16.08.2018 – Ein Tag und eine Nacht am Open Air Gampel

Am Donnerstagmorgen wurde die SBB auf der Strecke ins Wallis kurzzeitig zu einem Zügelunternehmen. Beeindruckend und nicht immer bequem, wie viele Personen mit viel Material durch den Lötschberg verfrachtet wurden. Und dazu kamen ja noch die Autoreisenden: Am Sonntag kam es auf der Rückreise aus dem Wallis gar zu Verkehsbehinderungen, verursacht durch die vielen GampelbesucherInnen. Allein diese Tatsache zeugt von der Grösse des Open Airs, das mit dem Slogan “Iischi Party” seit Jahren Partyvolk und KonzertgängerInnen aus der ganzen Schweiz anzieht.

Das musikalische Programm war auch heuer ebenso vielfältig wie das Angebot an Bars auf dem Festivalgelände. Da kamen Pop-, Rock- und Hip-Hop-Fans voll auf ihre Kosten. Auf der grossen Bühne stand am Donnerstag bereits der erste grosse Headliner des Festivals: Macklemore. Was dieser an Hits auspackte, war mindestens ebenso beeindruckend wie die Anzahl seiner Kostüme. Selbst Zuschauende, die den US-amerikanischen Rapper nicht gezielt verfolgen, kamen immer wieder ins Mitsingen, -gröhlen oder zumindest -wippen ob der zahlreichen bekannten Melodien. Natürlich ist das nicht Hip-Hop in reinster Form sondern häufig näher an Popmusik, dennoch steckt hinter Macklemore etwas mehr als ein 0815-Radiomusiker: Er veröffentlicht seine Musik beispielsweise unabhängig, ohne grosses Musiklabel im Hintergrund. Und er macht sich gegen schädigenden Drogenkonsum, unter welchem er selber lange Zeit zu leiden hatte, und Homophobie stark. Dass die Messages seiner Lieder verstanden werden, sind dem Künstler wichtig. Dass dies bei Festivalauftritten wie in Gampel aber nur sehr selten der Fall sein dürfte, ist ihm wohl bewusst. Bei ihm genauso wie später bei Marteria  ging es in erster Linie ums Feiern. Der deutsche Rapper überzeugte dabei mit einer enormen Bühnenpräsenz, viel Interaktion mit dem Publikum und dem Switch zwischen “Marteria” und “Marsimoto“, seinem Alter Ego mit der gepitchten Stimme.

Am frühen Abend waren von derselben Bühne noch ganz andere Klänge zu vernehmen: Mit Eluveitie trat die erfolgreichste Schweizer Metalband auf, deren keltischer Metal im In- wie im Ausland seit Jahren auf grossen Anklang stösst.  Leider schien ihr Sound in Gampel nicht gerade gut abgemischt und es erwies sich häufig als unmöglich, einzelne Instrumente herauszuhören. Zudem scheint jedes Mal, wenn man der Band begegnet, die Hälfte der Mitglieder ausgetauscht, dennoch stellten Eluveitie einmal mehr unter Beweis, dass sie zurecht als hervorragende Liveband gelten.

Das absolute Highlight des Tages aber waren die deutschen Punker von Feine Sahne Fischfilet. Ihr Konzert auf der kleinen Bühne zwischen den Auftritten von Marteria und Macklemore war eine so willkommene Erfrischung (vom radiotauglichen Einheitsbrei), wie man sie diesen Sommer in den Schweizer Seen vergebens sucht (und im Schweizer Radio ja leider auch fast immer). Feine Sahne Fischfilet lieferten einmal mehr einen fantastischen Liveauftritt ab und wurden vom Publikum gefeiert. Schon erstaunlich und schön, wie innert kürzester Zeit aus einer Vorband mit lustigem Namen eine Band werden konnte, die auf einem grossen Festival zur besten Zeit auftritt und dabei das Publikum mitzureissen vermag.

Hat die Musik also nicht enttäuscht, so blieben doch einmal mehr einige Fragen offen: Wieso, liebes Open Air Gampel, dürfen für ein viertägiges Festival bloss drei Liter Getränke pro Person auf den Zeltplatz mitgenommen werden? Wieso kostet der Shuttlebus extra, wenn er doch nur von FestivalbesucherInnen mit einem Ticket benutzt wird? Und wieso gibt es immer noch Einwegbecher, da doch schon so viele andere Festivals beweisen, dass es auch mit Mehrweg geht? Die meisten kritischen Fragen gingen zwar zugegebenermassen im Verlaufe des Abends ein wenig vergessen, zu gut waren einige Konzerte und zu gut war die Stimmung. Aber ein wenig nachhallen sollen sie doch noch. Immerhin in einem leidigen Thema gab es übrigens einen Fortschritt: Das Gampel Open Air war das erste Festival, das dem Projekt Notentwaste erlaubt hat, Zeltplatzmaterial zu sammeln, das von den BesucherInnen abgegeben oder einfach liegen gelassen wurde. So kamen beispielsweise ganze 280 Zelte, 850 Pavillonabdeckplanen und 150 Isoliermatten zusammen, die an bedürftige Menschen abgegeben werden. Weiter so!