Album Review: Second Function – “Individuals”

Die Zürcher Alternative-Rockband Second Function hat so einiges. Einen Wikipedia-Eintrag zum Beispiel. Und den hat sich das Trio auch redlich verdient: Zwei LPs und zwei EPs hat die Band seit ihrem Gründungsjahr 2004 veröffentlicht. Die drei Musiker standen insgesamt rund 300 Mal auf der Bühne, haben Konzerte mit Bands wie Biffy Clyro, New Found Glory, Ash, Life of Agony und vielen anderen gespielt, sind durch zahlreiche Länder getourt und haben mit diversen grossen Namen aus dem Musikbusiness zusammengearbeitet. Am 19.10.18 erscheint ihre dritte EP “Individuals”.

Trotz dieser bemerkenswerten Fakten, erreichte mich ihre Musik noch nicht so richtig – bis ich die neue Single “Airwaves” zu hören bekam. Der Song wurde bereits veröffentlicht und kommt sperriger daher als man es von “Second Function” gewohnt ist. Der Stimme von Sänger und Gitarrist Flo Bühler hört man sofort an, dass sie durch die vielen Konzerte weiter geformt wurde. Die Gitarren klingen sehr dynamisch und auch das Schlagzeug ist mittendrin statt nur dabei. Einzig der verzerrte Bass dürfte in etwas tieferen und dunkleren Gefilden grummeln. Stellenweise fühlt sich “Airwaves” wie ein neuer Song von “A Perfect Circle” an. Andere Passagen erinnern mich dann eher an kreative Rockbands wie zum Beispiel Amplifier. Die einzelnen Teile werden geschickt durch einen wiederkehrenden, verzögerten Einstieg in den eingängigen Refrain zusammengehalten.

Geradliniger und gewohnter präsentiert sich der zweite Song “Wasteland”, der am 5. Oktober als zweite Single veröffentlicht wurde. Der Song bleibt leider bis zum Schluss etwas eindimensional. “Wake Up” bietet mit einem Wechselspiel von sphärischen Strophen, die sich zu einem böse verzerrten Refrain entwickeln, wieder mehr Spannung und Energie. Überraschendes ist im beinahe epischen Werk namens “What’s Left” zu finden, in dem die kontinuierlich aufgebauten Gitarrenwände in eine minimalistische, groovige Stakkato-Strophe einbrechen und wo am Schluss kurz noch die gut gefüllte Effektkiste geöffnet wird. Der letzte Song “Mad World” teilt einzig das Suchtpotential des gleichnamigen Tears For Fears-Klassikers. Man sagt mir nach, dass ich eingängige Refrains grundsätzlich schlecht finde. Fast schon hätte ich mich damit abgefunden, dass ich auch in dieser Hinsicht ein Freak bin – Bis ich “Mad World” zu hören bekam.

Second Function bleiben mit “Individuals” zwar in der musikalischen Komfortzone ihrer Fans, sind aber auch offen für neue Ideen. Die EP wurde mit Flo Nowak in den Dailyhero Recordings in Mühlenbecker-Land (Berlin) aufgenommen und produziert. Meiner Meinung nach in einer Qualität die keine Wünsche offen lässt und Second Function in einer Liga mit den eingangs erwähnten Bands spielen lässt. Mit ihrer Bühnenerfahrung ist das Trio natürlich auch ein Garant für gute Live-Shows. Die Tourdaten werden in Kürze bekanntgegeben.

 Vö: 19.10.2018 / Brownsville Records
1. Airwaves
2. Wasteland
3. Wake Up
4. What’s Left
5. Mad World