17.01.2015 – Royal Blood in Zürich: Könige der tanzbaren Rockmusik

Einige Leute grinsen, lachen, sagen ihrem Nachbarn was ins Ohr. Das Trio Mini Mansions hat grad für Royal Blood eröffnet. Am Keyboard steht ein Bubi, das Standschlagzeug spielt ein Porno-Star aus den 80ern mit gescheitelter Gel-Frise – oder ist es Jürgen, der die erste Big Brother-Staffel in Deutschland gewann? Der Anzug des Bassisten lässt die von Thomas Gottschalk, als der noch „Wetten das…?“ moderierte, wie schnödes Grau wirken.

Drummer und der Bub an den Keys singen zweistimmig – meist mit Kopfstimme. Das Schlagzeug wirkt bisweilen übertrieben hart, die Tasten bringen schon fast psychodelischen Sound. Hier scheint so was wie Post-Modern Talking auf der Bühne zu stehen. Und die Crowd, die vom 18-jährigen Hipster über den ergrauten Familienvater bis zum gepluggten Metalcore-Fan so ziemlich alles umfasst, goutiert das und wippt mit.

Und dann hauen „Royal Blood“ dem Publikum im Komplex 457 eine Einladung um die Ohren, die niemand ausschlägt: „Come on over“ ruft Mike Kerr der springenden Masse entgegen. Der Song, der ohnehin einer der fetzigsten auf der Scheibe ist, drückt live nochmal mehr aufs Trommel- und Zwerchfell. Der Bass, den Kerr umhängen hat und der durch ein scheinbar magisches Effekt-Gerät wie eine Gitarre klingt, klingt wuchtig, aber klar. Die Drums, an denen Ben Thatcher grinsend sitzt und die er solide drischt, dabei ab und zu sogar aufsteht, sind perfekt beigemischt.

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Ohne Atempause oder Begrüßung spielen Royal Blood „Figure it out“. Es gehört schon gehörig Selbstbewusstsein und Chuzpe dazu, den bekanntesten Song gleich als zweites rauszuhauen. Das macht man nur, wenn man sich seiner Performance ziemlich sicher ist. Und diese Sicherheit strahlt Drummer Thatcher besonders aus: Immer wieder schaut er mit fast provokant versteinerter Miene ins Publikum. ‘Na kommt schon!’, scheint er zu denken.

Und das Komplex lässt sich nicht bitten. Bis nach oben zu den Rängen gehen die Leute mit, immer wieder öffnen sich ohne Aufforderung mächtige Pits. Den Vorteil, den auch die Beatsteaks auf ihren Konzerten haben – nämlich Rock-Musik zu machen, die aber tanzbar ist –, spielen „Royal Blood“ voll aus.  Viele singen mit, als hätten sie die Lieder schon seit Jahren gehört, obwohl das Album erst 2014 erschienen ist. Gefühlt die Hälfte des Komplex springt immer wieder im gleichen Rhythmus.

Die Soli rockt Sänger-Bassist Kerr herunter wie auf der Platte. Hin und wieder überrascht er aber mit kess-verzerrten Interludes. Diese Jungs leben Rock.

Was für ein Konzert! Was für eine Band!