Ein kurzer Rückblick der Stick To Your Guns Show am Kultursommer Festival im Conrad Sohm (AT)

Es war einmal an einem verregneten Sonntagabend… Betonung auf Sonntag! Auch hier machte sich der klischeehafte Sonntagabend bemerkbar. Verglichen mit der gestrigen Show in Zürich war das Konzert im Conrad Sohm nicht ausverkauft. Für den Veranstalter vielleicht etwas unkonventionell, jedoch für uns Fans “ä Traum”. Wir hatten gut Platz, um zum Klang der Musik mitzuwippen, ohne mit dem Schweiss des Danebenstehenden zu fusionieren. Auch das Anstehen an der Bar war ausnahmsweise kein Alptraum, weil man schnurstracks wieder ins Getümmel steuern konnte und somit kaum etwas vom Konzert verpasste.

Nun, genug dazu, jetzt zum Wesentlichen – was haben denn die Bands an diesem Abend so geleistet?

Alles ist scheisse und Stray From The Path kann ein Liedchen davon singen. Seit 2001 hat sich die New Yorker Metalcore-Band aktiv gegen die Übel der Welt ausgesprochen. Die bizarre politische Landschaft lässt Sänger Andrew Dijorio als Double Zack de la Rochas im Grunde  “sloganisieren” mit Texten wie: “hasse nicht den Spieler, hasse das Spiel!” auf Deutsch übersetzt. Als Kurzbeschreibung würde ich sagen; Architects-Meets-Rage Against The Machine. Ihr Ansatz bietet Prahlerei und Strenge; sie stehen hinter den Zeilen, die sie predigen. Metalcore-Breakdowns treffen auf hüpfende Nu-Metal-Riffs, was natürlich auch Donald-Trump-Samples Platz lässt.

Sie zeigten einige unglaublich harte Riffs und aggressive Vocals, man kann besonders die Wut in ihren Texten hören. Sie hatten auch wirklich coole Korn-ähnliche Breakdowns, definitiv eine Show der Superlative. Ich liebe die groovigen Riff-Werke und die Rage Against The Machine Vibes der Vocals absolut. Trotz der umstrittenen und etwas unreifen Texte stimmen die Vocals und Instrumentals unglaublich gut zusammen und sorgen für eine anständige Hardcore-Show.

Bassist Anthony Altamura bietet seine Go-to-Four-String-Tricks mit diesem knackigen AF-Basston, und der neue Schlagzeuger der Band, Craig Reynolds, – der das Powerhouse Dan Bourke sehr passend ersetzt hat – pumpt hier einige der perkussivsten Momente. In Sachen Instrumentierung und Performance des Gitarristen Tom Williams zeigte er uns einige seiner schwersten und härtesten Riffs seit Jahren. Stray From The Path bietet den “Hardcore Kids” (und Hardcore Oldies) eine weitere solide Ladung an angepissten, riffgeladenen und hüpfenden Melodien inklusive politischer Wut.

Was soll man über STYG schon grossartig sagen. Jeder, der sie kennt und schon mal gesehen hat, weiss wie atemberaubend und von Leidenschaft getrieben deren Shows sind. Vielleicht sind vor allem Stick To Your Guns – Sänger Barnett, Gitarristen Rawson und James, Bassist Rose sowie Drummer Schmitz – eine Band, die nicht nur unter den Fans, sondern auch unter ihren Kollegen sehr beliebt sind. In unserer “Dog Eat Dog”-Welt ist es ein beeindruckendes Kompliment, mit einem eigenen Charakter und einer Prise Authentizität grenzenlos zu begeistern! Es gibt eine beeindruckende Musikalität in verschiedenen Schichten von Stick To Your Guns Sound; und während sie deutlich in der Schwere verankert sind, können diese Jungs auch mit grossartiger Melodie überzeugen.

Sie beweisen ihre infektiösen Eigenschaften in Spaten mit Singalong-würdigen Chören, die einen ernsten Hunger nach mehr schaffen. Melodic Hardcore vom Feinsten. Betrachten Sie dies als tägliche Zen-Proklamation für Hardcore-Kids! Halte dich nicht zurück, indem du dich an die Vergangenheit erinnerst, verschwende niemals deine Tage und strebe immer nach etwas Grösserem, sind nur drei Schlüsselpunkte auf dieser Reise durch Selbsterkenntnis. In der Tat ist es ein Schwerpunkt von STYGs Musik, sich seiner selbst bewusst zu sein/werden. Stick To Your Guns sind geprägt von ansteckender Hoffnung, gepaart mit poetischer Verzweiflung: ein lyrisches Plädoyer, um uns darauf hinzuweisen, das zu sehen, was direkt vor uns liegt und somit unser Bewusstsein zu erweitern. Wenn du dich loslassen und dich in STYG verlieren kannst, wirst du Frieden und Angst finden, bösartige Inspiration neben einer häufigen Schlachtung, die in diesen aufschlussreichen, “Zen-vollen” Proklamationen begründet ist.

Meine Konklusion: ein erneutes Bravo ans Organisationskomitee, die Bands und allen Beteiligten. Es war ein von Erinnerungen gebrannter Abend, an den ich mich auch gerne künftig zurückerinnern möchte und werde.