So waren unsere Jugendhelden Bad Religion im Conrad Sohm (A)

Das Kultursommer Festival im vorarlbergischen Conrad Sohm hat die Puppen tanzen lassen. Der ganze Spass wieder im heimeligen, schon fast tropischen Wald. Trotz ein paar Regentropfen liess sich die Meute nicht demotivieren, ganz im Gegenteil, man merkte, wie erfrischt das Publikum wirkte nach dieser langanhaltenden Dürre. Umso schöner, dass wir diesen Moment kombinieren konnten mit den Klängen zweier Bands, die nicht unterschiedlicher sein könnten, aber genau unseren Geschmack trafen. Eine junge Newcomer-Band mit dem Namen Too Mad und die altbewährten Bad Religion, die wohl allen ein Begriff sind.

Die Eröffnungsband musste kurzerhand ersetzt werden. Jeder, der schon mal im Bookingbereich gearbeitet hat oder eine Show organisiert hat, weiss, wie schwer es ist, in letzter Minute noch einen tollen Ersatz zu finden. Aber umso mehr hat es mich persönlich gefreut zu erfahren, dass meine Lieblinge von Too Mad kurzfrisitg eingesprungen sind. Nach ihrer Show haben sie mir erzählt,  dass sie zwischen Anruf des Bookers und der Show knapp mal eine Stunde Zeit hatten,um ruckzuck alles Zeug zu packen und pünktlich zur Show zu erscheinen. Hier ein “Hipp Hipp Hurraa” an Too Mad für diesen spontanen Einsatz! An der Show selber war von dem “Stress” nichts zu merken. Da ich die Band bereits kenne, wusste ich, was für ein Ohrenschmaus mich erwarten würde. Es hat mich dann umso mehr erfreut zu sehen, dass es das Publikum ebenfalls faszinierte und mitriss.

Sie rocken wie Maschinen, wenn auch Maschinen der Gnade, Seele und Sünde. Das Ergebnis ist Chaos auf Schienen; die Spannung ist rocklastig, der Klang laut und weit. Ihre weichen Klänge schliessen jedoch Momente der Verwundbarkeit nicht aus. Wie langanhaltende Donnergrollen breiten sich ihre Songs aus, mit anschliessenden Akkordwechseln für einen leichten Refrain, bevor die Klangwellen wieder in diesen hypnotischen Groove zurückfallen. Trotz Bemühens meinerseits wage ich mich nicht auf eine Musikstil-Richtung festzulegen, um das Duo aus Schlagzeug und Gitarre/Gesang zu beschreiben. Ganz frech würde ich aber behaupten, dass es für mein Gehör eine Mischung aus Stoner-Rock, Blues-Rock und Doom-Metal ist.

Anschliessend, mit etwas mehr Regentropfen über unseren Köpfen, betraten Bad Religion die Bühne, begleitet vom Toben der Menschenmenge voller Vorfreude.

Ich war erfreut und überhaupt nicht überrascht zu sehen, dass sie (wie auch die Menge) immer noch so rauflustig und rau wie immer waren. Es fühlte sich an als wären wir zurück in der Mitte der 90er-Jahre und ich spürte jeden Song in jeder Faser meines Körpers.

Es gibt eine feine Grenze zwischen einem sehr spezifischen und authentischen Klang, der eine Band definieren kann, und der, der überflüssigen und abgestandener Musik. Seit mehr als 30 Jahren haben Bad Religion bewiesen, dass das Alter nur eine Nummer ist und legendäre Songs nie aus der Mode kommen. Es ist so gut, eine Band zu sehen, die sich keine Grenzen setzt und immer noch Musikgeschichte schreibt, die gesellschaftliche Normen herausfordert und keinen einzigen F*** gibt.

Sie nahmen uns mit auf eine Reise durch ihre gesamte Diskografie und hielten inne, um zu betonen, wie aktuell die Inhalte ihrer Songs noch sind. Ein grosser Höhepunkt für mich war die Zugabe. Sie spielten als Zugabe, übrigens das erste Mal in Österreich, ein ganzes Album durch. An den meisten Konzerten verstehen wir unter einer Zugabe vieleicht zwei Songs, aber gleich ein ganzes Album als Zugabe zu Gehör zu bekommen, ist einfach nur Wahnsinn! Vielen Dank an Greg Graffin, Brett Gurewitz, Jay Bentley, Mike Dimkich, Brian Baker und Jamie Miller, dass sie so viele meiner Lieblingssongs gespielt haben und uns daran erinnert haben, dass Punkrock immer noch am Leben ist.