02.-04.08.2018: Throwback zum Szene Openair

Das war mein zehntes Jahr, an dem ich das Szene Open Air besuchte, und ich liebe es nach wie vor. Die Umgebung ist fantastisch, die Leute sind freundlich und motiviert, das Festival ist wirklich gut organisiert und jedes Jahr entdecke ich neue Bands. Ich konnte nicht alle Bands der drei Tage abdecken, aber ich gab mein Bestes, um eine Auswahl dessen zu sehen, was jeder Tag zu bieten hatte. Für euch habe ich ein paar Worte über die Bands geschrieben, die ich bestaunen durfte. Die Grösse des Festivals macht es perfekt, um ein bisschen von allem einzufangen.  Nebst den zwei Hauptbühnen bietet das Festival drei weitere Köstlichkeiten:

  1. Das Fohren Burg Zelt, wo nach den Konzerten gehörig eingeheitzt wurde mit Labels wie: Conrad Sohm Puzzles w/ Mr. Niceguy + Zoolaut, DIMENSION pres. by INFUSION und CE$ pres. by DRIPPIN‘.
  2. Die Tagesbühne auf dem Zeltplatz mit den Labels Manning The Middle, Fresh Meat / Gin and Juice, Whoo Cares / Dope / Low-Cut, AUM, Bonkers und zu guter Letzt Bass Factory be crooked. Alles altbewährte Conrad Sohm Hausfreunde, die wir lieben und schätzen.
  3. Das Rock City Zelt, das einem einladend auffängt während der Durchquerung, um das Gelände zu verlassen. Mit rock-durchflössten Labels wie HIRTI, Conrad Sohm Headbangerz und Helgaaaa Rockt!.

Bei diesem hammermässigen Nebenprogramm war für jeden, und ich meine wirklich jeden, Geschmack was dabei. Das Szene ist kein Festival, bei dem du einfach nur Musik guckst. Es heisst über drei Tage feiern, neue Freunde treffen, sonnenbaden und essen. Gaaaanz viel essen. Es ist wie eine kleine Gemeinschaft.

Also, lasst uns mal beginnen mit Tag 1:
Den ersten Festivaltag auf der Hauptbühne, die liebevoll “Alter Rhein Bühne” genannt wurde, eröffneten Georgy. Als nächstes war Mona Ida auf der Szene-Bühne zu sehen. Da ich arbeitstechnisch nicht so früh auf dem Festival sein konnte, war die erste Band, die ich bestaunen durfte, Turbobier. Charismatische Show, auf jeder Seite ein windmühlenhafter Gitarrist; ich genoss das Set sehr.

Nach ein paar Bierchen schaffte ich es noch rechtzeitig zum Käptn Peng & die Tentakel von Delphi-Konzert. Für alle, die diese Wortakrobaten bereits kennen: es wird euch nicht überraschen, dass sie mich aus den Schuhen gehauen haben, trotz meinen hohen Erwartungen. In Kostümen stürmten sie die Bühne und überragten mit ihrer Bühnenpräsenz. Käptn Peng ist bekannt für seine surreale Lyrik, die wie ein Blätterteigstrudel aus vielen köstlichen Schichten besteht. Seine treue Band, die alleine für das Wortspiel im Namen schon einen Orden verdient, begleitet seinen Sprechgesang – darf man Rap sagen? – enthusiastisch mit skurrilen Instrumenten. Allen, die sich überlegen, die Band anzuschauen, sei gesagt: Tut es! Wird ein starker Abend, garantiert.

Ab ging die Post danach mit Leoniden.  Der Name passt sehr gut zu ihrem Elan, ein Leoniden-Meteorschauer. Jakob Amr ist ein absoluter Kraftprotz am Gesang und seine Bühnenpräsenz ist wild und temperamentvoll. Die ganze Band strahlte und schien eine wundervolle Zeit zu haben, was meiner Meinung nach die Leistung einer Band für das Publikum immer interessanter macht. Ihr Set war von Anfang an rifftastisch, brutal und energiereich. Wenn Menschen zusammenkommen und sich verschwören, gemeinsam Pläne schmieden und sich nicht zu fein sind, sie auch wieder umzuschmeissen, über Jahre hinweg alle verfügbare Energie und Kreativität in die Verwirklichung der gemeinsamen Sache stecken und ihr Tempo dabei immer selbst bestimmen, dann können wirklich wundervolle Dinge entstehen. So dumm es klingen mag: Leoniden machen coole Musik für alle. Hipster, Hardcore-Typ, Indie-Kids, Rocker, Club-Gänger, Disco & Soul Freaks kommt zusammen, das hier ist für uns alle!

Last but not least auf der Bühne am ersten Tag erschienen die legendären Bilderbuch. Für die einen ist es Krach, für die anderen Kunst. Was für viele Bands schwierig ist, insbesondere dann, wenn sie einem so speziellen Genre angehören wie Bilderbuch, scheint den Österreichern locker von der Hand zu gehen. Erstaunlich und bewundernswert zugleich. Bilderbuch gelten seit jeher als verrückt, wiedererkennbar und vor allem frisch und sie sind die ersten in der deutschen Sprache, die sich vom Mainstream und Heimatstadl abgrenzen, wenn man von Punkrock absieht. Doch mit Punkrock haben die Österreicher wenig zu tun, musikalisch zumindest. Was ihren Sound, ihr Arrangement und den gewagten Stilmix aus Progressive, Art Punk, Indie, Hip Hop und Soulelementen angeht, können sie durchaus nicht nur als Pioniere sondern auch als Rebellen angesehen werden.

Andere Bands, die am ersten Tag des Festivals spielten, für die ich aber keine Zeit hatte:  Gab & Gal, Bands des Jazzseminar Lustenau, Jeremy Loops, Out Of Frame, Moon Hooch.

Tag 2
Die Sonne schien erbarmungslos und die Bands waren am zweiten Festivaltag garantiert eine grosse schwitzige Masse, noch bevor sie die Bühne betraten! Die erste Band, die ich am zweiten Tag zu Gesicht bekam, waren meine Jugendhelden Terrorgruppe. Es ist lange her, seit ich Terrorgruppe zuletzt gesehen habe und ich wurde nicht enttäuscht. Sie fliegen nur so durch ihr explosives Set, mit ihrem Publikum voll an Bord. Ein paar neue Songs, ein paar halbwegs neuere Songs, grösstenteils aber alte Kracher, die zum lauten Mitgrölen geradezu einluden. Ältere und neuere Lieder wechselten sich stets ab und so wurde es während dem stündigen Set nie langweilig. Auch wenn sie es selbst kurios und traurig finden, dass eine Punkrockband sich im Jahr 2018 noch politisch positionieren muss, so entspricht es wohl leider unserer Realität.

Nach einer längeren Bierpause meinerseits und etwas skurrilen Shows dazwischen (ich möchte mich wirklich nicht beklagen, habe diese genau so mitgefeiert wie alle andern), ging es für mich weiter mit Kraftklub. Nun ist es nicht so, dass auf der Bühne der pure Punk regieren würde. Stattdessen gibt es viel Midtempo, Balladen, Gefühle, daneben aber auch schweisstreibende Punknummern. Die Menge zerstreute sich in Begeisterung mit hochgestreckten Handys und teilte diese Attraktion der Nacht über Soziale Netzwerke mit ihren Freunden. Kraftklub haben an ihrem Grundkonzept nicht viel geändert. Das ist auch gut so, denn nicht jeder muss sich alle drei Jahre neu erfinden. Das Gesamtbild ist eindrucksvoll: Alle in schicken Anzügen.

Andere Bands, die am zweiten Tag des Festivals spielten: Reason Of Sin, Thirsty Eyes, Seesa Da Vinci, Bands des Jazzseminar Lustenau, Nimo, The Picturebooks, Oh Wonder, Naked Cameo, SXTN, Fil Bo Riva, Zeal & Ardor, HER.

Tag 3
Nachdem ich am Morgen einen Hügel hinaufgeradelt bin, habe ich mir etwas essbares geholt und bin dann in die Festivalarea gewatschelt. Mit gefühlten 40 Grad um 11 Uhr morgens wussten wir, dass wir einen heissen Tag vor uns hatten. Wir erlebten einen fantastischen Start in den Tag mit Mother’s Cake, die in ihrem kurzen 50-Minuten-Slot eine wirklich gute Show zeigten. Ihnen gelingt der Übergang zwischen donnernder Härte und vollmundiger, fliessender Melodienseligkeit. Das beherrscht die Band nahezu im Schlaf und besonders in den leiseren Phasen eindrücklich. Instrumental geht es gleichberechtigt zu, jeder Musiker präsentiert sich mit Wucht und weithin vernehmlich. Zu meinem Bedauern verpasste ich leider Fjort.

Anschliessend war Adam Angst angesagt. Was ich hierzu sagen kann ist nur, dass die Melodien sitzen, auch wenn sie nicht durch die Bank hochoriginell sind, rhythmisch werden die Songs nach vorne gepusht, ohne das Gaspedal im höchsten Gang bis zum Boden durchzudrücken. Die gesellschaftskritischen, zwischen Zorn, Trauer und Aufbruchsstimmung schwankenden Lyrics geben dem Act noch einen zusätzlichen Kick.

Auf Giant Rooks war ich besonders „gspannt“. Ihre Musik ist kraftvoll und befreiend, genug, um vergessen zu lassen, dass mir jemand Bier über den Rücken geschüttet hat. Man hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, das Dank der Begeisterung des Publikums.

Band of the Festival (mit Bilderbuch verbunden), unsere heissgeliebten Beatsteaks, waren als nächstes dran und sie zerstörten alles für eine Stunde. Auch hier trägt die Meute ihren Teil dazu bei, es zu einer unvergesslichen Show zu machen. Wir hatten alle viel Spass und ich selbst war nach dieser Show absolut zerstört – im positiven Sinne. Sie würden von mir die Goldmedaille für die Leistung des Tages erhalten, sie erfüllten alle nötigen Faktoren, um eine hervorragende Leistung zu liefern.

Andere Bands, die am dritten Tag des Festivals spielten: K.O. Pilot, 9Bar, Neon Diamond, The Flight Of Apollo, Schönbrunner Gloriettenstürmer, Ufo361, RIN, Mavi Phoenix, Ski-Schuh-Tennis Orchestra.

Mein Fazit:

  • Bands gesehen – 16
  • T-Shirts gekauft – 2
  • Anzahl Biere – undefinierbar
  • Highlight – Beatsteaks
  • Enttäuschung – RIN
  • Positive Überraschung – Mavi Phoenix

Wir haben ein weiteres Jahr hinter uns und zum ersten Mal gibt uns das Szene Openair einen Vorgeschmack auf das nächste Jahr:  Otto Waalkes & die Friesenjungs. Es gibt ein hörbares Mass an Aufregung, als online angekündet wird, wer auf der Hauptbühne erscheinen wird. Legenden sterben nie. Bring on 2019!