So war es am diesjährigen Open Air Gränichen

Comback Kid

Das Open Air Gränichen lockte dieses Jahr zum ersten Mal bereits Anfang August wieder mit einem feinen Mix aus Metal und Hardcore ins Moortal. Obwohl sich einige Leute über die Datumsverschiebung von Ende auf Anfang August beklagt hatten, hat diese Entscheidung nicht geschadet. Das Open Air war nämlich zum ersten Mal in seiner 24-jährigen Geschichte ausverkauft! Herzlichen Glückwunsch!

Viel hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Die Essens- und Trinkstände waren mehrheitlich dieselben, die Bühnen und Toiletten waren am selben Ort und auch die Kleiderstände waren so ziemlich dieselben wie in den letzten Jahren. Und das ist auch gut so, denn so lieben wir das kleine und feine Open Air ja! Neu waren mehr Sitzgelegenheiten im Schatten, und das war ebenfalls gut so, denn das Thermometer kletterte an beiden Tagen auf über 30 Grad. Der eigentliche Grund aber, warum wir jedes Jahr wieder gerne ins Moortal fahren, sind natürlich die tollen Bands. Wie das halt so ist, konnten wir uns nicht alle Acts ansehen. Gerne erzählen wir aber, was wir von den Shows halten, die wir gesehen haben.

Das Festival wurde auf der Hauptbühne von den Zürchern Expellow eröffnet. Das Quintett rund um Frontfrau Mik lieferte ein energiegeladenes Sett und trotzte der Hitze mit gewaltigen Riffs, welche dem 2000er-Metalcore treu ergeben sind. Wem das gefiel, der wurde sogar mit einer Wasserschlacht belohnt, welche unter der ungnädigen Sonne eine willkommene Einlage war.

Die Sounderia wurde dieses Jahr von den progressiven Djentern von Nubia eröffnet. Die junge Band, die seit kurzem von Ex-Amongst Pariahs-Sänger David Häusermann Piedrahita Medina unterstützt wird, zeigte, was sie kann! Und das ist viel. Ich bin zwar immer etwas enttäuscht, wenn die Gitarreneffekte vorprogrammiert vom Axe-Fx-Amp kommen und die Gitarristen keine Pedale benötigen, um die Wechsel selber zu tätigen. Trotzdem war es eine super Show, die besonders durch das Können der Gitarreros sowie den tollen Gesang von David und Gitarrist Michael Hirst überzeugte.

Als zweite Band im Zelt folgten die Ukrainer JinjerNun wurde zum ersten Mal ersichtlich, wie sehr das Open Air gewachsen ist. Vor der Bühne war es rappelvoll! Meiner Meinung nach hätte man Jinjer besser auf der Hauptbühne spielen lassen sollen. Die Stimmung bei den Groove-Metallern war grandios, was nicht zuletzt an der charismatischen Frontfrau Tatiana Shmailyuk lag, die genau wusste, wie sie das Publikum anfeuern konnte.

Die Frontsängerin von Jinjer, Tatiana Shmailyuk, beim Gig am Openair Gränichen.

Als nächstes betraten die deutschen Punkrocker Donots die Hauptbühne. Die fünf Jungs sind seit einigen Jahren regelmässig Gäste auf den Schweizer Festivalbühnen. Zu Recht! Sie wissen, wie man Zuschauer animiert und wie man das altbekannte Festival-Feeling heraufbeschwört. Es wurde auf Kommando mitgesungen, mitgehüpft und mitgefeiert. Respekt Donots! Immer wieder eine Freude, euch live zu sehen.

Die Australier von Northlane bildeten am Freitag das Schlusslicht in der Sounderia. Meine Güte hatte das Wumms! Die Progressiv-Metaller zeigten, was sie können und drehten richtig auf. Die brachialen Riffs donnerten nur so dahin und liessen das Publikum ordentlich tanzen. Dazu kommt, dass Sänger Marcus Bridge, seit er zu der Band dazugestossen ist, enorme gesangliche Fortschritte gemacht hat. Es passte einfach alles zusammen. Ein würdiger Zelt-Headliner.

Als letzte Band des Abends durfte der Kanadische Hardcore-Mob von Comeback Kid die Hauptbühne vernichten. Leider hatte es nicht mehr so viele Leute vor der Bühne, aber alle, die da waren, hatten ordentlich Spass und es gab immer noch grosse Bewegung vor der Bühne. Die Band selber war voll dabei, gab alles und konnte das Publkum ordentlich zum Tanzen und Mitsingen anspornen. Besonder zum Schluss, als sie ihren Hit “Wake The Dead” zum Besten gaben. Grosse Klasse!

Der Samstag wurde vom Singer/Songwriter Small Thanx For It auf der Hauptbühne eröffnet. Bei der gnadenlosen Mittagssonne trauten sich nur wenige vor die Hauptbühne, auf welcher der charmante Solothurner gemütliche Gitarrentöne von sich gab, die er mit intelligenten Texten füllte. Ein entspannter Start in den Tag.

Auf der Zeltbühne spielten als erstes an diesem Tag die Stoner Simia Sapiens. Wie jedes Jahr scheint es der Open Air Gränichen-Organisation ein Anliegen zu sein, mindestens eine Stoner Rock Band im Programm zu haben, was ich selber absolut zu schätzen weiss. Simia Sapiens erfüllten diese Vorgabe mit Bravour und beglückten die Sounderia mit tollen Riffs.

Auf der grossen Bühne spielten nach Simia Sapiens die Herren von Sickret aus Sursee. Wer die Band schon mal gesehen hat, weiss, dass sie auf der Bühne ordentlich Dampf ablassen. Mit ihrem Hardcore- und Crossover-lastigen Nu-Metal überzeugten sie die tapferen Zuschauer, die der Sonne trotzten. Und an alle, welche die Band neu für sich entdeckten: Ende September werden sie ihre neue Scheibe veröffentlichen.

Die Sonne brannte immer noch fröhlich auf die armen, verschwitzen Besucher des Gränichen herunter, als Defender in der Zeltbühne ihr Set zum Besten gaben. Wie gewohnt energiegeladen bretterte die Metalcore Truppe aus dem Aargau ihre Songs dem Publikum entgegen, welches inzwischen ein bisschen Schatten in der Zeltbühne gefunden hatte. Dass Schatten nicht viel bringt, wenn vor der Bühne getanzt wird, war aber zu erwarten gewesen. Nichtsdestotrotz war es ein gelungenes Konzert.

Um vier Uhr am Nachmittag sah es danach aus, als ob ein paar Wolken der brachialen Hitze etwas entgegenzusetzen hätten und das Wetter etwas erträglicher machen würden. Leider verzogen sich diese Wolken so ziemlich auf den Start der Beatdown-Truppe Nasty. Sänger Matthi liess sich von der Sonne nicht beeindrucken und heizte dem Publikum mit langen Hosen und aggressiven Shouts sogar noch mehr ein. Die Zuschauer schien es mittlerweile auch weniger zu stören, dass es so heiss war und sie machten ordentlich Action. In gewohnter Manier walzte Nasty mit brutalen Riffs und fetten Breakdowns alles nieder und überzeugten, als eine der wenigen Beatdown Bands, mit intelligenten Lyrics das Moortaler Publikum.

Auf der Zeltbühne waren dann die wieder vereinten Adhesive  am Start. Die Band hat sich im Jahre 2002 aufgelöst und 2017 wieder vereint. Ums Geld geht es den Skatepunks jedoch nicht: sie spenden die gesamten Einnahmen an Hilfsorganisationen, welche sich um Flüchtlinge und Menschen in Not kümmern. Trotzdem lieferte die Band ein energiegeladenes Set und eine willkommene Abwechslung zu den eher härteren Bands, welche das Programm des Samstags bis jetzt schmückten. (Eric)

Bei Get The Shot aus Kanada wurde wieder klar, was es heisst, wenn ein Open Air ausverkauft ist. Die Sounderia war rappelvoll! Die thrashigen Riffs und fetten Breakdowns von Get The Shot schienen vielen zu gefallen und es wurde ordentlich getanzt. Zu Recht, denn ihr Set war einfach nur fett! Liebes Open Air Gränichen, vielleicht wäre nun der richtige Zeitpunkt, um die Sounderia zu vergrössern?

Die vollgestopfte Sounderia-Stage beim Auftritt von Get The Shot. Hier gab es nicht einmal mehr für unseren Fotografen Eric ein Durchkommen.

Als zweite kanadische Band des Tages stürmten Counterparts die Sounderia-Bühne. Energiegeladener kann man das Zelt wohl kaum zerschmettern. Dem Publikum gefiel es absolut und es liess die Arme schwingen und die Beine fliegen und moshte und pogte, was das Zeug hält. Sänger Brendan Murphy und Gitarrist Blake Hardmann feuerten das Publikum auch immer wieder dazu an (Blake sogar mit eigenen Solo Mosh-Einlagen auf der Bühne). Ein wundervoller Augen- und Ohrenschmaus.

Arcane Roots aus England holten dieses Jahr ihren abgesagten Auftritt vom letzten Jahr nach und demonstrierten zu dritt, was für eine Wucht sie sind. Die Stimme von Sänger Andrew Groves ist wohl Geschmackssache, aber wem es gefiel, den erwartete ein absolutes Zuckerstück. Auch wenn die Stimme nicht allen gefällt kann man einfach nicht leugnen, dass er sie einzusetzen weiss. Und wie! Dazu kommen furiose Drums sowie wuchtige Riffs. Das englische Trio war der perfekte Abschluss auf der Zeltbühne.

Mit dem wohl stärksten Line-Up in seiner 24-jährigen Geschichte ist das Open Air Gränichen nun vorbei und wir können eigentlich nur noch eines sagen: Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

Text: Andy M. , Eric L. und Vera.

Übrigens: Eric hat am Freitag und Samstag Impressionen für euch festgehalten.