Hinter den Kulissen des Open Air Gränichen

Rawk stellt in diesem Festivalsommer nicht nur die MusikerInnen in den Fokus, sondern auch jene Leute, die man selten zu sehen bekommt, die für ein gelungenes Festival aber absolut unentbehrlich sind. Am Open Air Gränichen durften wir mit vier Personen in ganz unterschiedlichen Funktionen sprechen.

Was er geleistet hat, haben wohl wirklich alle BesucherInnen des Open Air Gränichen gesehen. Ihn selber aber so gut wie niemand: Yves war heuer zum zweiten Mal in Gränichen für das Licht auf den Bühnen zuständig. Die Grösse seines Lichtmischpultes zeigte dabei, wie vielfältig die Möglichkeiten sind und dass die Aufgabe eines Lichttechnikers doch einiges an Know-How und auch Konzentration erfordert. Zumindest wenn man den Anspruch hat, nicht negativ aufzufallen, und das sei eigentlich sein Ziel, meinte Yves, der es gut findet, im Hintergrund zu sein. Denn von der Band oder auch dem Publikum wahrgenommen zu werden, bedeute meist nichts Gutes. Wobei bei den hohen Temperaturen auch noch eine weitere Gefahr drohte: Einige Geräte würden nämlich bei zu grosser Hitze automatisch ausschalten…

 

Die Hitze war selbstverständlich nicht nur für die Technik eine Gefahr, sondern auch für die Menschen. Um jene, denen es etwas zu viel wurde, kümmerten sich die Sanitäter des örtlichen Samaritervereins, die während des gesamten Festivals – in der Nacht auf Sonntag bis morgens um fünf –  bereit standen. Die Samariter leisteten zu dritt Schichten à fünf Stunden und kümmerten sich vor allem um kleinere Blessuren wie Stiche. Obwohl sie eigentlich für körperliche Gebrechen zuständig sind, komme es auch immer wieder vor, dass Personen psychische Hilfe bräuchten und einfach etwas sprechen müssten. Das sehen die Samariter aber ebenfalls als Teil ihrer Aufgabe, wobei es an grösseren Festivals sicherlich sinnvoll sei, wenn sich eigens ein Seelsorgeteam darum kümmere, wie heuer beispielsweise erstmals am Greenfield Festival (siehe unseren Bericht vom 8.6.2018). Die Gränicher Sanitäter sind übers Jahr an diversen Anlässen im Dorf im Einsatz, beispielsweise an Sportveranstaltungen. Das Openair hebe sich in zweierlei Hinsicht von den meisten anderen Events ab: Erstens sei viel mehr Alkohol im Spiel, zweitens aber die Stimmung viel gelöster, was den Einsatz sehr angenehm mache.

 

Zu den wenigen, deren Samstag eher stressig als entspannt war, gehörten Sandro und Timmy von Merchmacher. Sie betrieben dieses Jahr zum ersten Mal einen Stand, an dem die BesucherInnen T-Shirts und Mosh-Shorts mit beliebigen Motiven bedrucken lassen konnten. Waren sie am Freitag noch etwas aufgeregt und im Ungewissen, ob ihr Angebot auf eine Nachfrage stossen würde, schienen sie am Samstagabend gelöst und glücklich: Ihr Stand wurde zeitweise richtiggehend überrannt, so dass sie gar Kunden auf später vertrösten mussten! Denn bei den beiden, die übrigens am Samstagnachmittag mit ihrer Band Sickret auch noch auf der grossen Bühne standen, wird zwar in beeindruckender Geschwindigkeit aus einer Idee ein fertiges T-Shirt, dennoch dauert es manchmal einen Moment, da sie auf möglichst jeden Kundenwunsch eingehen möchten. So entstand gar ein T-Shirt mit dem Line-up des Open Airs auf der Rückseite, nur dass darauf Royal Republic durchgestrichen war… Merchmacher erfüllen (fast) jeden Wunsch.

Und das, angesichts des diesjährigen grossen Erfolgs in Gränichen, wohl nächstes Jahr erneut an selber Stelle (und auch anderen Festivals). Auch die Samariter und der Lichttechniker Yves werden nächstes Jahr wieder in Gränichen sein, hoffentlich aber sieht man die einen nicht aus der Nähe und fällt einem der andere auch nächstes Jahr nicht auf.