Opal Ocean im Interview – Zwei Strassenmusiker erobern die grossen Bühnen Europas

Opal Ocean schafften’s bereits vor zwei Jahren, mich mit ihrer Musik massloss zu begeistern. Zuzusehen, wie die beiden Strassenmusiker auf der Hauptbühne des Gurtenfestivals eine Menge mitreissen, war aber nochmal etwas ganz anderes. Well done, guys!

Opal Ocean sind auf dem Vormarsch. Und wie! Darüber und über viel mehr habe ich mit Nadav und Alex nach ihrem grossen Festival-Gig gesprochen. Weiterlesen und mehr erfahren!

Jungs, euer Auftritt war absolut genial! Wie war’s für euch?

Es war unglaublich! Wir sind ja nicht nur auf unserer ersten Europa-Tournee, sondern auch auf unserer ersten Tour überhaupt. Auf so grossen Bühnen an so grossen Festivals zusammen mit so genialen Namen im Lineup zu spielen ist eine riesige Ehre für uns. Und es ist ein unglaublicher Unterschied zur Strassenmusik, durch die wir ja dich kennen. Auch wenn wir eigentlich dasselbe machen: Wir kommen mit unserem Equipment, spielen und gehen wieder. Aber es ist einfach so toll, diesen krassen Sound auf einer grossen Bühne zu haben. Wir lieben das!

Aber Strassenmusik macht ihr noch?
Oh ja! Am Tag vor wir zu dieser Tour aufbrachen waren wir noch auf Melbournes Strassen unterwegs. Wir müssen ja immer noch unsere Miete verdienen.

Ist die Strassenmusik denn immer noch eure Haupteinnahmequelle?
Ja, aber das Ganze ist in den letzten Jahren sehr viel schwieriger geworden. Seit wir vom Fringe-Festival 2016 zurück sind, ist es nicht mehr das gleiche. Wir haben früher fünf Mal so viel verdient wie jetzt. Irgendwie scheint da der Wurm drin zu sein. Wahrscheinlich, weil niemand mehr Bargeld mit sich rumträgt. Oder auch weil nun viel mehr Videos von Strassen-Performances auf Youtube zu sehen sind und es deshalb irgendwie nicht mehr so speziell ist, dem in der Realität zu begegnen. Wir wissen’s auch nicht so recht, aber es ist in letzter Zeit sehr viel schwieriger geworden, auf der Strasse Geld zu verdienen.

Mögt ihr’s denn überhaupt noch, auf der Strasse zu spielen?
Es ist inzwischen mehr zu einer Notwendigkeit geworden. Aber wir haben immer noch geniale Tage, an denen wir coolen Menschen begegnen, die wir sonst nie kennenlernen würden. Und natürlich müssen wir ganz klar sagen: Durch die Strassenmusik haben wir unglaublich viel gelernt. Wir wären heute nicht hier ohne sie. Wir sind dadurch als Menschen und als Musiker gewachsen. Inzwischen spielen wir aber gottseidank regelmässig auf grossen Bühnen – und wachsen immer noch. Und zwar sehr schnell. Ich meine, wir erinnern uns noch gut an das Skype-Interview, das wir vor zwei Jahren mit dir hatten. Damals war es ein riesiges Ding für uns, so ein Interview zu geben! Heute wollen schon viel mehr Leute was von uns wissen.

Ja, seit unserem Skype-Interview vor zwei Jahren ist viel passiert! Was denkt ihr, wo werdet ihr in zwei weiteren Jahren sein?
Hoffentlich spielen wir dann wieder am Gurtenfestival, aber zu einer späteren Tageszeit. Wir wollen einfach weiterhin geile Konzerte geben, mehr Fans kriegen und Konzerthallen füllen. Wir haben auf dieser Tour bereits tolles Feedback gekriegt und es sieht schon jetzt so aus, als ob wir nächstes Jahr für eine weitere Tour zurückkommen. Das freut uns natürlich unglaublich!

Zudem seid ihr jetzt bei Yamaha unter Vertrag. Was hat sich dadurch geändert?
(Lachend:) Unser Bankkonto ist definitiv glücklicher! Zudem ist es natürlich einfach toll, diese Firma zu haben, die uns den Rücken stärkt und offen für unsere Ideen ist. Wir wollten schon mit Yamaha zusammenarbeiten, als wir anfingen, zusammen Musik zu machen. Sie jetzt tatsächlich an Bord zu haben und den Support von ihnen zu kriegen ist unglaublich.

Was sind denn diese neuen Ideen? Gibt’s schon bald ein neues Album?
Ja! Seit Beginn dieser Tour sprechen wir über das neue Album. Wir haben bereits so viele Ideen, die wir nur noch zusammenfügen müssen. Sobald die Tour zu Ende ist und wir wieder ein bisschen Zeit haben, werden wir das tun. Danach geht’s ins Studio. Wir freuen uns sehr darauf, weil wir diese Ideen nun schon so lange mit uns rumtragen. Jetzt fühlt’s sich so an, als ob sie reif sind. Sie wollen gehört werden!

Was darf man denn erwarten? Bleibt ihr eurem Sound treu oder wird’s ein paar Veränderungen geben?
Prinzipiell sind wir glücklich mit unserem Sound. Aber wir wollen mehr! Wir wollen ein wenig rumexperimentieren, um einen fetteren Sound hinzukriegen. Unsere neue Single “Mexicana” geht schon ein wenig in diese Richtung. Sie ist irgendwie dichter. Vielleicht werden wir auch unser Equipment ein bisschen aufstocken. Wir wollen zum Beispiel mal testen, wie wir Stahlseiten reinbringen könnten. Aber es wird keine allzu radikale Veränderungen geben. Wir wollen unserer Musik immer noch treu bleiben, aber einfach ein paar Dinge zusätzlich reinnehmen, um einen fetteren Sound zu erzeugen.

Aber ihr werdet zu zweit bleiben?
Ja, das schon. Zu zweit zu sein ist für uns eine Challenge und ein Vorteil. Wir sehen oft achtköpfige Bands, die jeden möglichen Sound erzeugen können. Häufig gibt’s bei denen aber auch das Problem, dass sie nicht genau wissen, was sie mit der Band machen wollen. Wenn’s zu viele Optionen gibt, kann man sich einfach verlieren. Für uns ist es einfacher, einzigartig zu klingen, weil wir eine solch simple Instrumentation haben. Gleichzeitig ist es aber natürlich viel schwieriger für uns, zu zweit und mit einem so simplen Setup einen fetten Sound zu erzeugen.

Wir haben ja schon über euren Zweijahresplan gesprochen. Was wäre denn euer Zweijahrestraum?
Nadav: Also einen Traum konnten wir uns jetzt schon erfüllen: Am Montreux Jazz zu spielen. Aber vor einem Meer aus Fans zu spielen, die wegen uns an ein Festival kommen, wäre einfach unglaublich!

Alex: Jap, ein Headliner-Gig wäre toll. Aber nur schon, regelmässig grosse Auftritte zu haben und nicht mehr auf der Strasse spielen zu müssen wäre genial. Sich erlauben zu können, sechs Monate zu touren und den Rest des Jahres zu Hause im Studio an Songs zu arbeiten. Das wäre mein Traum.

Also ich glaube ja, dass Opal Ocean vom Erfüllen ihrer Träume nicht mehr weit entfernt sind. Gönnen würde ich’s den beiden ja. Und verdient haben sie sich’s allemal!