EP Review: Poor Little Things – s/t

Eine E-Mail mit dem Betreff “Berner Power Rock Band” lässt viel Raum für negative Vorurteile und ich erwartete ehrlich gesagt eine weitere langweilige Hard Rock Formation. Oft bestätigen sich meine düsteren Vorahnungen, aber bei Poor Little Things und ihrer gleichnamigen EP lag ich falsch. Alleine das grandiose Artwork von Yvonne Lustrati & Sterneis hatte mich optimistischer gestimmt. Mit dem Beschrieb “AC/DC playing Disco” verdiente die Band, die aus einer Kollaboration zwischen Tina Jackson und Dave Talon entstand, meine volle Aufmerksamkeit.

Los geht’s mit einem Song der genau so klingt wie er heisst. “Rock’n’Roller” fängt an, wie viele andere Songs Aufhören. Fernando Marlboro wirbelt auf allem herum was sein Schlagzeug so hergibt, während die Gitarren die Marshall Türme zum Glühen bringen. Dieser “Benjamin Button-Effekt”, wird durch einen Standard Rock-Beat unterbrochen, der sich bis zum Ende durchzieht. Standesgemäss gibts noch Cowbells, Händeklatschen und ein Gitarrensolo zu hören. Ja ich weiss, das klingt alles ziemlich nah an meiner eingangs erwähnten Vorahnung. Meine hellseherischen Fähigkeiten sind aber bezüglich den Vocals und der Qualität der Musiker eher ungenau. Die Instrumente, die mit Ausnahme vom Schlagzeug alle von Dave Talon eingespielt wurden, sind gut arrangiert und auf den Punkt gespielt. Bei Tina Jacksons Stimme geht mein Herz auf, denn sie singt mit einer Unbeschwertheit, die mich an Allison Mosshart erinnert. Sehr cool und sexy.

Die EP ist eine DIY-Produktion und da haben Dave Talon und Fernando Marlboro ein dickes Lob verdient. Die Aufnahmen klingen druckvoll, bieten aber dennoch genügend Raum für die Dynamik. Auch Feinheiten sind gut herauszuhören. Grosse Studios und Produzenten schaffen das leider immer seltener – ab und zu aber schon, zum Beispiel bei der Band The Kills. Schon beinahe zu ähnlich wie die Kompositionen von genanntem Rock-Duo klingt die Single “Break Another Heart”. Nichtsdestotrotz ein toller Song, bei dem die Stimmen von Tina und Dave in Perfektion harmonieren.

Mit “Drive” folgt ein 80er-Jahre Rock-Kracher wie ihn Joan Jett nicht besser hätte schreiben können. Ich kann förmlich den Haarspray riechen, während ich mich darüber freue, dass die EP bisher sehr viel Abwechslung geboten hat. Etwas ruhiger wirds bei “About Love”, das mit seinen Slide-Gitarren und dem hawaiianisch anmutenden Gesang am Schluss ein bisschen nach Gwen Stefani klingt, die einen auf Surfer-Girl macht. Die Idee finde ich super, aber leider weiss der Song nicht so recht, was er sein möchte. Kompromissloser kommt der letzte Song daher. Dave ist Australier und die lernen dort wahrscheinlich AC/DC-Riffs im Allgemeinbildungs-Unterricht. Die Note 6 gibts für “Street Cheetah”, der mir zum Abschluss noch einmal schnurgeraden dirty Rock’n’Roll um die Ohren haut.

Meine Erkenntnis des Tages: Es ist nichts Neues was uns Poor Little Things bieten, aber wenn eine Band  solche klischeegetränkten Songs so unverkrampft mit einer derartigen Leichtigkeit und Coolness raushaut, muss es das auch nicht sein. “It’s only Rock’n’Roll but I like it”. Kann ja jeder behaupten? Stimmt, deshalb hört ihr am Besten selber rein: Ihr findet die EP auf Spotify oder auf der Bandcamp Seite.

Vö: 14.06.2018

1. Rock’n’Roller
2. Break Another Heart
3. Drive
4. About Love
5. Street Cheetah