25.08.2018 – Die Toten Hosen und rund 50’000 Besuchende trotzen dem Regen

Es herrschte wahrlich nicht Openairwetter, als am Samstagnachmittag und -abend gegen 50’000 Zuschauende auf die Luzerner Allmend strömten. Die Anziehungskraft der Toten Hosen war aber gross genug, um in der ganzen Stadt Luzern für Ausnahmezustand zu sorgen. Und wie erwartet war ihre Liveshow mitreissend genug, um den Regen und die erfrischenden Temperaturen komplett zu vergessen. Ein paar Wermutstropfen blieben dennoch.

Begonnen hat der ganze Anlass mit (zumindest zu dieser eher frühen Uhrzeit) sehr humanen Wartezeiten beim Eingang und etwas später mit den Australiern von The Living End. Die in ihrer Heimat erfolgreiche Band geniesst hier Geheimtippstatus, obwohl sie seit 24 Jahren existiert. Wenig überraschend, dass die Band noch nicht wirklich mitreissen konnte. Das lag aber keineswegs an ihrer packenden, mit tollen Kontrabassläufen gespickten Musik, viel eher an ihrer hiesigen Unbekanntheit.

Mit Feine Sahne Fischfilet ging’s auf der Allmend zum ersten Mal richtig rund. Die Jungs aus Mecklenburg-Vorpommern befinden sich im steilen Aufstieg, und es ist offensichtlich weshalb: Da wird ganz schön viel Feuerwerk gezündet, rauchiger wie musikalischer Art. Ihr Auftritt von gerade mal 30 Minuten war viel zu kurz aber das ist auch der einzige Kritikpunkt am Auftritt der noch sehr frisch wirkenden Band. Eine Frische, die den Toten Hosen manchmal etwas fehlt, aber nach 36 Jahren Bandgeschichte kann man das denen auch nicht wirklich übel nehmen.

Mit den Donots stand vor dem eigentlichen Highlight noch eine weitere deutsche Punk-Rock-Insitution auf der Bühne. Auch sie wurden ihrem Ruf als ausgezeichnete Liveband einmal mehr gerecht und rissen das Publikum mit Hits wie “Calling” zum Klatschen und Springen beziehungsweise mit “Stop the Clocks” oder “So Long” zum Schunkeln mit. Schaute man sich aber zwischen den Konzerten etwas um, kam unweigerlich die Frage auf, ob es nicht etwas gar übertrieben ist, ein solch riesiges Gelände mit dieser Menge an Verpflegungsständen für gerade mal einen Abend aufzustellen…

Pünktlich zum Beginn des letzten und längsten Konzertes des Abends meldete sich der Regen noch einmal zurück in Luzern und sorgte mal wieder für ein bisschen Schlamm. So merkten immerhin auch die fleissigsten BiertrinkerInnen, dass sie sich gerade draussen befinden. Und angesichts der doch ungewohnt tiefen Temperaturen wurde einem auch bewusst, wieso dies die letzte grosse Freilichtveranstaltung des Jahres ist. Schön war er, der diesjährige Openairsommer. Rein wettertechnisch etwas unrühmlich endete er. Aber dann kamen ja eben Die Toten Hosen. Und ab dem ersten Lied, “Opel-Gang”, wurde getanzt und gefeiert was das Zeug hält. Die Toten Hosen haben mittlerweile einen Status und eine Menge an treuen Fans, die es ihnen erlauben würden, sich etwas zurückzulehnen, eine Sause ist sowieso garantiert. Die über 50-Jährigen lassen sich aber noch immer nicht lumpen sondern geben immer alles, obwohl es vor allem Frontmann Campino ist, der das Publikum mit seinen Ansagen und Sprints vom einen zum anderen Bühnenende zum Mitmachen animiert. Etwas schade, dass sich die ehemaligen Punks in den letzten Jahren immer mehr dem Schlager angenähert haben und sie, offensichtlich um massentauglich zu bleiben und niemandem vor den Kopf zu stossen, sogar ihre politischen Aussagen mittlerweile nur noch sehr schwammig formulieren. Publikumsnähe und ein Gespür für liebevolle Locations bewiesen sie in Luzern dennoch: Am Nachmittag vor dem Konzert besuchten sie den Sedel, das Kultlokal in einem ehemaligen Gefängnis etwas ausserhalb Luzerns. Und live gab es bei über zwei Stunden Spielzeit auch für die nicht-so-Schlager-mögenden Fans genug Grund zur Freude, sei es bei grossen Nummern wie “Hier kommt Alex” oder etwas weniger bekannten Liedern wie “Verschwende deine Zeit”. Bezeichnend für ein Hosen-Konzert ist aber auch die fantastische, friedliche und freundschaftliche Stimmung im Publikum, da wird beim Pogen aus lauter Freude schon mal spontan der Nachbar umarmt. Und: Auch in Luzern, gleich neben dem Fussballstadion, brauchte die Band keinen Pyrotechniker zu engagieren: Die Fans hatten genügend rote Lichter dabei und erzeugten dabei gleich mehrmals eine magische Stimmung, die man selten so an Konzerten antrifft. Bei den Toten Hosen aber irgendwie immer…

Bild: Facebook Die Toten Hosen