So war Johnny Depp …sorry… So waren die Hollywood Vampires in der Samsung Hall

sdr

Die Hollywood Vampires in der Samsung Hall in Dübendorf waren für meine Freundin und mich ein Pflichttermin. Schliesslich spielt einer unserer Lieblingsschauspieler Johnny Depp bei denen. Neben Captain Jack Sparrow sehe ich zwar fast so blass aus wie Alice Cooper, notabene Frontmann und Mitgründer der Hollywood Vampires, aber wenn die Freundin glücklich ist, bin ich es auch. Der Schöne und das Biest sollten aber nicht die Einzigen sein, die an diesem Abend auf der Bühne stehen werden. In dieser eigenartigen “Supergroup” herrscht eine einzigartige Hierarchie, bei der Aerosmith Gitarrist Joe Perry gefühlt erst an dritter Stelle kommt. Der Rest der Band spielte u.A. für Mick Jagger, Ozzy Osbourne und in Bands wie Mötley Crüe, oder The Cult – Detail, Detail hä. Geschätzte 90% der Besucher reisten wegen Johnny an – behaupte ich mal.

Während wir auf der A1 Richtung Zürich tuckerten, kämpften im fernen Russland elf Männer mit dem komplizierten Matchplan von “Ikea-Land” und ich wusste irgendwie schon vorher, wie aussichtslos dieses Unterfangen sein würde. Ausser vielleicht ein paar verwirrte Amerikaner, wollten alle Fussball sehen und so verlief unsere Anreise einigermassen entspannt. Wir waren schon früh am Ziel und trotzdem war das Parkhaus der Samsung Hall bereits besetzt. Weshalb man für eine neue Konzerthalle mit einem Fassungsvermögen von 5000 Leuten nur 250 Parkplätze plant, bleibt mir ein Rätsel. Mathematik ist halt nicht jedermanns Stärke. Zum Glück fanden wir im Gebäude nebenan noch eine Möglichkeit, um unser Auto abzustellen und dank ansonsten sehr guter Organisation reichte es noch gut, um ein Feierabendbier zu geniessen.

Punkt um 20 Uhr betrat die Supportband Felskinn die Bühne und spielte eine halbe Stunde lang Hardrock. Wer Gotthard oder ähnliche Bands mag, hatte seinen Spass.  Auch wenn die Musik nicht nach meinem Gusto war, finde ich es lobenswert, dass die Veranstalter eine Schweizer Band als Support gebucht hatten.

Nach der Umbaupause war es dann soweit und ein Vampir nach dem Anderen betrat in der Reihenfolge des Bekanntheitsgrades die Bühne. Als letztes natürlich Johnny Depp und bei seinem Empfang wären sogar die Beatles neidisch geworden. Durch ein paar hundert Handykameras konnte ich einen ersten Blick auf den Schauspieler werfen. Gerne darf ich der besorgten Frauenwelt berichten, dass Johnny momentan nicht so abgefuckt aussieht, wie auf den “gephotoshopten” Bildern in den Klatschheftchen.

Es war schon irgendwie lustig zu sehen, wie alle Köpfe (und Telefone) auf die Seite der Bühne zum Gitarristen zeigten, während Alice Cooper, Joe Perry und Co. die Bühne rockten. Die Altrocker sind sich das aber scheinbar gewohnt und liessen sich dadurch nicht ablenken. Es brauchte die Coolness, Bühnenerfahrung und vor allem die unglaubliche Ausstrahlung eines Alice Cooper, um das Gleichgewicht wieder einigermassen herzustellen. Die Akustik in der neuen Samsung Hall war übrigens top. Dass die grosse Mehrheit aber nicht wegen der Musik da war, zeigte sich auch daran, dass sich die Leute trotz druckvollem Sound und guten Musikern kaum bewegten. Bei Songs wie “Break On Through” von den Doors, oder “The Jack” von AC/DC wurde ich das Gefühl nicht los, dass viele diese Klassiker nicht einmal kannten – traurig. Zwischendurch gönnte sich Alice Cooper eine kleine Pause und überliess einem anderen Vampir den Lead Gesang. Bassist Chris Wyse übernahm auf beeindruckende Weise die Vocals bei “Ace Of Spades” und klang dabei wie Lemmy Kilmister himself. Joe Perry durfte bei “Combination” von Aerosmith ans Mikrofon und Johnny Depp zeigte bei Bowie’s Gänsehaut-Song “Heroes”, dass er wirklich gut singen kann. Ansonsten hat sich der grösste Star des Abends überhaupt nicht in den Vordergrund gedrängt, oder sich übermässig feiern lassen. Sehr sympathisch! Mit der Zugabe “School’s Out” endete das abwechslungsreiche, spezielle und unterhaltsame Konzert der Hollywood Vampires und wir verliessen die Samsung Hall mit einem zufriedenen Grinsen, denn es war definitiv ein Erlebnis, das uns lange in Erinnerung bleiben wird.