17.-19.08.2018 – Pfadi und Openair? PFF in Liestal!

Kaum ein Land kennt eine solche Dichte an Openairs wie die Schweiz. Trotzdem zieht es die allermeisten Medienschaffenden immer wieder nur an dieselben fünf oder sechs grössten Events. Dabei sind es doch gerade die kleineren Veranstaltungen, die mit ihrem Herzblut den Openairsommer so schön machen! Zu den aussergewöhnlichsten Perlen in der Schweizer Openairlandschaft gehört das nur unregelmässig und an wechselnden Standorten stattfindende PFF. PFF?

Auch das gehört zum PFF: Spiele können gratis ausgeliehen werden. Ausserdem wurden beispielsweise Crashkurse im Tanzen oder Improtheater und eine Yogastunde angeboten.

PFF, das steht für Pfadi Folk Fest, was den Nagel schon ziemlich auf den Kopf trifft. Das PFF ist ein Fest für Pfadis. Ein richtiges Openair, mit zwei Bühnen, vielen Bands und Bars. Trotzdem ist hier vieles etwas anders. Denn das Konzertgelände gleicht mit den grossen Bühnen und den vielen Militärblachen einem “normalen” Openairgelände genauso wie einem Pfadilager. Auf dem Zeltplatz stehen Dutzende der pfaditypischen Spatz-Zelte neben vielen der openairtypischen, billigen Pavillons. Und es gibt zwar klassische Burger- und Pizzastände, das Festivalticket wird aber auch mit einer Essenspauschale angeboten. Eine Mischung aus Festivalfeeling und Pfadilagerstimmung, die so gut wie jeden Pfadfinder und jede Pfadfinderin begeistert.

Das musikalische Programm des PFF wusste vor allem durch seine Vielfalt zu überzeugen. Abgesehen von einer Ausnahme kamen alle KünstlerInnen aus der Schweiz und trotzdem gab es viel Neues zu entdecken, ganz entsprechend dem diesjährigen PFF-Motto “Explore”. Die ganz grossen Schweizer Namen sucht man am PFF vergeblich, aber die spielen ja mittlerweile sowieso alle zwei Jahre an allen grösseren Freilichtveranstaltungen der Schweiz. Wer ans PFF geht, der aber geht auf eine Entdeckungsreise.

Eine Entdeckungsreise, die mal über angenehm ruhige Gewässer führt, wie beispielsweise bei der Basler Folk-Band Serafyn mit ihren wunderschönen Arrangements mit Streichern, Perkussion, Gitarre und Gesang. Mal wird es stürmisch, wie bei den Winterthurern Jack Slamer, die das Publikum mit ihrem mächtigen Rock in die 70er-Jahre entführten.

Auch bei Crimer führte die Reise ins vergangene Jahrtausend, zurück in die Gegenwart ging es dafür bei Ripstone, die zwar mit fettem Sound und abwechslungsreichem Songwriting überzeugten, allerdings auf etwas gar viele Samples zurückgreifen mussten. Schade, dass da nicht mehr live gespielt wurde. Dasselbe galt für ZiBBZ, die Vertreter der Schweiz am diesjährigen Eurovision Song Contest. Sängerin Co Gfeller überzeugte allerdings mit ihrer starken Stimme und grosser Bühnenpräsenz.

Sogar bei der Basler Hip-Hop-Kombo Brandhärd wurde mehr live gespielt, sie wusste vor allem mit ihren alten Hits mitzureissen. Weniger ums Mitreissen als ums Sich-gehen-lassen ging es bei Al Pride, deren Popmusik perfekt zur sommerlichen Abendstimmung am Samstag passte. Im Zeitpunkt eher unpassend war  hingegen Halbrahm, die jungen Punks traten am Familiensonntag auf…wieso bloss? Lustig war es trotzdem.

Nicht schwierig vorzustellen, dass in einer solchen Bar bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wird!

Jener Familiensonntag hatte seinen Namen dennoch verdient, mit Schtärneföifi und Linard Bardill kamen die Kinder voll auf ihre Kosten. Es war insbesondere bei dem zweiteren aber auch wunderschön zu sehen, wie viele mittlerweile ausgewachsene Pfader sich an ihre Kindheit erinnert fühlten und alle Lieder mitsingen konnten. Und der Linard, der kann mit seiner äusserst unterhaltsamen Art auch alle anderen mitreissen, so wurde sein Konzert tatsächlich zu einem der Highlights dieses Festivals.

Zu diesen gehörten auch Troubas Kater, die für eine Party erster Güte sorgten mit ihrem ganz eigenwilligen Mix aus Bläsern, Akkordeon und Sprechgesang. Richtig gutes Freestyle-Rapping gehörte da sogar auch dazu, ebenso wie bei den Freiburgern Otto Normal, die ihrerseits den Rap mit Pop-Klängen mischten, was für nicht weniger gute Stimmung sorgte.

So unterschiedlich die auftretenden MusikerInnen auch waren, eines war ihnen gemein: Die Begeisterung über die ausgelassene Stimmung im Pfadipublikum, das auch mal die Pfadikrawatten durch die Luft schwingen liess. Kein Wunder, ist doch dieses Festival auch eine Art grosses Klassentreffen und eine Belohnung für die Freiwilligenarbeit, die die vielen LeiterInnen das ganze Jahr über leisten. Eine Belohnung, die man sich aber auch als extern Besuchende(r) gönnen kann, das PFF ist offen für alle und wer jetzt Lust darauf bekommen hat: Bereits in einem Jahr findet die nächste Ausgabe statt, dann in Stäfa und unter dem Motto Mosaik.