extrem praktisch war. Wir kennen Oly sehr gut und wir arbeiten mit demselben Sequenzer. Ich konnte ihm nur das Projekt senden, er konnte daran arbeiten und es mir prompt wieder retournieren. Oder man konnte sich kurz sehen. Wir sind auf der gleichen Wellenlänge. Er wusste von Anfang an genau, wie wir klingen wollen, ohne dass wir viel erklären mussten. Das wäre in einem externen Studio viel aufwendiger gewesen. Es hat einfach wunderbar harmoniert und jetzt ist es ein Bonus, dass wir in den eigenen vier Wänden aufnehmen konnten.

Manu: Meine Bedenken kamen daher, dass ich dachte, dass wir nicht fähig sein würden, es selber zu produzieren.

Miguel: Wir haben aber auch unglaublich viel gelernt während diesen Aufnahmen.

Manu: Bei der ersten Platte benötigten wir noch so viel Hilfestellung und Input.

Micha: Genau, wir hatten schlicht keine Ahnung.

Stefan: Seither sind ja auch vier Jahre vergangen.

Miguel: Mit der heutigen Technik ist es viel einfacher geworden. Klar, es hat uns auch so hunderte von Stunden gekostet. Aber wir wohnen hier zusammen und man kann nur kurz runter in den Bandraum gehen und loslegen. Auch wenn du nur zwei Stunden etwas machst, bist du viel produktiver. Früher mussten wir jeweils eine halbe Stunde hin und wieder zurück fahren, um überhaupt in den Bandraum zu kommen. Dann hatte einer einen schlechten Tag oder Equipment vergessen und die Mühe war umsonst.
In einem externen Studio hast du auch viel mehr Druck. Du musst genau in diesem einen Moment abliefern und somit ist der Stresslevel viel höher – mental musst du dich ganz anders darauf vorbereiten. Du kannst dann nicht schnell 800 Kilometer in und her fahren, da fehlt das Geld und die Zeit. Der heikelste Part sind ja immer die Vocals. Wenn Stefan und Micha einen schlechten Tag haben, dann verschiebt man es auf den nächsten Tag und macht halt etwas anderes. Das ist sicher auch der Grund, weshalb es musikalisch von Anfang an viel besser war als beim ersten Album, weil wir so mehr Zeit hatten. Wenn man dieses Wissen hat, dann hört man das auch heraus.

Ein kleiner Einblick ins Heimstudio.

Wenn wir schon über Druck sprechen: Wie sehr hat das Label euch Druck gemacht, ein neues Album zu produzieren?
Micha: Es kam irgendwann schon der Punkt, an dem es hiess, ein neues Album wäre jetzt angebracht.

Manu: Ja, aber wenn wir gesagt hätten, wir möchten nochmals zwei Jahre warten, wäre das auch in Ordnung gewesen. Aber wir waren alle der Meinung, dass es absolut Sinn macht, in diesem Herbst etwas Neues zu veröffentlichen.

Miguel: Darüber gab es auch keine Diskussion. Wir haben eine wirklich gute Zusammenarbeit mit dem Label. Manche Entscheidungen überlassen sie vollumfänglich uns, andere überlassen wir ihnen. Wir kennen unser Genre, sie kennen ihr Business. Da vertrauen wir uns gegenseitig und es ist ein Geben und Nehmen.

Was steckt hinter dem Titel „Face To Face“?
Manu: Es sind im Prinzip die Emotionen, die wir während der Produktion durchlebt hatten. Im Zuge der Arbeiten lernten wir uns wirklich noch einmal besser kennen. Es brauchte ziemlich viel Überwindung, dieses Album zu produzieren, da wir eben keinen Producer im Rücken hatten, der uns vorantrieb. Das mussten wir selbst tun und dabei kamen von allen Gesichter an den Tag, die uns vorher noch nicht so bewusst waren. Man lernt sich selbst und die anderen richtig gut kennen.

Miguel: Die Texte handeln auch alle von diesem Thema. Schlussendlich haben wir ungewollt schon fast ein Konzeptalbum auf die Beine gestellt. Sämtliche Songs handeln eigentlich vom Gleichen, was jedoch nie der Plan gewesen war. Dieser Umstand ist rückwirkend mehr darauf zurück zu führen, dass sich während der Songwriting Phase alle mit denselben Problemen befasst hatten.  In den meisten Titeln geht es deshalb auch um Themen wie Konfrontation, Zeitdruck oder Beziehungen neben der Band.

Manu: Auch das Cover zeigt diesen Prozess. An einem gewissen Punkt kommt eine böse Facette von dir zum Vorschein – oder schlicht dein wahres Gesicht.

Was ist euer persönlicher Lieblingssong auf der Platte?

Stefan: Ich hab ein paar die ich mag, aber keinen Favoriten.

Micha: Bei mir war es so, dass ich eigentlich immer den Song am besten fand, die wir  gerade fertiggeschrieben hatten. Mittlerweile habe ich mich aber schon so an die Songs gewöhnt, dass auf der CD für mich selbst keiner mehr als absoluter Favorit bezeichnet werden kann.

Miguel: Für mich ist es wahrscheinlich „With Or Without You“, dies jedoch auch weil ich ihn am liebsten spiele. Grundsätzlich ist es jedoch schwierig diese Frage eindeutig zu beantworten, da es schon einen riesen Unterschied macht, ob man es aus der passiven Sicht als Hörer oder aus der aktiven Sicht als Musiker betrachtet. Je nach dem ist die Aufmerksamkeit auf ganz unterschiedliche Details gerichtet.

Manu: Ich mochte jeweils jenen Song am meisten, der gerade frisch aus dem Mixing kam. In der Vorproduktion war es schwierig, sich ein genaues Bild über den Song zu machen, da die Qualität ganz einfach auf einem anderen Niveau war.

Micha: Wenn es ums Spielen geht, finde ich „The Last Call“ richtig gut. Aber beim Hören des Albums habe ich keinen Favoriten.

Stefan: Eigentlich interessant, da wir diesen Song um ein Haar von der Platte genommen hätten.

In den Reviews kommt „The Blue House“ richtig gut an.
Stefan: Stimmt, weshalb wissen wir aber nicht so genau.

Miguel: Dieser Song war ja am Anfang nicht ganz so schnell, wie schon erwähnt.

Stefan: Der Song handelt von einem Freund, der leider verstorben ist. Eigentlich wollten wir einen langsamen Song auf Grund des traurigen Hintergrunds. Aber dann mussten wir einsehen, dass es keinen Sinn macht, den Song langsam zu halten und er dadurch nicht richtig rüber kam.
Mit dem neuen Album erscheint auch euer zweiter Videoclip in der Bandgeschichte. Erzählt uns von den Dreharbeiten.

Micha: Wir haben uns am Vortag des Drehs auf den Weg ins Wallis gemacht, wo wir um Mitternacht im Hotelzimmer ankamen. Es war eiskalt – im Hotelzimmer fast noch kälter als draussen.  Um 5 Uhr waren wir bereits wieder auf und begaben uns zum Drehort, wo wir mit dem Aufbau von heizbaren Zelten, dem Einrichten der Notstromaggregate und den Vorbereitungen fürs Frühstück begannen. Bei Sonnenaufgang gingen wir wieder zurück, um die Filmcrew abzuholen, die noch etwas länger das warme Bett genoss. Anschliessend, wieder auf dem Berg, bauten wir das Schlagzeug auf und begannen wenig später mit den frontalen Setup Aufnahmen der Band. Währenddessen holte ein Freund den Helikopter bei der Basis ab, so dass wir ziemlich zügig mit den Luftaufnahmen beginnen konnten. Aufgrund der wechselhaften Wettersituation war das Zeitfenster nicht gross, um die Luftaufnahmen zu filmen.  Anyway, die Crew und der Helikopter drehten ein paar Runden um den Drehort und filmten uns beim Performen, was überaus anstrengend war. Damit die Emotionen auf dem Video auch wirklich sichtbar sind, muss man extrem übertreiben, was schon alleine viel Energie benötigte. Erschwerend kam hinzu, dass der Drehort gut 2500 Meter über Meer lag, weshalb es mir zeitweise wirklich schwarz vor Augen wurde.

Miguel: Wir haben die Dreharbeiten in den 2 Monaten vor dem Drehtag minutiös geplant, weshalb der Dreh glücklicherweise reibungslos über die Bühne ging. Einzig und allein die Höhe, die dünne Luft und die Kälte hatten wir nicht eingerechnet, weshalb wir, wie Micha schon erwähnt hatte, alle an unsere Leistungsgrenzen gelangten. Wir sind jedoch nur an den Perfomance-Parts als Darsteller im Video beteiligt, sämtliche Storyszenen werden von der österreichischen Videofirma nach unserem Drehbuch abgedreht.

Nach welchen Aspekten habt ihr die Location ausgesucht? Wie habt ihr sie schlussendlich gefunden?

Miguel: Ursprünglich wollten wir das Video am Creux du Van drehen. Aufgrund des 20 minütigen Anflugs, mussten wir diesen Ort kostenhalber verwerfen. Glücklicherweise wusste unser Helikopterpilot noch weitere interessante Orte. Von Berufskollegen wusste er, dass es im Wallis ein Spot gibt, der für einen Videodreh bestens geeignet ist. Nach einer Besichtigung war klar, dass dieser Ort um einiges besser zu unseren Vorstellungen passt. Zudem befindet sich die Helikopterbasis nur fünf Flugminuten davon entfernt. So konnten wir auch die Drehkosten im Zaum halten.

Bald ist es so weit und ihr tauft euer Album „Face To Face“ im Dachstock.  Es wird das erste Mal sein, dass ihr die Songs live performt. Wie bereitet ihr euch darauf vor und wie nervös seid ihr?
Manu: Üben, üben und nochmals üben.

Miguel: Wir üben jetzt drei bis vier Mal pro Woche. Letzte Woche haben wir auch in der Kufa Lyss eine Art Hauptprobe durchgeführt, damit wir die Samples und Lautstärken entsprechend einstellen konnten. Wir können dort jederzeit nochmals üben, wenn gerade kein Event ansteht.

Wie flexibel seid ihr während den Gigs?
Miguel: Ehrlich gesagt geht die Flexibilität Richtung Null. Mit der neuen Show sind auch mehr Samples dazugekommen, welche sich nur wirkungsvoll ins Konzert einfügen, wenn alles exakt aufeinander abgestimmt ist.

Manu: Zwischen den Songs sind wir aber schon noch flexibel. (lacht)

Stefan: Das ist der Grund, warum wir vor den Shows gewöhnlich ziemlich nervös sind, denn sollten die Samples aus irgendeinem Grund nicht funktionieren, sind wir aufgeschmissen.

Miguel: Mittlerweile haben wir genug Erfahrung gesammelt, um mit Pannen umzugehen. Wir haben uns zwischenzeitlich so eingerichtet, dass wir stets Backup Systeme dabei haben. Das Spielen ist für mich nicht der grosse Stressfaktor. Das klappt immer irgendwie. Kritisch wird es wenn die Technik zickt. Es ist nicht einfach, dass bei dunklen Lichtverhältnissen und Nervosität wieder in Ordnung zu bringen.

Micha: Tricky wird es auch wenn die Leute nach dem eigentlichen Set noch eine weitere, ungeplante Zugabe wünschen, da müssen wir ganz ehrlich zugestehen, dass wir keine spielen könnten.

Stefan: Jetzt klingt es so, als wären wir eine Playbackband. (Gelächter)

Manu: Ich fühle mich einfach auch wohler, wenn ich genau weiss, was wo kommt und alles genau aufs Klick abgestimmt ist. Ich bin nicht der Fan, von Shows, bei denen während drei Refrains ein Schlagzeugsolo gespielt wird oder was weiss ich. Ich mag es lieber, wenn die Band mit ihren Songs nicht zu krass von der Studioversion abdriftet.

Miguel: Uns ist die Gratwanderung zwischen rigoros durchgetimten Gigs und Spontanität ganz klar bewusst. Das ist auch ein Aspekt, an dem wir immer dran bleiben müssen. Im Endeffekt empfinden wir es aber professioneller, wenn die Show durchgeplant ist und die Übergänge sitzen.

Ja, das Interview war intensiv!

Mit Breakdown of Sanity und All Faces Down habt ihr zwei erstklassige Bands an eure Plattentaufe geholt. Wie würdet ihr sie jeweils mit einem Wort/Satz beschreiben?

Breakdown of Sanity: Sehr gute Freunde! Egal wie erfolgreich diese Jungs sind, bleiben sie stets am Boden.

All Faces Down: Österreicher. Wir mögen die Jungs und ihren Sound.

Was steht nach der Plattentaufe an?
Micha: Weihnachten feiern.

Miguel: Firmenfest.

Stefan: Räffus (The Dude) Geburtstag feiern.

Miguel: Spass beiseite. Wir haben uns natürlich schon einige Gedanken gemacht, was wir in Zukunft machen wollen. Wir wollen mit Bands auf Tour gehen, welche ähnlichen Sound auf die Bühne bringen, wie wir. Es gingen auch schon Bookinganfragen bei uns ein, aber momentan sind wir uns selbst noch nicht ganz im Klaren, was dann effektiv alles passieren wird. Zur Zeit sind wir der Meinung, dass wir den Leuten da draussen etwas Zeit geben wollen, um das Album wirken zu lassen, da es sich doch in einigen Punkten vom Erstling unterscheidet.
Schlussendlich gesehen haben wir ja auch absolut kein Stress. Ob wir jetzt schon im Dezember auf Tour gehen oder ob das erst im Frühling der Fall sein wird, macht für uns selbst keinen grossen Unterschied. Wir machen, was wir für gut befinden und für uns Sinn ergibt.
Manu: Vielleicht kommt das Album nicht an, die Tour ist jedoch schon gebucht. Wer weiss, ob dann überhaupt Leute erscheinen würden.

Denkt ihr, dass es mit dem neuen Album auch gewisse Veränderungen in euer Fangemeinde geben könnte?

Miguel: Definitiv. Manche werden es zu poppig, zu punkig oder zu anti-genre finden. Wiederum glauben wir, dass ein paar Songs Leuten gefallen werden, welche sonst nicht viel mit Metal zu tun haben. Wir hoffen, dass wir auch nebst der Metalcore Szene noch andere Hörer erreichen, da wir finden, dass wir nicht typischen Metalcore spielen.

Micha: Ich glaube mit dem neuen Sound erreichen wir wesentlich mehr Leute.

Mit diesen Zeilen erreichen wir das Ende unseres Interviews. Habt ihr noch ein schönes Schlussstatement für uns?

Wir sind niemandem böse, wenn er oder sie „Face to Face“ nicht mag, aber gebt der Scheibe wirklich eine Chance, bevor ihr sie bereits abstempelt.