Brendan Murphy von Counterparts: “Ich schreibe Texte, weil mich etwas beschäftigt.”

Am diesjährigen Open Air Gränichen hatte ich die Gelegenheit, ein bisschen mit dem Frontman der kanadischen Band Counterparts zu plaudern. Bei Temperaturen “Level Mordor” setzten wir uns im Backstagebereich zusammen hin und er erzählte mir einiges über das Touren, ihre Alben und ihre Twitteraktivitäten.

Hey Brendan, wie geht es dir bei dieser Hitze?
Brendan: 
Oh ich hasse es, haha! Also nicht falsch verstehen, ich bin sehr froh, haben wir schönes Wetter und es nicht irgendwie schneit oder so. Es ist aber sehr anstrengend, wenn es die ganze Zeit so heiss ist. Dazu kommt, dass ich befürchte, dass die Klimaanlage in unserem Bus ausgestiegen ist.

Das wäre ja fatal!
Absolut! Ich hoffe mal nicht, dass das tatsächlich der Fall ist, aber auf den letzten Kilometern hierher ist es irgendwie immer heisser geworden im Bus. Wir werden das morgen gleich abchecken und im Notfall den Bus auswechseln lassen.

Dann drücke ich ganz fest die Daumen, dass mit eurem Bus alles in Ordnung ist!
Danke!

Ihr seid als Band ja nun bereits über zehn Jahre zusammen unterwegs und habt fünf Alben veröffentlicht. Wie haben sich eure Alben vom ersten Werk “Prophets” zum aktuellen Werk “You Are not You Anymore” weiterentwickelt?
In erster Linie würde ich sagen, dass vor allem das Songwriting intelligenter geworden ist. Am Anfang wussten wir nicht wirklich, was wir tun und haben einfach drauflos geschrieben. Mittlerweile haben wir uns weiterentwickelt und wissen, was wir ausprobieren wollen, oder was gar nicht erst in Frage kommt. Die letzten Alben haben wir immer mit einer genauen Vorstellung geschrieben und durch die Erfahrung haben wir unser Ziel eigentlich immer erreicht.

Hast du selber ein Lieblingsalbum oder eines, über das du sagst, das ist euer wichtigstes Album?
Das Wichtigste könnte “The Difference Between Hell And Home” sein. Mit diesem Album haben die Leute angefangen, uns richtig wahrzunehmen und von da an ging es stetig bergauf. Mein Lieblingsalbum ist aber ganz klar “You Are Not You Anymore”. Ich finde, dass wir getrost sagen können, dass wir mit jeder Scheibe besser geworden sind.

Wo war denn in den letzten zehn Jahren der beste Ort, an dem ihr je gespielt habt?
Ganz klar Japan! Das Land, das Essen, die Leute, alles ist einfach der Wahnsinn dort. Wir lieben es, dort zu touren – es ist wie Ferien. Alle anderen Orte sind dagegen auf einem gleich guten Level. Wir lieben das Touren generell und es war nirgends schlecht bisher.

Wo wart ihr noch nicht, wo du gerne mal hin möchtest?
Ganz einfach überall da, wo wir noch nicht gewesen sind, zum Beispiel in Südamerika, Afrika oder weit im Osten Europas. Ich möchte überall hin. Es gibt so viele Orte, von denen man hört, dass die Shows dort krass abgehen, dann möchte man natürlich umso mehr hin. Russland ist so ein Beispiel und leider hat es bisher noch nie geklappt. Ich möchte gerne sehen, ob die Shows wirklich so hart abgehen. Und wenn nicht, dann wäre es bestimmt auch sonst ein tolles Erlebnis.

Also sind auch schlechte Erlebnisse gute Erfahrungen?
Wir hatten ehrlich gesagt noch nie wirklich schlechte Erlebnisse auf Tour, die mir jetzt irgendwie nachhängen würden. Gerade in Europa oder auch Asien ist es immer sehr entspannt. Man merkt auch bei den Interviews, dass sich die Leute für einen interessieren und es ist mit den Menschen immer angenehm. Wir haben schon auch weniger gute Erinnerungen, wie zum Beispiel an Interviews an der Warped Tour. Da haben sich die Interviewer nicht mal die Mühe gemacht, sich über uns zu informieren und wir denen erstmal erzählen mussten, wer wir sind und was für Musik wir machen. Aber wir haben uns dann einfach immer einen Spass daraus gemacht, ihnen etwas auf die Nase zu binden und haben erklärt, dass wir Death Metal machen oder so, haha!

Brandan Murphy während der Show am diesjährigen Open Air Gränichen.

Im September werdet ihr eine EP mit den B-Side-Songs veröffentlichen, welche es nicht auf “You Are not You Anymore” geschafft haben. Weshalb sind das gerade die B-Side-Songs?
Als wir das Album Track für Track durchgehört haben, waren das einfach die Songs, die nicht wirklich gepasst haben. Wir strichen die Songs, bei denen wir fanden, dass sie zwar cool, aber nicht voll geil sind, oder wo es einfach nicht genau ins Gesamtkonzept passte. Zwar ist das Album dadurch etwas kürzer geworden als gedacht, aber dafür passt alles zueinander und es ist, wie bereits erwähnt, meiner Meinung nach unser bestes Album.

Die B-Side-Songs sind alles Tracks, die ein bisschen anders und vielleicht ein bisschen komisch sind, aber es sind trotzdem coole Songs. Deshalb wollten wir die Leute nun doch daran teilhaben lassen. Ja, und die Pre-Orders sind bereits weg, was wir echt nicht gedacht hätten. Eine tolle Überraschung!

Ja, die Fans scheinen sich darauf zu freuen!
Als ihr die Band gegründet habt, warst du gerade mal 16 Jahre alt. All die Texte basieren bei euch seit Beginn auf persönlichen Ereignissen. Was hat sich textlich in den letzten zehn Jahren geändert?
Grundsätzlich nicht viel. Wie du bereits richtig erkannt hast, sind Themen immer durch persönliche Erfahrungen getrieben. Das Grundthema ist im Grossen und Ganzen immer dasselbe: Ich schreibe Texte, weil mich etwas beschäftigt. Irgendetwas macht mich traurig, nervt mich, oder macht mich wütend. Aber der Grund hinter den Texten ändert. Man wird älter, man erlebt andere Dinge.  Das Leben ist voller Herausforderungen und jedesmal muss man neu lernen, damit umzugehen und lernen, wie man sich an neue Umstände anpassen kann. Das verarbeite ich in den Texten.

Wenn man euch auf Twitter folgt, sieht man, dass ihr euch da nicht allzu ernst nehmt. Im Gegenteil, es ist sehr lustig, euch auf Twitter zu folgen. Habt ihr Angst, dass eure Zuhörer daher eure Texte irgendwann nicht mehr ernst nehmen?
Haha, das stimmt! Wir nehmen uns selbst, besonders auf Twitter, überhaupt nicht ernst. Es ist eigentlich ganz einfach: Der ernste Part von uns ist in der Musik. That’s it. Überall sonst wollen wir Spass haben und machen Scherze. Klar, es gibt Musiker, welche die Thematik ihrer Band voll und ganz durchziehen und ihren dunklen und mysteriösen Vibe auch nach aussen so präsentieren. So sind wir aber nicht und das ist uns auch zu anstrengend. Wir wollen Spass haben. Wenn wir die ganze Zeit ernst bleiben wollten, würden wir irgendwo in einem Büro arbeiten und nicht mit einer Band auf Tour sein.

Ich sehe sowieso keinen Grund, weshalb man unsere Texte deswegen nicht trotzdem als ernst gemeinte Werke ansehen kann. Wenn jemand unsere Musik aufgrund unserem Verhalten auf Sozialen Medien nicht mehr gut findet, dann sind wir halt auch nicht die geeignete Band für diese Person. Dazu kommt, dass ich es angenehm finde, dass wir auch diese lustige Seite haben. Ich möchte nicht, dass Leute das Gefühl haben, sie dürfen uns nicht anquatschen weil wir zu ernst sind oder so. Die Menschen sollen wissen, dass man mit uns rumalbern kann und mit uns lustige Konversationen führen kann. Und wer weiss, vielleicht fängt jemand an, unsere Band zu hören, gerade weil er uns auf den Sozialen Medien entdeckt hat und es lustig findet, was wir posten.

Habt ihr jemals etwas gepostet, was ihr später bereut habt und es vielleicht sogar wieder entfernen musstet?
Nicht wirklich. Ich finde unsere Jokes sind zwar manchmal stumpf, aber wir machen es nie auf Kosten anderer. Es ist für uns ganz selbstverständlich, dass man keine Witze macht, welche in irgendeiner Form rassistisch, sexistisch oder sonst was in der Art sind. Wir machen uns gerne über Menschen lustig, aber das kann man auch machen, ohne anstössig zu sein.

Ich finde eure Tweets auf jeden Fall super! Macht weiter so und viel Spass am heutigen Konzert!
Vielen Dank!