13.07.2018 – So war der Gurten-Freitag

Am Morgen in Amsterdam und am Abend auf dem Güsche, so sieht ein guter Tag für Vera aus. Aber auch ein 25 Stunden Tag, denn die Verbindungen von Bern nach Luzern sind in der Nacht zum Kotzen. Aber bevor wir zum nach Hause gehen kommen, zuerst das Hingehen: Wir, Nadine und ich, hatten schon gut eine Woche vorher alle wichtigen Infos für Journis bekommen und machten uns vorinformiert auf den Weg nach Bern. Wabern kannte ich zwar schon, aber das Gurten Festival hätte ich auch so gefunden. Die Beschilderung war top und einfach zu sehen.

Mit der Gurtenbahn ging es dann den Berg obsi und oben angekommen direkt zum Check-In, um meinen Bändel zu holen. Direkt dazu gab es die Cashless Card, auf dieich ein bisschen Geld geladen hatte. Schon vorher hatte ich dazu alle Infos bekommen und war erstaunlich okay damit. Eigentlich mag ich die ganzen Cashless-Dinger nicht so gerne, weil man da immer dem Restgeld hinterher laufen muss. Aber vielleicht war das einfach ein Vorurteil und nicht die Realität.

Auf dem Gelände erschlug es mich erst mal ein bisschen. Was für ein Riesengelände! Und die Leute. Soo viele Leute. Obwohl das Gelände dieses Jahr vergrössert wurde, gab es überall grosse Menschenansammlungen. Vor allem vor der Hauptbühne waren die Platzverhältnisse extrem klaustrophobisch. Das fand ich spätestens beim Kraftklub Konzert raus. Ich stand relativ weit vorne und um mich herum irgendwie nur anstrengende Leute. Oder einfach zu viele Leute. Bei jedem Schritt einer anderen Person wurde ich zwei Schritte zur Seite geschoben. Ich mag ja kuscheln und gönne jeder Band ein gut besuchtes Konzert, aber ein bisschen Armfreiheit hätte ich doch schon gerne. Ausserdem hatte ich mehr Ellenbögen im Gesicht von Leuten, die nicht Klatschen konnten, als an einem durchschnittlichen HC-Konzert. Aber mit dem Publikum hatte ich sowieso meine Probleme. Die Wenigsten schienen wegen der Musik da gewesen zu sein. Hautpsache sehen und gesehen werden. Eigentlich schade, weil die Musik diverses zu bieten hatte. So hörte ich an diesem Abend neben Kraftklub auch Alt-J, Plan B und The Gardener & The Tree. Und die Qualität der Musik war auch hervorragend. Selbst weit hinten am Hang konnte man dank zweitem Lautsprecherturm noch das ganze Konzert mithören. Und dank dem hügeligen Gelände auch noch sehen.

Trotz der Grösse des Festivals schien mir in den einzelnen Partyzelten, Partydomen, Zeltbühnen und Essensständen viel Liebe zu stecken. Es gab zwar nicht allzu viel Deko, dafür die schönen Zirkuszelte, welche dem Festival durchaus Charme verleihen. Das einzig negative, was mir vor allem von meinen Freunden gesagt wurde, war der horrende Preis für die vier Tage. Und da muss ich zustimmen: Obwohl ich es sehr schätze, dass auch eher unkonventionelle und unbekanntere Namen am Gurten spielen, so sollte bei solch einem Preis sicherlich jeden Abend eine richtig grosse Band spielen. Abgesehen davon war mir das Gurten sehr sympathisch, gut organisiert und für die Grösse recht gemütlich und familiär. Was die Besucher angeht: Definitiv nicht mein Völkchen. Zu viel Schein und zu wenig Gehirnmasse. Hauptsache saufen und keinen Anstand, was die Abfallpolitik des Festivals angeht. Ganz ehrlich, reisst euch zusammen!

 

Für mich, Nadine, sah’s ähnlich aus. Entweder ich werde langsam wirklich zu alt oder es hatte echt viiiiel zu viele Leute am Berner Festival. Einmal stand ich zuvorderst (natürlich bei der Show von Opal Ocean) – dabei blieb’s dann aber auch. Viel zu viel Bier, mit dem schon um 15 Uhr von der Reihe hinter mir sinnlos rumgespritzt wurde. Gegen eine Wasserdusche hätte ich ja nix gehabt in der Hitze, aber Bier: nein danke!

Zur Musik: Abwechslung gab’s im Programm, was gut ist. Alt-J aber überzeugte mich zum Beispiel nicht. Die eigentlich doch so wichtigen Harmonie-Gesänge waren mehr off als on und im Allgemeinen schien mir die Show ein wenig schläfrig. Schade, könnten die lieben Herren aus Leeds das doch eigentlich besser.

Zwei Highlights gab’s aber: Zum einen (was für jene, die mich ein bisschen kennen, keine Überraschung sein wird): Opal Ocean. Die beiden Strassenmusiker, die es mit ihren Gitarrenkünsten immer öfter auf die grossen Festivalbühnen dieser Welt schaffen, haben eine absolut mitreissende Show abgeliefert und in der brütenden Hitze um 15 Uhr schon alle zum tanzen gebracht! Ich bin mir sicher, dass vielen, die sie vorher nicht kannten (also quasi alle Besucher des Gurten), mittlerweile zu neuen Fans wurden. Gut gemacht, Jungs! (Das Gurten-Interview mit Opal Ocean war natürlich auch toll. Dieses könnt ihr dann demnächst bei uns lesen. Bis dahin tut’s vielleicht das etwas ältere Interview aus dem Jahr 2016? Hier wärs sonst.)

Zum anderen war da Aurora. Ich hatte noch nie von der 22-jährigen Elektro-Pop-Sängerin aus Norwegen gehört. Als Nadav und Alex von Opal Ocean aber meinten, dass sie backstage voll süss war, hab ich mich dazu entschieden, ihr Konzert zu hören. Und das war kein Fehler. Mit ihrer Powerstimme überzeugte sie mich komplett. Trotz etwas verstörendem Feenlook, was nicht ganz mein Ding ist. Zudem ist mir einfach jede und jeder sympathisch, der auf der Bühne findet: “Ich bin so durstig, aber ich muss auch ganz dringend aufs Klo”.

Alles in allem war das Gurten eine interessante Erfahrung für mich. Und es war die Festivalstrapazen nur schon wert, weil ich meinen alten Freunden von Opal Ocean zusehen durfte, wie sie eine so grosse Bühne rockten. Jedoch werde ich entweder zu alt für Openairs, oder aber es hatte wirklich einfach zu viele (mühsame) Leute auf dem Berg. Immerhin war die Aussicht top!

Beitragsbild: Dominik Brügger