30.01.2015 – Caliban im Kofmehl: Kindergeburi mit Schneeballschlacht

Okay. Keine Ahnung, wie Dream on Dreamer aus Australien waren. Oder Any Given Day, die Caliban – da Freunde aus dem deutschen Ruhrpott – mit auf ihre Ghost Empire-Tournee geschleppt haben. Das mit der Pizza hat einfach zu lange gedauert. Aber vielleicht ist das eine andere Geschichte.

Jedenfalls dürften die ersten Bands auf dem Abschlusskonzert der Ghost Empire-Tour im Kofmehl nicht allzu schlecht gewesen sein. Denn als als Bury Tomorrow aus Southampten auf der durch Caliban-Aufbauten eingeengten Bühne loslegen, geht das vollgestopfte Köfu vom ersten Song an mit.

Daniel Winter-Bates, der anfangs noch kleine Probleme mit den hohen Screams hat, klingt deutlich fülliger als auf der Scheibe. Ein Dank an den Abmischer! Leider legt der ein bisschen viel Hall auf den Gesang des Zweitgitarristen Jason Cameron.

Der liefert aber solide ab, variiert sogar seine getragenen Gesangspassagen von den mittlerweile drei Alben. Als Dank tanzen halbnackte Vorband-Musiker um ihn herum, schiessen Fotos, halten ihm einen künstlichen Schnurrbart vors Gesicht. Shouter Winter-Bates darf Wodka trinken. Der Drummer muss mit einem plötzlich hochgeschraubten Becken zurande kommen.

Es ist Tournee-Abschluss.
Und alle feiern ihn: Die Fans, die sich Arm in Arm nahezu gleichzeitig zu den Breaks vom Boden abheben. Stage-Diving, Circle-Pits.

Und die Bands selbst, die zum Ende von Bury Tomorrow mit Eimern voller Schneebälle auf die Bühne kommen und eine ungleiche Schneeschlacht mit der Menge liefert. Was zur Hölle?! Und warum mosht da ein Lockenkopf mit einem gelben Regenschirm in der Hand?

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Caliban legen dem Auftritt von Bury Tomorrow noch eine Schippe drauf. Gleich der erste Song „I Rape Myself“ von 2006 zündet. Die Deutschen klingen noch knackiger, noch wuchtiger, technisch noch sauberer.

Kaum zu glauben, dass Andreas Dörner, der sich ins Mikro krallt, „schon besoffen“ sein soll. „Keine Ahnung, was heute passiert“, warnt er vor. Sagen wir’s so: was Krasses.

Dörner liegt irgendwann brüllend in der Menge. Wo dieses Strichmännchen seine machtvoll durchs Köfu wummernden Shouts in jeder Lage herholt, bleibt ein Rätsel. Ebenso, wo dieser Hänfling die beiden Biere verstaut, die er auf Aufforderung der Menge ext.

Für „We Are The Many“ kriegt er Unterstützung von den Sängern der Vorbands. Immer wieder sagt er, wie begeistert er von dem Gig ist. Was ein Fest!

Dörner ist nicht der Einzige, der den eigenen Auftritt zelebriert. Ein Herr-der-Ringe-Gimli bearbeitet die Drums mit einem Lächeln. Straighter Sound, egal ob es eines der vielen Lieder des neuen Albums oder „The Beloved And The Hatred“ ist, dessen zehnjähriges Jubiläum es zu feiern gilt. Und zwischen Blastbeat und Breakdown: die Metalhorns natürlich.

Gesang und Riffs sitzen punktgenau beim Rhythmus-Gitarristen – und er hat eine wahre Freude daran. Marc Görtz an Gitarre Nummer eins zeigt, ruft ins Publikum. Fuck, der Typ spielt nicht langsamer, wenn man ihn in Klopapier einwickelt. Bassisten Marco Schaller sieht da schon aus wie eine Mumie.

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Das passiert nämlich zum finalen Song „Your Song“, zu dem alle vorherigen Bands auf die Bühne kommen. Sänger Dörner sitzt auf irgendwelchen Schultern. Ganz viele tätowierte Buben, die da auf der Bühne herumtanzen und -springen, lachen, sich umarmen. Ein Kindergeburtstag.

Dieses Konzert hier werde in die Hall of Fame von Caliban eingehen, sagt Dörner am Schluss.

Vielleicht sollte man künftig nur noch auf Tour-Abschlusskonzerte gehen. Immer. So ganz prinzipiell und grundsätzlich.