Enter Shikari im Kofmehl – Mit angezogener Handbremse

Ich freute mich riesig, als ich erfahren habe, dass Enter Shikari wieder mal die Schweiz beehren. Ich konnte mich noch gut an den Auftritt an der Vans Warped Tour 2013 in Bern erinnern, was für den Abend im Kofmehl nicht wirklich von Vorteil war. Aber erst mal möchte ich ein paar Worte den starken Vorbands widmen.

Me In A Million
Ein würdiger Start, den leider viele Besucher verpasst haben. Me In A Million haben vor bescheidener Zuschauerzahl ihren ersten Song angestimmt. Ein guter Start und obwohl ich die Band nicht sonderlich gut kannte konnten sie mich packen. Den vielen Platz nutzten Fans zum Moshen und auch die restlichen Zuhörer haben viel Applaus gegeben. Me In A Million ist eine typische Metalcore Band mit soliden Breakdowns. Mit „The Warning“ haben sie ihre Show beendet und das Kofmehl füllte sich langsam.

miam

Arcane Roots
Ein Trio das mich und viele andere absolut begeistert hat. Was diese drei Männer auf ihren Instrumenten zaubern, ist nicht von dieser Welt. Gefühlsvolle und sphärische Klänge im Wechsel mit starken Breakdowns – eine sehr eigene Mischung. Die perfekte Durchschnaufpause vor der erwarteten Chaosparty. Jeder der Musiker zeigt viel Passion in seinem Spiel, besonders beeindruckt hat mich der Bassspieler – abgesehen vom Gesang. Selten habe ich Bassisten gehört, die so viel Melodie einbringen konnten, eine wirklich starke Bassline. Ebenfalls war ich geflasht vom Gesang, welcher mit den abwechselnden instrumentalen Parts perfekt zur Geltung kam und ebenso perfekt gesungen wurde. Ein solcher Auftritt wurde mit viel Applaus und einem „one more song“ honoriert, leider mussten Arcane Roots den Umbau-Arbeiten für Enter Shikari Platz machen.

Es wurde eine halbe Ewigkeit umgebaut und die Spannung stieg. Es war viel Material aufgebaut, von dem wir eine grosse Show erwarten durften. Dann endlich verschwanden alle fleissigen Umbau-Arbeiter von der Bühne und das Publikum fing an „Enter Shikari“ hinein zu rufen.

Endlich dröhnte ein Shikari-typisches Intro aus den Boxen und die Bandmitglieder nahmen ihre Plätze ein. Was mir als erstes direkt auffiel, waren die Outfits von Sänger Rou Reynolds und Bassist Chris Batten. Die beiden machten den Anschein, dass sie eher ein Vorstellungsgespräch zu bewältigen hätten, anstatt ein Konzert zu spielen. Ich fragte mich, was uns wohl erwarten würde, wenn die beiden in Hemd und Jackett die Bühne betraten, immerhin sind Enter Shikari dafür bekannt, um und auf der Bühne ordentlich Radau zu machen. Leider war auch ihr erster Song nicht ein Einstieg, wie ich ihn erwartet hatte, irgendwie hatte ich das Gefühl, Enter Shikari spielen mit angezogener Handbremse. Zum Glück konnten sie mich mit dem Song „Destabilise“ etwas mehr packen.  Das Publikum war von erster Minute an voll dabei, ich fragte mich, ob ich mit der ersten Reihe den falschen Platz hatte oder einfach zu nüchtern war. Es folgte mein absoluter Lieblingssong „Radiate“, welcher aufgenommen einen absolut coolen und starken Anfang hat, dieser wurde leider live völlig übergangen, so dass ich erst erkennen musste, dass es sich dabei tatsächlich um „Radiate“ handelte.

Nach der für mich enttäuschenden Interpretation konnte der nächste Song „Ghandi Mate, Ghandi“ meine Stimmung wieder absolut anheben. Die Bandmitglieder legten sich ordentlich ins Zeug und besonders die Performance vom Bassplayer fand ich cool. Sänger Rou sagte „Solothurn“ und „Danke viel mal“. Den Zweiten Teil der Show fand ich etwas besser. Leider konnte man deutlich hören, dass der ein oder andere Ton daneben ging. Von der musikalischen Perfektion von Arcane Roots waren Enter Shikari weit entfernt, aber dafür waren sie ja noch nie bekannt. Viel lieber machen sie noch die ein oder andere Showeinlage wie Handstand oder verteilen ein paar Rosen. Die Handlanger auf der Bühne hatten Hochbetrieb, ständig huschten sie irgendwo über die Bühne, reichten neue Instrumente… Für mich war das etwas zu viel, denn es gab jedes Mal eine Unterbrechnung. Es folgte Smalltalk und sie stimmten das Kinderlied „Twinkle Twinkle“ an, wobei das Publikum sofort mit aller Stimmeskraft mitsang. Es folge ein Dupstep-Intro mit viel Bass und die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt. Es gab vom Publikum eine Sit-Down-Jump-Up-Choreo und der Sänger nahm als Überraschung eine Trompete in die Hand und spielte darauf – und das sogar ziemlich gut! Etwas ruhiger wurde es, als Enter Shikari akustisch „Stalemate“ anstimmten kurz vor der Zugabe.

Für die Zugabe war Enter Shikari wieder da wie man sie kannte, es wurde ein Klavier aufgestellt und Sänger Rou hat seine Vielfältigkeit zum zweiten Mal bewiesen, er spielte einen „Song about Love“. Enter Shikari meinte zum Publikum „Dir sit geili Sieche“. Natürlich sind wir das! Vor dem letzten Song folgte noch ein letztes Show-Highlight und zwar hat Sänger Rou die Vase, welche auf dem Klavier stand kurzerhand dem Bassisten an den Kopf geworfen, welche spektakulär daran zersplittert ist. Kurzer Schockmoment für alle aber Chris war wohlauf und somit wurde der letzte Song „Ssnakepit“ angespielt und mit diesem war die Show dann auch zu Ende. Das Publikum war sichtlich begeistert.

Meine Begeisterung für die ganze Show hielt sich allgemein ziemlich in Grenzen. Ich muss ehrlich sagen, ich habe mehr erwartet, ausgehend von dem, was man bisher gesehen und gehört hat. Ein Auf und Ab von Empfindungen, die ich nicht so recht einzuordnen wusste. Aber alles in allem war es ein unterhaltsamer Abend.